Interview: Vergessene Hütten des Alpenkönigs

Tölzer Autorin Sandra Freudenberg über Kritik, Veilchenbowle und lange Unterhosen

Auf Bergtour: Sandra Freudenberg mit Hund Vasko
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Auf Bergtour: Hund Vasko kommt auf viele Wanderungen mit Frauchen Sandra Freudenberg mit – hier zum Soiernhaus.

Bad Tölz/Landkreis – Aus Bad Tölz kommt ein Bestseller: Das klingt nach einem Hauptpreisverdächtigen Thriller oder wenigstens nach einem Heimatkrimi, von dem es jedes Jahr eine Fortsetzung gibt. Und dennoch ist Sandra Freudenbergs Buch „In den Bergen lebt die Freiheit – Wandern auf den Spuren von König Ludwig II.“ eines, dass einem den Schlaf raubt. Denn ihre Texte und die mystisch-märchenhaft schönen Bilder von Fotograf Stefan Rosenboom entführen Leser und Betrachter in die alpine Welt von Ludwig II (1845-1886). Wer bislang den Regenten Bayerns von Bildern und Berichten nur als lockigen Märchenkönig kannte, dessen unpraktisches Gewand ihn sich kaum fortbewegen zu lassen schien, wird von Freudenberg und Rosenboom eines Besseren belehrt. Die Sehnsuchtsorte Ludwigs II., die Freudenberg aufgespürt hat, zeugen von einer tiefen Naturverbundenheit des Monarchen und skizzieren eine Persönlichkeit, die zumindest in jungen Jahren an einen sportlichen, geländeerfahrenen Alpinisten denken lässt.

Sandra, wer Dein Buch in den Händen hält, fragt sich schon: Bist Du eine Entdeckerin, eine Historikerin oder eine Schriftstellerin?

„Ich glaube, ich bin von jedem etwas. Spannend war es freilich, aus Gesprächen und der Arbeit in Archiven vergessene Hütten Ludwigs II. aufzuspüren, noch spannender, sich per pedes und Rad auf ihre Suche zu machen. Schließlich war nicht jeder der Aufenthaltsorte so bekannt wie das Schachenhaus oder Neuschwanstein. Manche galt es im wahrsten Sinne des Wortes zu entdecken“.

Hinter Dir liegt jahrelange Arbeit. Wie gelingt ein Buch wie dieses?

„Ich muss sagen, solch ein Buch entstehen lassen zu können, habe ich als eine richtige Gnade empfunden. ‚In den Bergen liegt die Freiheit‘ ist ein Gesamtkunstwerk, zu dem viele Menschen, nicht nur der Fotograf Stefan Rosenboom und ich, beigetragen haben. Einen sehr großen Anteil an dem Buch haben die Lektoren. Sogar zwei Kunsthistoriker und ein Biologe hatten jeden meiner Texte in ihren Händen. Ihre Kritik habe ich nicht als negativ empfunden, sondern mit Dankbarkeit. Wenn Du vor ihnen einen Satz verteidigt hast, wusstest Du, wofür.“

Wer war Ludwig für Dich?

„Auf jeden Fall ein anderer, als ihn die Geschichtsliteratur darstellt. Dem exzentrischen Märchenkönig bin ich auf meinen Entdeckungsreisen nicht begegnet. Auch kann ich bei ihm keinen Eskapismus diagnostizieren. Freilich liebte er die Natur und Einsamkeit, die Schönheit der Berge und die kräftezehrenden wie sinnesberührenden Wege dorthin. Verbrieft ist aber auch, dass er sich immer wieder Arbeitsunterlagen auf seine Hütten bringen ließ, sie akribisch durcharbeitete und dort auch Kabinettssitzungen abhielt.“

Es gibt von Dir ein Foto, auf dem ein Hund zu sehen ist. Hat er Dich auf jeder Deiner Erkundungstouren begleitet?

„Vasko habe ich gerne mitgenommen. Die erste Tour zu einem der Königsrefugien habe ich aber immer ohne ihn unternommen. Ich wusste ja oft nicht, was mich auf meinem Weg erwartet, wie beschwerlich oder lang er werden würde. Darüber hinaus bin ich oft mit meinem Fahrrad unterwegs gewesen, zumindest soweit es ging.“

Mit einem modernen E-Bike?

„Ach was, mein Fahrrad ist ein richtiger Drahtesel, gute zwanzig Jahre alt. Ein ‚Hardtail‘ ohne ‚Mountainbereifung‘ und all dem Schnickschnack. Wenn ich mit dem klapprigen Ding nicht mehr weiterkam, habe ich das Rad am Wegrand versteckt und den Rest zu Fuß erkundet. Wichtiger ist mir die Ausrüstung, die ich unabhängig von Wetter und Ziel mitnehme.“

Als erfahrene Berggeherin bist Du freilich gut ausgestattet. Was nimmst Du alles in Deinem Rucksack mit?

„Also, bei meinen Touren rechne ich mit fast allem. Deshalb habe ich immer eine Mütze und Handschuhe dabei. Auch eine Regenhose, eine wasserdichte Jacke und einen Wollpullover. Und ja, sogar lange Unterhosen, man weiß ja nie. Wert lege ich auch auf eine gute Brotzeit. Einmal habe ich mir sogar unterwegs eine Veilchenbowle zubereitet. Und zur Bestimmung der Pflanzen in den Alpen habe ich immer sogar ein ganz altes Naturbüchlein dabei.“

Hast Du schon neue Ideen oder Projekte oder pausierst Du erst einmal?

„In der Tat habe ich schon wieder was Neues vor. Auch bei meinem vierten Buch soll es um Hütten gehen: Wilde Hütten – Hütten als Stützpunkt. Die Hütten, wie ich sie verstehe, sind kein Hotel oder Gasthaus, sondern bieten Schutz und Zuflucht. Mehr nicht. Von einer Hütte kann ich nichts erwarten, umgekehrt wage ich eher die Frage zu stellen, was der Einkehrende ihr geben kann. Ansonsten möchte ich freilich mein aktuelles Buch vorstellen.“

Das Gespräch führte Sandra Gerbich

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