1. dasgelbeblatt-de
  2. Lokales
  3. Bad Tölz - Wolfratshausen

Bad Heilbrunn: Start der Radtour pro Organspende – Warten auf Lebensrettung müsse aufhören

Erstellt:

Von: Franca Winkler

Kommentare

Teilnehmer der Radtour pro Organspende
Sorgen auf 470 Kilometern für Aufmerksamkeit: Die Teilnehmer der Radtour pro Organspende. © Winkler

Landkreis – 8.500 Patienten stehen deutschlandweit auf der Warteliste der Organspende. Die „Radtour pro Organspende“ des TransDia-Sport Vereins soll ein Zeichen setzen.

Die Zeit, die auf ein Spenderorgan gewartet wird, entspreche durchschnittlich neun bis zehn Jahre - damit ist Deutschland Schlusslicht im europäischen Vergleich. Mit der „Radtour pro Organspende“ des Vereins, wollen die Teilnehmer auf die prekäre Situation aufmerksam machen – das Sterben auf der Warteliste müsse aufhören. Längst sei nicht jeder potenzielle Organspender identifiziert. „Daher versterben täglich drei Menschen und mehr, die vergeblich auf ein lebensrettendes Organ gewartet haben“, teilt der Verein TransDia-Sport mit.

Unterstützt werden die Teilnehmer der Radtour von Krankenhäusern die sich um die Vor- und Nachsorge als auch die Transplantation selbst kümmern, Schirmherr ist Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek. Um für das Thema Organspende zu sensibilisieren treten 30 Menschen für 470 Kilometer in die Pedale.

Radtour pro Organspende: Leben retten mit Hilfe von Organspendern | Holetschek ist Schirmherr

Start ist die Fachklinik Bad Heilbrunn, Ziel das Klinikum Heilbronn. Das besondere dabei sind die Teilnehmer selbst: sie waren lebensbedrohlich erkrankt, haben Organe wie Nieren, Leber oder sogar Herzen von Spendern erhalten, einige sind aktuell Dialyse-Patienten. Das berührt Holetschek: Die Radtour zeige, dass „Betroffene nach der Transplantation in der Regel auch wieder sportlich aktiv sein können.“

Das Thema Organspende müsse noch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken: „denn, Organspenden können Leben retten“, betont der Gesundheitsminister. Leider sei die Zahl der Spender im vergangenen Jahr gesunken. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation meldete einen massiven Einbruch bei den Organspenden: Die Zahl der Spender sank um 29 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. 

Peter Kreilkamp - Organisator der Radtour pro Organspende
Peter Kreilkamp (mit Mikro) dankt den Unterstützern im Krankenhaus © Winkler

Organisator Peter Kreilkamp betont: „Es bestehe dringend Handlungsbedarf.“ Der 63-Jährige hat erst vor gut einem halben Jahr eine zweite Spenderniere transplantiert bekommen. Darauf gewartet hat Kreilkamp zwölf Jahre. Die Radtour soll auch Mut machen, die Lebensqualität sei wieder eine andere. Ein neues Organ zu erhalten sei ein Geschenk „ein ziemlich einzigartiges“.

Das ein Gefühl „der Dankbarkeit und Demut auslöse“, berichtet Kreilkamp von seinen Transplantationen. Diese Emotion wird unterstrichen mit den Liedzeilen „Ich warte schon so lange, auf den Moment...“ die vom Sänger der Band Ich+Ich aus den Lautsprechern dröhnt. Gefolgt von „An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit...“ von den Toten Hosen.

Radtour pro Organspende: Entscheidung zu Organspenden zu Lebzeiten treffen

Doris Gerbig, Chefärztin und Zuständig für die Transplantationsnachsorge zeigte sich enttäuscht, dass die Widerspruchslösung nicht umgesetzt wurde. Das hätte bedeutet, dass Organe von Verstorbenen entnommen werden können, wenn die Person nicht zu Lebzeiten einer Entnahme widersprochen hat. Die Widerspruchslösung ist im Bundestag gescheitert. Die Ärztin empfiehlt, sich dennoch frühzeitig Gedanken zu machen, ob man im Todesfall selbst Organspender sein möchte.

Oberarzt Marc Albersmeyer ist ebenso enttäuscht von der Politik: Das versprochene Organspende-Register wurde verschoben. Das Register, dass eigentlich Anfang März an den Start gehen sollte, soll mehr Transparenz bringen, den Spendern Sicherheit geben, dass ihr Wille berücksichtigt wird sowie unter anderem Hausärzte und Ämter vernetzen. Auch Albersmeyer empfiehlt, zu Lebzeiten mit den Angehörigen zu sprechen. So werden die Angehörigen entlastet: Denn in akuten Situationen sei es „extrem schwer für baldige Hinterbliebene“ auch noch Entscheidungen im Hinblick auf Organspenden zu treffen.

Was die Menschen zurückhält sich zum Thema Organspende Gedanken zu machen, dafür gäbe es verschiedene Gründe, gibt Gerbig an. Zum Einen sei es „die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod und der Zeit danach“, erläutert die Chefärztin. Das sei natürlich unangenehm. Aber auch Gedanken wie „Vor dem Himmelspforte möchte ich unversehrt stehen“, spielen laut Gerbig eine Rolle.

Für das Thema Organspende sensibilisieren | Holetschek engagiert sich

Auf die ethische Pflicht der Ärzte weißt sie hin, wenn Bedenken hinsichtlich der medizinischen Versorgung geäußert werden. Auch wer „einen Organspenderausweis hat, wird selbstverständlich medizinisch versorgt“, betont sie. Auch werden die Spender als auch die Empfänger von Organspenden bestmöglich auf die Transplantation vorbereitet. Jedes Organ das länger hält, sorgt dafür, dass der Patient nicht wieder auf die Warteliste für ein neues Organ müsse, erläutert Gerbig.

Bad Heilbrunns Bürgermeister Thomas Gründl
Bad Heilbrunns Bürgermeister Thomas Gründl gibt das Startsignal für die Radtour pro Organspende © Winkler

Eigentlich wollte der für sein soziales Engagement bekannte Klaus Wolfermann das Startsignal für die Radtour pro Organspende geben. Aber leider konnte der in Penzberg lebende Olympiasieger kurzfristig nicht an der Aktion teilnehmen. Bürgermeister Thomas Gründl sorgt in Vertretung für den Startschuss und zeigte sich stolz: Dies sei so ein wichtiges Thema, für das sensibilisiert werden müsse. Das in Bad Heilbrunn der Start der Radtour ist, freue ihn. „Bad Heilbrunn steht für Gesundheit!“, sagte der Rathauschef mit Nachdruck. Danach ging es für die Teilnehmer der Radtour in der ersten Etappe zur Kreisklinik Wolfratshausen, über die Kapelle St. Ulrich in Straßlach-Dingharting und weiter nach München wo die Fahrradfahrer vom Schirmherr Holetschek in Empfang genommen wurden.

Auch interessant

Kommentare