Aufgrund Ärztemangels ab 1. April erstmals keine Tölzer Kindl mehr

Geburtshilfe schließt – vorerst

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Asklepios-Klinik Pressegespräch: (v.l.) Kliniksprecher Christopher Horn und Geschäftsführer Dr. Joachim Ramming informieren über den Status quo der Geburtshilfeabteilung.

Bad Tölz – Am Freitagmittag platzte die Bombe: Bei einem kurzfristig einberufenen Pressegespräch in der Asklepios Stadtklinik teilte Geschäftsführer Dr. Joachim Ramming mit, dass die belegärztliche Geburtshilfe in Tölz „vorübergehend“ schließt. Die Versorgung werdender Mütter ist noch bis zum 31. März 2017 gewährleistet.

Mitarbeiter sowie der Betriebsrat wurden am gleichen Tag informiert. Die Mitteilung ereilt die Öffentlichkeit eineinhalb Wochen bevor der Kreisausschuss in einer Sondersitzung über mögliche Finanzhilfen zur Sicherstellung einer Hauptabteilung Geburtshilfe beraten will. „Leider sehen wir uns nun vor die Tatsache gestellt, dass wir die Geburtshilfe an der Stadtklinik zumindest vorübergehend nicht mehr aufrechterhalten können“, sagte Dr. Joachim Ramming. Der Grund: Zwei zuständige Fachärzte der Geburtshilfe stehen ab dem 1. April 2017 der Station II nicht mehr zur Verfügung. Ein Vertrag wurde gekündigt, einer lief aus. Somit verbleiben der Abteilung nur noch ein Belegarzt sowie eine gegenwärtig jedoch im Mutterschutz befindliche Medizinerin. Damit sei eine fach- und leitliniengerechte lückenlose Versorgung ohne Gefährdung der Sicherheit von Leib und Leben der werdenden Mütter und deren Kinder nicht mehr möglich. Aufgenommen werden werdende Mütter noch bis zum Dienstag, 28. März, um Mitternacht, berichtete Klinik-Pressesprecher Christopher Horn. Später eintreffende Schwangere, werden erstversorgt und dann per Rettungsdienst in eine der umliegenden Kliniken der Region gebracht, Notfälle mit dem Hubschrauber ausgeflogen. Trotz der vorübergehenden Schließung sei das Ziel weiterhin, eine Hauptabteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe in Kooperation mit einer anderen Klinik in der Region aufzubauen. Die Räumlichkeiten der Geburtshilfe bleiben aufrechterhalten. „Bis dahin werden wir auch versuchen, die Verfügbarkeit der Hebammen zu sichern“, so Ramming über die aktuelle Situation. „Wir kämpfen seit langem für die Geburtshilfe und Gynäkologie“, betonte Geschäftsführer Dr. Joachim Ramming beim Pressegespräch. Seit Mitte 2015 suche die Geschäftsleitung nach Lösungen, die Abteilung zu erhalten. Eine Belastung, die auch Spuren bei den Belegärzten hinterließ: „Mit Rücksicht auf das Wohl meiner Patienten sehe ich mich nicht mehr in der Lage die Doppel- und Dreifachbelastung, die eine Tätigkeit als Belegarzt in der gegenwärtigen Konstruktion mit sich bringt, weiterhin leisten zu können“, teilte Dr. Stephan Krone in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Eine Belastung die Ramming respektiert und nachvollziehen kann: „Das ist eine übermenschliche Leistung.“ Denn Krone deckte neben seiner regulären Tätigkeit als niedergelassener Gynäkologe noch seine Schicht als Belegarzt ab. Hinzu kommen 24-Stunden-Bereitschaftsdienste sowie Nachtund Wochenendeinsätze. Seit Januar 2016 stemmten Krone und Dr. Florina Rummel, als die zwei einzigen Belegärzte der Geburtshilfe, an sieben Tagen die Woche das Arbeitspensum. Krone sei indes bereit, sich bei einer Sicherung der Geburtshilfe, durch die Einrichtung einer Hauptabteilung, zu beteiligen. Diese setzt aber bekanntlich die Kooperation mit einer anderen Klinik voraus. „Entsprechende Angebote liegen vor“, berichtete Ramming, „die können aber erst verfolgt werden, wenn sich der Kreistag des Landkreises für den in Aussicht gestellten Sicherstellungszuschuss in siebenstelliger Höhe ausgesprochen hat“. Tatsächlich wird darüber aber erst noch politisch diskutiert: am 17. März um 14 Uhr im Landratsamt im Rahmen einer Sondersitzung des Kreisausschusses sowie final dann am 24. März im Kreistag. „Wir brauchen von der Politik klare Fakten“, sagte Asklepios-Sprecher Christopher Horn. Klar erkennen lasse sich dagegen der Trend der Bundespolitik: „Weg von der wohnortnahen Klinik“, betonte er, „hin zur Großklinik mit 800 Geburten im Jahr“. Tölz hatte vergangenes Jahr 533 Geburten. Dennoch: „Wir wollen die Flinte nicht ins Korn werfen“, betonte Ramming in Bezug auf die Geburtshilfe Abteilung in Tölz. Daniel Wegscheider

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