Pallaufhof in Münsing

Präsentation einer baulichen Vision

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Die Münsinger Bürger scharten sich um das Modell zur Wohnbebauung am Pallaufhof.

Münsing – Vor und 150 Besuchern stellte der mehrfach preisgekrönte Architekt Manfred Brennecke am Mittwoch im Gemeindesaal seinen Entwurf zu einem neuen Wohnquartier auf dem südlichen Teil des Pallaufhofgeländes vor.

Nach seinem Vortrag entwickelte sich eine Diskussion mit den Bürgern, die die ausgestellten Modelle und Bauzeichnungen zum Teil sehr kritisch betrachteten.

„Ich habe eigentlich gar keine Lust hier einen längeren Monolog zu halten, sondern möchte am liebsten gleich diskutieren“, stellte Architekt Manfred Brennecke vorab klar. Und die zahlreich im Gemeindesaal erschienenen Münsinger taten ihm diesen Gefallen. Brenneckes Büro „arc architekten“ wurde von der Gemeinde Münsing beauftragt, eine Alternativplanung zum Bebauungsvorschlag des Münchner Architekturbüros Goergens, Miklautz & Weigl zu entwerfen. Der Bad Birnbacher entwickelte gemeinsam mit seinem Partner Michael Leidl ein Modell mit zwei größeren am First beleuchteten Baukörpern, unter deren Dach mehrere Wohneinheiten untergebracht werden können. Je nach Nachfrage können auf diese Weise Familienhäuser, Appartements oder auch Wohnungen entstehen, die vorzugsweise für Einheimische bereit stehen sollen. „Wie viel mehr Wohnfläche wird dadurch im Vergleich zu dem anderen Entwurf geschaffen?“, wollte Gemeinderat Josef Leis (Freie Wähler) wissen. „Das bedeutet eine Steigerung von 50 Prozent“, erklärte Brennecke. Ihm ist zudem wichtig, eine grüne Pufferzone zum benachbarten Friedhof einzurichten. „Ich halte es für problematisch, in einem Wohngebiet eine Trauerallee als Verbindungsstraße zum Friedhof zu erbauen“, erklärte der Architekt. Um den Bedarf an Stellplätzen an der Oberfläche zu reduzieren, regte Johannes Moser aus Wimpasing den Bau von Tiefgaragen an. Eine Option, die weder für Brennecke noch für Bürgermeister Grasl infrage kommt. „Das lässt die Örtlichkeit nicht zu“, erklärte Grasl. Und Brennecke ergänzte: „Eine Tiefgarage widerspricht meinem ländlichen Lebensgefühl.“ Kritik wurde zudem an der geplanten Holzbauweise geübt. Einige Münsinger befürchteten, dass der Aspekt des Schallschutzes zu wenig berücksichtigt werde. „Mithilfe von zwei getrennten Holzwänden kann der Lärm minimiert werden“, glaubt Brennecke. Ohnehin wünscht er sich, dass die Bewohner des neuen Wohnquartiers viel Kooperationsbereitschaft aufbringen und auch verträgliche Geräuschpegel akzeptieren: „Wer hier wohnen will, muss damit rechnen, dass er ab und zu mal Kinder oder landwirtschaftliche Geräte hört.“ Freistehende Einfamilienhäuser mit 400 Quadratmeter Wohnfläche hält Brennecke ohnehin für nicht mehr zeitgemäß. Nichtsdestotrotz erregte die dichte Bebauung den Unmut einiger Besucher. Ein Münsinger fühlte sich beim Betrachten der zwei großen zentralen Baukörper sogar an „schmucklose Asylunterkünfte“ erinnert, die auch in München stehen könnten. Ein Vorwurf, den der Planer natürlich nicht unkommentiert ließ: „Wir setzen hier auf ortsbildtypische, ruhige Bebauung“. Auch der Reihenhausbegriff werde von den Kritikern viel zu eng gefasst. „Wenn ich von Reihenhäusern spreche, muss es nicht das Reihenhausmodell von Geretsried sein“, stellte Brennecke klar. Spätestens hier wurde klar, dass hier jemand eine besondere Vision hat. Ob die Bürger, den von den Arc-Architekten eingeschlagenen Weg mitgehen, wird sich indes erst in den nächsten Monaten entscheiden. Bürgermeister Grasl bat noch einmal darum, ihm Lob, Anregungen und Kritik per E-Mail, Telefon oder in persönlichen Gesprächen mitzuteilen. Der Gemeinderat wird dann die Resonanz in seinen Entscheidungsprozess über die Vergabe der Planung miteinfließen lassen. Das Modell des geplanten Wohnquartiers kann in den folgenden Tagen noch im Münsinger Rathaus besichtigt werden.

Peter Herrmann

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