Anders als bei Passaus "Neuer Mitte"

Sollen helfen, die Böhmwiese (unten) zu entwickeln: Architekt Klaus Kehrbaum (l.) und Martin Friedrich (Grundstücksentwicklungsgesellschaft Gedo aus Grünwald).

80.000 Quadratmeter umfasst das Böhmwiesenareal. Bei der Entwicklung des Stadtviertels stehen der Stadt Partner zur Seite. Entwickler und möglicher Investor ist mit der Gedo-Gruppe aus Grünwald eine Grundstücksentwicklungsgesellschaft, Generalplaner ist die Kehrbaum Architekten AG aus München.

Aus elf Bewerbern wählte der Stadtrat die Partner aus. Noch gibt es keine vertragliche Regelung zwischen den drei Parteien. Ein Zeitplan für die Entwicklung existiert ebenso nicht. „Wir stehen am Anfang eines langjährigen Prozesses“, sagte Bürgermeisterin Cornelia Irmer am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Die Eckpunkte bei der Entwicklung des Areals sind klar: Die Stadt will auf der Böhmwiese kein Fachmarktzentrum und keine Shopping-Mall. „Das ist eine Horrorvorstellung“, sagte Irmer. Büros, ein Hotel, ein Kino und Etagenwohnungsbau ist geplant – als Erweiterung des Zentrums. Nun werden Ideen gesammelt, denn ein fertiges Konzept gibt es nicht. Hierbei soll die Bevölkerung miteinbezogen werden. „Ich bin der Dirigent, aber die Geige kann ich nicht spielen“, sagte der Architekt Klaus Kehrbaum. Nur durch „Bürgerbeteiligung kann ein Projekt dieser Größenordnung funktionieren“. Kehrbaum will sich „in die Stadt hineinfühlen“. So wie in Passau, als „Die Neue Mitte“ im Zeitraum von sechs Jahren von ihm städteplanerisch entwickelt entwickelt wurde. Doch dort lief nicht alles geschmeidig, wie er auf Nachfrage einräumen musste. „Dort lief alles schief, was schief laufen kann“, sagte er und spielte auf dortige Bürgerbegehren an. Problem in Passau: Die Grundstücke wurden von der Stadt im Vorfeld der Planung verkauft. Ergo: „Ideenfindung muss strukturiert sein, um ein tragfähiges Gerüst zu entwickeln.“ Das Einholen der Meinungen aus der Bürgerschaft soll seiner Meinung nach etwa ein Jahr in Anspruch nehmen. Wie genau die Einbindung der Bevölkerung ablaufen soll, wird in den nächsten Wochen geklärt. Die innerstädtischen Strukturen sollen laut Kehrbaum erweitert werden. Die Stadt will kein zweites Zentrum auf der Böhmwiese. „Der bestehende Einzelhandel soll ergänzt und gestärkt werden.“ Kehrbaum spricht von zeitgemäßer und ökologisch geprägter Architektur. „Bloß nicht historisieren“, sagte er. Im Gegenteil: Der Zeitgeist müsse erkennbar sein. Irmer ging noch einen Schritt weiter: „Die Böhmwiese kann Musterprojekt für ökologisches Bauen in der Stadt werden.“ Was nun den Zeitplan angeht, so soll „2018 die Deadline sein. Und zwar dann, wenn vorraussichtlich die erste S-Bahn fährt“, betonte Gedo-Sprecher Martin Friedrich auf Nachfrage. Aber die Bahnverlängerung sei nicht Bedingung für die Entwicklung. Das Areal befindet sich noch in der Hand der Stadt. Grundstücke sind laut der Geretsrieder Rathauschefin noch nicht verkauft worden. Aber: Ziel der Gedo-Gruppe ist es „Grundstücke zu erwerben“, wie Friedrich ergänzte. Bauamtsleiter Jochen Sternkopf hält drei unterschiedliche Bebauungspläne auf dem Areal für sinnvoll, dann in einer abgestuften Bauleitplanung. Für Wohnbebauung, Einzelhandel und den Bereich um die S-Bahn-Haltestelle Geretsried-Mitte. Die Böhmwiese soll parallel zur Fortschreibung des Stadtleitbildes entwickelt werden. „Das Stadtleitbild ist ein Zielkatalog ohne konkrete Ausführungsformen.“ Es solle regelmäßige Gespräche zwischen den Verantwortlichen geben, „um beides zu verzahnen“.

Auch interessant

Kommentare