„Das Erbe erhalten“

Auftakt zum staatlichen Managementplan zum Schutz für Moore und Wälder

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Dritter Landrat Klaus Koch über „Natura 2000“ im Tölzer Landratsamt.

Landkreis/Bad Tölz – Zwei blaue Schwäne schweben über sieben weißen Sternen. Zudem zeigt das „Natura 2000“-Logo eine grüne Bergsilhouette: Das Idyll symbolisiert das vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten ins Leben gerufene Naturschutzprojekt. Es soll die biologische Vielfalt der heimischen Flora und Fauna erhalten. Bei der Auftaktveranstaltung im Tölzer Landratsamt wurden nun der Ablauf und die Ziele vorgestellt.

Der Frauenschuh liebt den Schatten der Bäume, unter denen die größte Orchideenart hierzulande wächst. Auch die Gelbbauchunke mag die Ruhe in Wäldern und Mooren, dort plantscht sie gerne im Tümpel. Die beiden Organismen leben hierzulande – doch sie sind vom Aussterben bedroht.

Die Liste lässt sich fortsetzen: Dunkler Ameisenbläuling, Koppe, Windelschnecke, Große Moosjungfer, Sumpf-Glanzkraut, Wälder, Sümpfe und Moore. Die letzten Biotope schrumpfen und ihr Erbe geht für immer verloren. Darum spross das Projekt „Natura 2000“ aus dem „europäischen Boden“ (siehe Kasten links), das Grundbesitzer, Verbände und Behörde zusammenbringt, um die Natur zu schützen. Während Erstere eine drohende Enteignung ihrer Ländereien befürchten, möchten die Befürworter aufklären, kämpfen für Akzeptanz, für das Ziel zur Erhaltung von Schutzgebieten.

Bereits im April gab es im Tölzer Landratsamt eine Auftaktveranstaltung, um das Naturschutzprojekt „Natura 2000“ den hiesigen Landwirten und Eignern vorzustellen, deren Grund in dem vom Freistaat Bayern ausgewiesenen Schutzgebieten liegen (wir berichteten). Bei der jüngsten Veranstaltung ging es jetzt um die Moore um Penzberg im Nachbarlandkreis – das Breitfilz und der Riedener Weiher im Westen sowie das Weid- und Edenhoferfilz südöstlich von Penzberg gelegen. Thema waren aber auch hiesige Moore, nämlich das Roß-, Auer- und Breitfilz, die im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen liegen.

Gekommen waren rund 60 Landwirte, Verbandsvorstände und Interessierte. Sie lauschten gespannt als Dritter Landrat Klaus Koch (Die Grünen) das Rednerpult betrat: Er appellierte an das globale Ziel beim europaweiten Naturschutzprojekt: „Wir sind es unseren Vorvätern und -müttern schuldig, das, was da ist, zu schützen, um das Erbe zu erhalten“ Dabei sei wesentlich, die Situation in den ausgewiesenen Schutzgebieten nicht zu verschlechtern.

„Miteinander auf Augenhöhe“

Wichtig ist laut Klaus Koch zudem: „Nix mit Zwang und Druck zu erreichen.“ Es solle niemanden etwas „übergestülpt werden“. Damit richtete sich der Grünen-Politiker insbesondere an die Eigentümer und Grundbesitzer, die bekanntermaßen von dem Managementplan betroffen sind. Wie berichtet, gehen hierbei Experten die nächsten zwei Jahre ins Gelände, um dort Bestandsaufnahmen über Vorkommen und Zustand der Lebensräume bestimmter Pflanzen, Amphibien und Insekten zu kartieren. Danach wird der Bestand bewertet und Grundbesitzer bekommen Maßnahmenvorschläge. Etwa, Totholz im Wald zu belassen oder schattige Tümpel lichten, damit diese als Laichgewässer angenommen werden. „Das ist alles freiwillig“, betonte auch „Natura 2000“-Gebietsbetreuerin Katharina Löw. Jederzeit können Grundbesitzer ihr Land bewirtschaften und Holz im Wald machen – alles unter der Voraussetzung, dass dies nicht zu einer erheblichen Verschlechterung des Gebietes führt. Wichtig sei ein „offenes Reden“ zwischen den Eigentümern und Projektexperten, sagte Löw. Dies bestätigt auch Martin Bachmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg: „Es geht nur miteinander auf Augenhöhe“, betonte er und fasste zusammen: „Sie müssen nix, aber dürfen auch nicht alles.“ Informationen gibt es online auf www.stmuv.bayern.de. Daniel Wegscheider

Was ist Natura 2000?

In den europäischen Mitgliedstaaten sollen die biologische Vielfalt der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Pflanzen und Tiere aufrechterhalten werden. Grundlage für den Aufbau des europäischen Biotopverbundnetzes mit der Bezeichnung „Natura 2000“ sind die Fauna-Flora-Habitat- sowie (FFH) die Vogelschutz-Richtlinie. Bayern hat erstmals 1996 geeignete Schutzgebiete gemeldet. Heute umfasst das Netz 746 Gebiete auf einer Fläche von rund 801.000 Hektar. Im sogenannten Managementplan fordert die Europäische Union den guten Erhaltungsstand für diese Schutzgebiete. Naturschützer und Forstbehörden erfassen und bewerten nun die Lebensräume und darin vorkommende Arten. Dann formulieren sie Vorschläge für Erhaltungsmaßnahmen. Für Grundstückseigentümer und Nutzer hat der Managementplan lediglich Hinweischarakter – er ist nicht rechtsverbindlich. Mögliche Maßnahmen sind für den Eigentümer freiwillig und können gefördert werden. Allerdings bindet das sogenannte Verschlechterungsverbot. Heißt: verschlechtert sich der Zustand eines Schutzgebietes, kann der Staat eingreifen und etwa Förderungen streichen. 


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