Am Anfang stand der Supergau

Autor Anatol Regnier stellte am See sein neues Buch vor

+
Bei der „Literarischen Strandparty“ ging es um das neue Buch von Anatol Regnier (Mitte).

Münsing – So lässt es sich aushalten. Mächtige grüne Baumkronen mildern die Sommerhitze, Segelschiffe wiegen sich auf dem Wasser, Wellen schwappen an das Seegrundstück am friedlichen Ostufer. Die meditative Sinnestherapie krönen die getragenen Gitarrenklänge von Anatol Regnier. Das Publikum ist glücklich eingelullt, da ist wieder volle Konzentration gefragt. Denn so leicht macht es einem der Musiker und Autor dann doch nicht. Zu sich nach Ambach eingeladen hatte der Sohn von Schauspieler Charles Regnier und der Wedekind-Tochter Pamela anlässlich des 15-jährigen Jubiläums der „Kunsträume am See“ der Starnberger Kulturmanagerin Elisabeth Carr.

Bei einer „Literarischen Strandparty“ stellte er sein neues Buch über die während des Dritten Reichs in Deutschland gebliebenen Schriftsteller vor. Mit „Jeder schreibt für sich allein“, eine Anspielung auf einen berühmten Roman von Hans Fallada, hat sich Anatol Regnier an ein großes Thema gewagt.

Eigentlich wollte Regnier dieses Buch gar nicht schreiben. Wie es trotzdem dazu kam, berichtete er so: er habe sich brennend für Hans Fallada interessiert und sei nach mehrjährigen Recherchen mitten drin gewesen, alles zu Papier zu bringen.,„Dann kam der Super-Gau.“ Ein anderer Verlag war schneller und brachte als erstes eine Biographie über den früheren Erfolgsautor heraus. Nach anfänglichem Frust kam die Idee, das Thema auf eine Auseinandersetzung mit denjenigen Schriftstellern auszuweiten, die während des NS-Regimes nicht ins Exil gingen. Wer als Autor im Dritten Reich publizieren wollte, musste sich offiziell registrieren lassen als Mitglied der Reichsschrifttumskammer. Regnier geht der Frage nach, wieviel Anpassung verlangt wurde von Hans Fallada, Erich Kästner, Ernst Wiechert, Rudolf Binding und anderen. „Das Dritte Reich ist immer noch unverarbeitet“, meinte Regnier, als er aus den druckfrischen Fahnen zu dem Buch las, das am 17. September erscheinen soll. „Es ist einfach mein Thema.“ Der 1945 geborene Regnier ist selbst ein Kind eines prominenten Künstlerehepaars, das sich gegen die Emigration entschied. Aufgewachsen ist er in Ambach am Brosi-Hof neben dem berühmten Gasthaus „Zum Fischmeister“ der Familie Bierbichler. Als Gitarrist reiste er viele Jahre durch In- und Ausland, bevor er relativ spät das Schreiben entdeckte. Eines seiner bekanntesten Bücher ist „Wir Nachgeborenen“ über die Kinder berühmter Eltern. ha

Auch interessant

Meistgelesen

Gewagte Thesen: „Bundesverband Impfschaden“ auf der Tölzer Marktstraße
Gewagte Thesen: „Bundesverband Impfschaden“ auf der Tölzer Marktstraße
Stadtrat lehnt millionenschwere „Maximallösung“ für Rathauscafé ab
Stadtrat lehnt millionenschwere „Maximallösung“ für Rathauscafé ab
Vereine und Rettungsorganisationen müssen künftig zahlen
Vereine und Rettungsorganisationen müssen künftig zahlen
37-Jähriger Münchner fährt mit 1,1 Promille gegen einen Baumstumpf – 3.000 Euro Schaden
37-Jähriger Münchner fährt mit 1,1 Promille gegen einen Baumstumpf – 3.000 Euro Schaden

Kommentare