Legenden um Leoni

Ein Autor geht auf Spurensuche mit überraschenden Erkenntnissen

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Autor Dr. Christian Lehmann hat Überraschendes zu Tage gefördert. 

Münsing – Es war einmal ein gefeierter Münchner Kammersänger, der am Starnberger See ein Lokal eröffnete, wo sich die Schickeria die Klinke in die Hand gab. So viel Halligalli herrschte dort, dass der kleine Weiler Assenbuch am Ostufer fort an nach dem berühmten Schickimicki-Wirt mit dem exotischen Namen hieß: Leoni.

So oder ähnlich geht die Legende. Eine Legende, mit der Christian Lehmann gründlich aufgeräumt hat. Was er für ungewöhnliche neue Erkenntnisse über „Joseph Leoni – Ein Italiener am Starnberger See“ herausgefunden hatte, stellte der kundige Autor des gleichnamigen Buchs kürzlich im Bergkramerhof einem interessierten Publikum vor.

Christian Lehmann ist Musikwissenschaftler aus Starnberg. Als solcher hat er sich mit den Musikerpersönlichkeiten rund um den See ausgiebig beschäftigt – von Brahms in Tutzing bis Wagner in Kempfenhausen. Bei Joseph (eigentlich Giuseppe) Leoni fielen ihm Ungereimtheiten auf. „Man liest überall, dass er ein berühmter italienischer Kammersänger war“, so Lehmann über den etwa 1770 geborenen Italiener. „Aber dann hätte er doch in den Oper- und Theaterprogrammen namentlich erwähnt sein müssen.“ Doch so intensiv Lehmann auch forschte, keine einzige Besetzungsliste listet einen Leoni. Seine Spurensuche ergab, dass Leoni es nie zu einer Karriere als Solist schaffte, sondern ein einfacher Chorsänger blieb, der wohl, salopp formuliert, ein wenig zum Aufschneiden neigte und erfolgreich an seinem eigenen Mythos strickte.

Joseph Leoni kam auch nicht aus Rom, sondern aus Palermo. Er war auch kein Adeliger, wie vielfach behauptet. Wahr ist jedoch, dass er als 18-Jähriger 1788 in München anlangte, wo er an der Hofoper angestellt wurde. Auch um den Erwerb der Villa Leoni am See ranken sich Mären. Als Leonis reicher Gönner, der Staatsbeamte Franz von Krenner als erster Besitzer starb, stand dort wohl nicht mehr als eine kleine Hütte zum Feiern. Lehmann hat überzeugend nachgewiesen, dass Leoni das Grundstück nicht erbte, sondern vom Testamentsverwalter beanspruchte. Die 2000 Gulden dafür hätte er wohl aus seiner kargen Pension niemals bestreiten können, wenn nicht noch rechtzeitig seine erste Frau Mariana Schmaus gestorben wäre, die es als Balletttänzerin zu weit größerem Wohlstand gebracht hatte als er.

Wo heute das moderne Seehotel Leoni steht, erbaute Leoni mit seiner zweiten Frau Rosina eine hübsche italienische Villa mit Gaststättenkonzession, die er im Jahr 1825 eröffnete. Dank seiner schillernden und geselligen Persönlichkeit strömte die Münchner Boheme in Scharen zu ihm zum Feiern. Selbst König Ludwig I. soll dort zu Gast gewesen sein. So beliebt war sein Lokal, dass der talentierte Wirt dem Fischerdorf Assenbuch großspurig den Namen „Leonihausen“ gab. Die Geburtsstunde des Orts von Giuseppe Leoni. ha

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