Höhere Sportförderung

Nach 13 Jahren „Nullrunde“: Landkreis legt in Sachen Vereinszuschüsse drauf

+
Enorm groß ist das Engagement, das in Sportvereinen in Sachen Jugendarbeit geleistet wird. Der Landkreis hat deshalb seinen Zuschuss an die Sportvereine erhöht.

Landkreis – Die Sportförderung des Landkreises wird ab dem Jahr 2020 von jährlich 70.000 auf 100.000 Euro erhöht. Darauf verständigte sich der Ausschuss für Jugend und Familie sowie inzwischen auch der Kreisausschuss.

Auch wenn der Landkreis damit 30.000 Euro mehr an die Sportvereine auszahlt – es handelt sich um eine wahrlich günstige und vor allem effiziente Investition in Sachen Jugendarbeit. Details dazu lieferte Thomas Lechner, Kreisjugendleiter der Bayerischen Sportjugend, im Ausschuss für Jugend und Familie. 

27.000 Aktive im Kinder- und Jugendsport finden sich in der Zuständigkeit der Kreisjugendleitung, die sich um 128 Vereine kümmert. Und das vor allem mit Aus- und Weiterbildung, wie Lechner informierte. So veranstaltet die Kreisjugendleitung etwa im Zweijahres-Rhythmus dreiwöchige Übungsleiterausbildungen, organisiert Ausbildungen zum Erwerb der so genannten C-Lizenz für Kinder und Jugendliche, ferner die Prüfung zu Übungsleitern in der Breitensport-Jugend. „Das führen wir in den Osterferien in der Lenggrieser Sporthalle durch.“ Und alljährliche Fortbildungen zur Lizenzverlängerung dürfe man in der Fachklinik Gaißach durchführen. Rund 25 Teilnehmer melden sich hierfür stets an, erklärte Lechner, der dafür dann Themenschwerpunkte vorbereitet. „Das reicht vom Umgang mit Kindern mit Verhaltensschwierigkeiten, Inklusion bis hin zu Ernährung oder ,was tun, wenn Jugendliche im Sportunterricht stören?‘.“ Alleine für diese Fortbildungen habe man stets eine lange Warteliste. 2017 und heuer habe die Kreisjugendleitung eine Clubassistentenausbildung angeboten, „mit 16 Stunden am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium“. Das sei nur dank einer engagierten Lehrkraft möglich gewesen. 

Damit nicht genug, hat Lechner und sein Team der Kreisjugendleitung auch weitere konkrete Projekte ausgerichtet: ein Spielfest im Rahmen der Ferienpassaktion mit über 100 Kindern in Lenggries, einen Trikot-Tag, an dem Kinder im Outfit ihres Sportvereins in die Schule gehen dürfen, diverse Kooperationen mit Kindergärten und Schulen sowie im Zuge der Ganztagesbetreuung die Aktionen „Sport nach 1“. 

Im Rahmen des Kooperationsprojektes „Sport nach 1“ gehen junge Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) in die Schuleinrichtungen, um Sport anzubieten. So etwa in der Realschule Bad Tölz, wo eine Kooperation mit dem Eisclub Bad Tölz besteht, in Wolfratshausen in Kooperation mit dem TSV oder in Hohenburg mit dem Skiclub Lenggries. Auch gebe es gemeinsame Projekte zwischen Sportvereinen und Kindergärten, etwa mit dem Turnverein Bad Tölz, dem SV Sachsenkam oder dem TuS Geretsried. „Neu ist Kochel, wo sich der Sportverein mit dem Kindergarten zusammen getan hat.“ 

Lechner wurde anhand des Beispiels aus Wolfratshausen konkret. Der TSV Wolfratshausen verfüge bei 1.850 Mitgliedern über 78 Jugendleiter und 82 Trainingshelfer, „von Fußball über Triathlon bis hin zur Behindertensportsparte“. An den Schulen wird dann ein Sportfest oder ein Sportabzeichentag ausgerichtet, ferner gibt es Kinderbasketball und Parcours. Die Planung für 2020: eine offene Sportmöglichkeit für sozial schwache Kinder und Jugendliche.“ Das Leitziel sei „ein breites Sportangebot für alle zu schaffen – ohne Rücksicht auf finanziellen Hintergrund, der Sprache oder der Hautfarbe“, erklärte Lechner. Handlungsbedarf sei groß, denn ein Großteil der Jugendlichen bewegt sich inzwischen nur mehr unter einer Stunde täglich, verbringe aber fünf Stunden an Handy oder Tablet. 

Und am Beispiel des SC Rot-Weiß Bad Tölz (500 Mitglieder, 230 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren) machte Lechner klar, was das hohe Maß an Engagement der 22 Trainer und Übungsleiter schaffe: „Da finden sich 76 Kinder mit Migrationshintergrund im Training und zudem 15 Asylbewerber – „und es gibt keinerlei Konflikte“. Trainer müssten dabei schon auch Fachmann, Betreuer, Organisator und immer öfter auch „vertretendes Elternteil“ sein. „So manches Elternteil holt sich auch mal erzieherischen Rat bei beliebten Trainern“, berichtete Lechner. Fast unglaublich, dass der Zuschuss an die Vereine mit Jugendarbeit in den zurückliegenden 13 Jahren unverändert blieb, nämlich bei 70.000 Euro. Während in einer Ballettschule durchaus 80 Euro für acht Stunden Training ausgegeben würden, würde eine Training in einem Sportverein umgerechnet mit 0,15 Euro vergütet. Da brauchte Lechner nicht mehr weiter die Werbetrommel zu rühren, um den Jahreszuschuss für Sportvereine durch den Landkreis von 70.000 auf nun 100.000 Euro zu erhöhen. FW-Kreisrätin Susanne Merk sagte: „Das Geld ist wahrlich gut angelegt, die Kinder lernen in den Vereinen Teamfähigkeit.“ Sie seien jedenfalls bestens betreut in den Vereinen. Und: „Die Alternative wären kostspielige Betreuungseinrichtungen, das wäre ein enormer Personalaufwand.“ Einstimmig sprachen sich die Ausschüsse für die Zuschusserhöhung aus. tka 

Auch interessant

Meistgelesen

Gestohlenes Tablet selbst zurück recherchiert
Gestohlenes Tablet selbst zurück recherchiert
Bank bezieht neues Quartier
Bank bezieht neues Quartier
Kommandant Robert Buxbaum lange nicht Amtsmüde / Feuerwehr Weidach leistet 800 Einsatzstunden
Kommandant Robert Buxbaum lange nicht Amtsmüde / Feuerwehr Weidach leistet 800 Einsatzstunden
Untere Naturschutzbehörde führt Gehölzentnahme durch: Flora und Fauna profitieren davon
Untere Naturschutzbehörde führt Gehölzentnahme durch: Flora und Fauna profitieren davon

Kommentare