Modellprojekt soll verlängert werden

Ausschuss für Jugend und Familie sieht Potenzial in Arbeit der Schulbegleiter

+
Schulbegleiter helfen Kindern, die einen „sonderpädagogischen Bedarf“ haben“ – der Ausschuss für Jugend und Familie hat nun einen Antrag auf den Weg gebracht, um ein Modellprojekt zu verlängern

Landkreis – Um Kindern, die „einen sonderpädagogischen Bedarf haben“, die freie Schulwahl zu ermöglichen, gibt es Schulbegleiter, die sich ausschließlich um den einen, ihnen zugeteilten Schüler (oder eine Schülerin) kümmern. Diese Integrationsassistenten werden entweder vom Landkreis oder vom Bezirk Oberbayern bezahlt, wobei nicht unerhebliche Kosten entstehen. Zudem fühlen sich Schüler, die ständig einen Begleiter im Klassenzimmer an ihrer Seite haben, nicht selten ausgegrenzt, so dass man sich beim Tölzer Jugendamt schon vor einigen Jahren Gedanken gemacht hat, ob man nicht mit einer sogenannten Poolbildung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte. Dazu wurde ein Modellprojekt Integrationsassistenten am Schulstandort Geretsried geschaffen. Es soll nun ein weiteres Jahr verlängert werden.

Dies entschied der Ausschuss für Jugend und Familie in seiner 1. Sitzung am Montag im Tölzer Landratsamt - vorbehaltlich der Mittelfreigabe durch den Kreistag. Dabei geht es um einen Betrag von 75000 bis 80000 Euro, so Jugendamtsleiter Ulrich Reiner, doch der rechnet sich“. Das sah auch Heiko Arndt vom Kreisjugendring so: „Das ist der richtige Weg.“ Dass der jedoch kein leichter ist, das machten Reiner und sein Mitarbeiter Christian Lösch deutlich. Letzterer gab einen Rückblick auf das im Schuljahr 2014/15 gestartete Projekt an der Karl-Lederer-Grundschule mit aktuell 424 Schülern und der Mittelschule Geretsried (463 Schüler). Damals gab es vier Betreuungen, heute sind es 41. 

Das jeweilige Assistenzpersonal für insgesamt 70 Schüler im Landkreis wird vom Jugendamt oder vom Bezirk finanziert, wobei beide Kostenträger unabhängig von einander arbeiten und auch keiner den anderen informiert. Das soll sich aber in Zukunft ändern, jeder Schulbegleiter soll dann flexibel eingesetzt werden und zwei oder drei Kinder betreuen, das Modellprojekt soll zudem auf weitere Schulen wie Münsing und die Förderzentren in Bad Tölz und Geretsried ausgedehnt werden. Derzeit gibt der Landkreis pro Jahr rund eine Million Euro aus, obwohl die Schulbegleiter keine besondere Qualifikation brauchen. „Das ist auch gar nicht gewollt,“ so Reiner auf die entsprechende Nachfrage. Ein Sozialpädagoge und ein Lehrer zusammen in einem Klassenzimmer, das müsse nicht unbedingt gut gehen. Reiner machte auch deutlich, welch langwieriger Weg ein einzelner Schulbegleiter für einen Schüler sein kann: Nach Terminen in einer Fachklinik benötige man ein ärztliches Gutachten, dann werde alles von einem Controller geprüft, und bis schließlich die Finanzierung gesichert und ein entsprechender Schulbegleiter gefunden sei, könne es bis zu eineinhalb Jahre dauern.

„Dann ist das Kind vielleicht schon in einer anderen Schule,“ so Reiner. 3. Landrat Klaus Koch (Grüne), der die Sitzung leitete, ließ schließlich über den Antrag, das Modellprojekt bis zum 31. Juli 2021 zu verlängern, abstimmen, was von allen befürwortet wurde. Zuvor hatte Ulrike Stehle von der Diakonie Rosenheim zu bedenken gegeben, dass eine ähnliche Regelung von Staatlicher Seite angestrebt werde und man sich deshalb „vielleicht unnütz Arbeit macht“. Reiner wusste aber noch nichts von konkreten Plänen, zudem befürchtet er, dass deren praktische Umsetzung sicher noch einige Jahre dauern werde.bo

Auch interessant

Meistgelesen

Grünen-Ortsverband von abgelehnten Anträgen nicht entmutigt – Kaum Besucher
Grünen-Ortsverband von abgelehnten Anträgen nicht entmutigt – Kaum Besucher
33-jähriger Geretsrieder wird angeblich von Jugendlichen geschlagen und getreten
33-jähriger Geretsrieder wird angeblich von Jugendlichen geschlagen und getreten
Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit veranstaltet „14. Integrationsforum: Arbeit ist Menschenrecht?!“
Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit veranstaltet „14. Integrationsforum: Arbeit ist Menschenrecht?!“
Bundestagsabgeordneter Andreas Wagner fordert mehr Infektionsschutz
Bundestagsabgeordneter Andreas Wagner fordert mehr Infektionsschutz

Kommentare