Asylbewerber im Landkreis

Auf Quartiersuche

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Die meisten Asylbewerber im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen stammen aus Afghanistan und Syrien.

Landkreis – Nach wie vor sucht der Landkreis händeringend nach einem Quartier für Asylbewerber. Denn weiterhin ist mit einer Zunahme von Flüchtlingen und politisch Verfolgten zu rechnen.

„Die Zahl wird steigen“, machte Landrat Josef Niedermaier (FW) unmissverständlich klar, als er im Kreistag einen Sachstandsbericht zur Situation der Asylbewerber abgab. Ihm zur Seite stand mit Thomas Bigl der neue Sozialamtsleiter der Kreisbehörde. Der hat zu seinem Einstand mit der Betreuung der Asylbewerber auch eine „schwierige Aufgabe“ übernommen. Denn allein die Unterkünfte für die Bewerber zu finden, gestaltet sich nicht einfach. Derzeit betreue der Landkreis 107 Asylbewerber in eigens angemieteten Wohnungen, „die über den gesamten Landkreis hinweg verteilt sind“, wie Bigl ebenfalls die Bürgermeister im Rahmen der jüngsten Kreisverbandssitzung des Gemeindetags informierte. Angesichts der von der Regierung von Oberbayern für den Landkreis zugewiesenen 125 Asylbewerbern stellte Bigl aber auch fest: „Wir suchen händeringend nach Unterkünften.“ Dabei habe die Regierung von Oberbayern die gleiche Not, sagte Bigl, schließlich trage sie die Verantwortung, diese Menschen unterzubringen. Laut Bigl stammten 40 Prozent der Asylbewerber im Landkreis aus Afghanistan, 16 Prozent seien Syrer, 13 Prozent Serben und Mazedonier, der Rest verteilt sich auf Nationen wie Botswana, Nigeria, Birma, Türkei oder Lybien. 

Wie schon Landrat Niedermaier im Kreistag erläuterte, verwies Bigl nun auch gegenüber den Bürgermeistern darauf, dass sich in der Form der Betreuung Änderungen ergeben hätten. Denn die so genannte Anerkennungsakte müsse inzwischen im Landratsamt fortgeführt und gepflegt werden. Das Problem dabei: „Kein Pass, keine Aufenthaltserlaubnis.“ 

Genau diese Situation kennen die Behördenmitarbeiter allzu gut. Denn eben dies ist oftmals der Fall, wenn die Mitarbeiter der Kreisbehörde erstmals auf die Asylbewerber träfen, wie Landrat Niedermaier erklärte. Auch Sozialamtsleiter Thomas Bigl hofft auf schnellere Asylverfahren. 

Die Zunahme der Asylbewerber im Landkreis hat übrigens auch Auswirkungen aufs Personal an der Kreisbehörde. „Fakt ist, dass seit Anfang des Jahres 1,7 Mitarbeiter ausschließlich für die Betreuung der Asylbewerber tätig sind.“ Und eine weitere Stelle werde hier sicher für 2013 beantragt, so Niedermaier. Die Sachkosten würden von der Regierung von Oberbayern zwar erstattet, nicht aber der personelle Aufwand.  

Entlastung ergibt sich vor allem durch die viele ehrenamtliche Hilfe in den einzelnen Gemeinden. Darauf verwiesen etwa Geretsrieds Bürgermeisterin Cornelia Irmer und Bad Heilbrunns Rathauschef Thomas Gründl bei der Gemeindetagssitzung. Letzterer bezeichnete die Hilfe vor Ort als „entscheidenden Faktor in der Betreuung“. Denn dadurch sei die Akzeptanz der Asylbewerber innerhalb der Bevölkerung viel leichter zu bewältigen. Problematisch sei laut Bürgermeisterin Irmer aber, dass die Bewerber nicht arbeiten dürften. „Diese 17 bis 20 Jahre alten Männer wollen zwar, dürfen aber nichts tun – was sollen die denn den ganzen Tag machen“, fragte sie in die Runde der Kollegen. Und Kochels Bürgermeister Thomas Holz monierte den oftmals schnellen Wechsel der Bewerber. Gerade einmal seien diese angekommen und würden über die ehrenamtlich stattfindenden Sprachkurse integriert, „da müssen sie schon wieder weg“. Doch der schnelle Wechsel sei laut Bürgermeistersprecher Michael Bromberger im Asylrecht so gefordert.  

FUW-Kreisrat Prof. Dr. Matthias Richter-Turtur empfahl im Kreistag in Sachen Suche nach Unterkünften, den Fokus stärker auf kirchliche Einrichtungen zu legen, auf leer stehende Pfarrhäuser oder Klöster etwa. Doch das sei längst geschehen, wie Landrat Niedermaier versicherte. Doch für solche Gebäude würden enorm hohe Brandschutzauflagen gelten.   Thomas Kapfer-Arrington

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