Am Wochenende kein Leonhardi mehr

Tölzer Stadtrat beschließt: Fällt die traditionelle Wallfahrt auf Samstag oder Sonntag wird sie verschoben

Tölzer Leonhardifahrt
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Heuer fällt die Tölzer Leonhardifahrt aus, doch der Stadtrat stellt bereits die Weichen für die kommenden Wallfahrten.

Bad Tölz – Planung ist das halbe Leben. Das gilt besonders für Großveranstaltungen wie der Tölzer Leonhardifahrt. In der Stadtratssitzung wurde nun die Traditionsveranstaltung für das Jahr 2021 geplant.

Der Namenstag des Pferdepatrons St. Leonhard fällt nächstes Jahr auf einen Samstag, 2022 sogar auf einen Sonntag. Daher besteht die Notwendigkeit, die stark besuchte Wallfahrt auf andere Tage zu verlegen.

Der Grund liegt zehn Jahre zurück: 2010 fand die Tölzer Wallfahrt am Samstag bei schönem Wetter statt – es war zu einem riesigen Besucheransturm gekommen, und die Polizei hatte mit nicht wenigen alkoholbedingten Ausschreitungen zu kämpfen. Daher wurde im Dezember 2010 beschlossen, die Wallfahrt im darauffolgenden Jahr am Montag durchzuführen. Allerdings legte sich der damalige Stadtrat nicht fest, wie in der Zukunft zu verfahren sei.

Bei der jetzigen Stadtratssitzung wurde das Thema wieder aufgegriffen. Wie die Stellvertretende Kurdirektorin Susanne Frey-Allgaier den Stadträten nun vortrug, sei es zu begrüßen, wenn die Wallfahrt am Samstag stattfinden würde, dann könnten auch die auswärtigen Gäste einen Wochenendaufenthalt buchen. Andererseits hätten sich aber die zuständigen Sicherheitskräfte wie Polizei und Rotes Kreuz gegen den Samstagstermin ausgesprochen, da man am Samstag mit 20.000 Besuchern rechnen müsse, wochentags dagegen um etwa die Hälfte weniger. „Auch ein gutes Sicherheitskonzept wird hier mit allergrößter Wahrscheinlichkeit an Grenzen stoßen“, betonte Frey-Allgaier weiter. Zudem ist die in den vergangenen Jahren vertretene Bereitschaftspolizei an Samstagen wegen Einsätze beim Fußball oder Demonstrationen nicht in notwendiger Stärke verfügbar.

Bürgermeister Ingo Mehner erläuterte, den Stadträten die Dringlichkeit der Planung: viele Bürger und Gäste würden nämlich ihren Urlaub danach ausrichten. Das bestätigte auch die Vertreterin der Tourist Info: „Busunternehmen fragen schon Monate im voraus an, wann die auch überörtlich bedeutende Wallfahrt stattfindet.“

Sprecher aller Fraktionen diskutierten kontrovers. So meinte Michael Lindmair (FWG): „Wir brauchen Teilnehmer, keine Zuschauer“; während Gabriele Frei (CSU) der Ansicht war, Leonhardi sei auch ein Event, das am Wochenende viele Zuschauer anlocke. René Mühlberger (CSU) betrachtet Leonhardi als eine „religiöse Veranstaltung, bei der Zuschauer eigentlich nicht vorgesehen sind“. Und Karsten Bauer (CSU) meinte, „ob mehr oder weniger Zuschauer in der ohnehin beengten Marktstraße“, das Risiko sei deshalb nicht anders. Leonhardifahrer und Landwirt Anton Mayer (CSU) hat Bedenken über den Massenandrang am Samstag und plädierte, dass die Gespanne in der Marktstraße künftig nur noch im Schritt gehen dürften. „Wer dennoch galoppiert, der soll von der Teilnahme ausgeschlossen werden.“

Der Stadtrat beschloss: wenn die Wallfahrt auf einen Sonntag fällt, diese am Montag abzuhalten. Und: Im kommenden Jahr soll die Leonhardifahrt anstatt Samstag einen Tag vorher am Freitag, 5. November, stattfinden. Der Samstag kommt keinesfalls in Frage. bo

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