Gegen das Schweigen

Förderzentrum in Tölz erhält einen Namen: Theo Waigel hält Festrede

Festredner Dr. Theo Waigel bei Namensgebung von Tölzer Schule
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Begrüßung von Festredner Dr. Theo Waigel (2.v.r.) durch (v.l.) Dr. Christof Botzenhart (Dritter Bürgermeister), Martin Bachhuber (Landtagsabgeordneter), Landrat Josef Niedermaier, Tölz Bürgermeister Ingo Mehner und Klaus Koch (Förderschulrektor).

Bad Tölz – Mit einem Festakt in der gut durchgelüfteten Turnhalle wurde jüngst das Sonderpädagogische Förderzentrum Bad Tölz in Marie-Luise-Schultze-Jahn-Schule umbenannt.

Zwei Stunden dauerte der offizielle Teil der Veranstaltung in der Tölzer Realschul-Turnhalle. Doch im Vergleich zur Namensfindung für das Sonderpädagogische Förderzentrum ein Klacks: denn wie Förderschulrektor Klaus Koch zu Beginn erklärte, waren dafür 20 Jahre nötig. Letztlich kam der entscheidende Hinweis vom Dritten Bürgermeister Dr. Christof Botzenhart.

Die in Bad Tölz lebende und 2010 verstorbene Widerstandskämpferin Marie-Luise Jahn setzte die Arbeit der „Weißen Rose“ gegen den Nationalsozialismus setzte fort. Im Jahr 1944 wurde Jahn vom Volksgerichtshof als Hochverräterin zu einer Zuchthausstrafe von zwölf Jahren verurteilt. Erst nach Kriegsende kam sie wieder frei.

Koch freute sich zahlreiche Ehrengäste begrüßen zu dürfen, darunter auch Bundesminister a.D. Theo Waigel, der sich zum Festvortrag bereit erklärt hatte. Seine Geschichte über seine Heimat Ursberg bewegte.

„Mutig und achtsam“

Der Kuratoriumsvorsitzende des Münchner NS-Dokumentationszentrums, Theo Waigel blickte auf Schicksale in seiner Heimat Ursberg zurück – dort sind 379 Behinderte von den Nazis ermordet wurden. Gesprochen hat darüber lange niemand. Es wurde geschwiegen. „Auch Marie-Luise- Schulte Jahn hat zunächst geschwiegen, dann jedoch ihre Geschichte als Mahnung für die Zukunft erzählt“, sagte er.

Waigel machte deutlich: „Diesbezüglich gibt es keinen Schlussstrich. Die Namensgebung ehrt Bad Tölz und das Sonderpädagogische Förderzentrum.“

Kreisrätin Bärbel Schwendner, war eine Freundin von Schultze-Jahn und erinnerte an deren Mut und Ausdauer sich gegen Unrecht einzusetzen: „Trotz Rückschlägen und Niederlagen hat sie ihr Leben beherzt gestaltet“, berichtete sie. Hinfallen, aber auch wieder aufstehen. Dies soll zukünftig das Motto für die Schülerinnen und Schüler der Maria-Schulte-Jahn-Schultze-Schule sein.

Zur Feier gekommen war auch Clemens Hilger. Der Diplom-Designer hat einst mit Koch das Abitur gemacht. Hilger&Boie zählt zu den führenden Designagenturen und hat die Gestaltung von Logo und Schriftzug übernommen. Zum Freundschaftspreis. „Gibst ma amoi aa Wurstsemml aus“, erklärte Hilger scherzhaft sein Honorar. Ein Geschenkkorb ist es dann letztlich geworden.

Umrahmt wurde die Feier von Marianne Heufelder mit einigen Harfenstücken. Und auch die von den Lehrerinnen Ruth Holler, Yvonne Schneider und Judith Stehr mit Schülerinnen und Schülern einstudierte Schulhymne gab es zu hören. Allerdings erfolgte die Vorführung nicht live sondern bedingt durch Corona auf einer Leinwand. Im Text sind drei von Marie-Luise-Schulte-Jahn gern Verwendete Adjektive enthalten: „mutig, achtsam und demokratisch“ sein. wj / Hans Demmel

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