„Ich helfe gerne weiter“

Dekan Martin Steinbach will selbst aus dem Ruhestand weitermachen

 Dekan Martin Steinbach
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Die Verabschiedung von Dekan Martin Steinbach fand aufgrund der Corona-Krise nicht in der Johanneskirche, sondern im Kurhaus von Bad Tölz statt.
  • Daniel Wegscheider
    vonDaniel Wegscheider
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Bad Tölz – Martin Steinbach war 16 Jahre evangelischer Gemeindepfarrer in Bad Tölz und Dekan für die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach. Jetzt geht der 65-Jährige in seinen Ruhestand.

Ursprünglich wollte Martin Steinbach mit seiner Frau seinen wohlverdienten Lebensabend in seiner alte Heimat in Unterfranken verbringen – doch „von dem Gedanken haben wir uns schnell verabschiedet, da meine Frau Birgit und ich uns hier in der Region so wohl fühlen.“

So richtig ruhig wird es bei dem gebürtigen Schweinfurter aber nicht werden. Denn auch von seinem neuen Zuhause in Iffeldorf aus, möchte Steinbach helfen, „wo immer ich gebraucht werde: Bei einem Gottesdienst, einem Besuch im Krankenhaus oder auch bei einer Trauerfeier“. Es ist zu spüren, dass ihm die persönlichen Kontakte wichtig sind. Gespräche führt er lieber persönlich und greift dafür auch selbst zum Telefonhörer. Begegnungen mit Menschen bevorzugt Steinbach.

Das wird auch deutlich, betrachtet man seinen Werdegang. Nach seinem Theologiestudium war Steinbach zunächst Vikar in Würzburg, bevor Kitzingen und Schweinfurt seine weiteren Stationen waren. Nach zuletzt 13 Jahren an der Christuskirche in Schweinfurt (unter anderem in der Funktion des stellvertretenden Dekans), verschlug es ihn 2004 in den Süden der Landeskirche, in das Dekanat Bad Tölz. Er ist einer der anpackt – für den das Praktische mehr zählt als das Theoretische. Um sich als Person macht er dabei kein Aufhebens. Obwohl er sehr engagiert gearbeitet hat. So waren ihm der interreligiöser Dialog und Kontakte zu Christen in anderen Länder wichtig. Als Beispiel sei hier die Partnerschaft, zu Gemeinden in Palästina zu nennen. 30 Fahrten nach Jerusalem, Ramallah oder Amman habe es gegeben, berichtet Steinbach. Mit dem Jerusalemer Pfarrer Ibrahim Azar, der seit 2017 auch Bischof der Evangelisch Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land ist, entwickelte sich nahezu ein freundschaftliches Bündnis. Er wollte ursprünglich auch zu seinem Abschiedsgottesdienst am Sonntag kommen, doch die aktuelle Corona-Situation ließ das nicht zu.

Azar wurde dort von seiner Tochter vertreten. Die 22-Jährige Sally Azar lebt aktuell in Berlin und möchte die erste Pfarrerin der Evangelisch Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land werden. Sie richtete Steinbach Grußworte ihres Vaters aus. „Das war eine große Ehre,“ berichtete Steinbach.

Zu seinen Wirkungsstätten in Bad Tölz gehören auch die „Zappelphilipp-Gottesdienste“ für die Kleinsten der Gemeinde, die Kinderbibelwochen, die evangelischen Kindergärten in Bad Tölz und Bad Heilbrunn, die ökumenische Initiative „Fairtrade-Stadt Bad Tölz“, das Erwachsenenbildungswerk bei der Diakonie Oberland, das Inklusionsprojekt „Café Miteinand“ – um nur einige zu nennen. Nach einem Lebenswerk gefragt, dass ihm besonders im Gedächtnis geblieben ist, antwortet Steinbach: „Da gibt es kein einzelnes. Es war die Buntheit der Anforderungen, die mir gefallen hat. All die Verbindungen zu Schulen, die Gottesdienste, Krankenhausbesuche oder die viele Jugendarbeit.“

Sein großes Engagement wurde nun bei der Verabschiedung auch mit der Verdienstmedaille der Stadt Bad Tölz ausgezeichnet. Insgesamt gab es sogar vier Abschieds-Gottesdienste. „Es war einfach nur schön. Diese gestreckte Kasualie war ein tolles Privileg.“

Jetzt ist Steinbach aber erst einmal nur neugierig auf seinen neuen Lebensabschnitt und viel Zeit mit seiner Frau. „Ob sie die Freude teilt ist noch nicht ganz sicher, als Pfarrer wohnte man ja doch eher im Büro und nun ist auf einmal viel freie Zeit da,“ berichtet er lachend am Telefon. Zumindest ist er froh, dass der Umzug nach Iffeldorf bereits vollzogen ist und er nun nicht noch Kisten ein- und auspacken muss. Franca Winkler

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