Vier-Minuten-Emotion

Gaißacher Stefan Peck gewinnt internationalen Speaker Slam

Stefan Peck überzeugt beim internationalen Speaker Slam
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Mit 240 Sekunden zum Sieg: Stefan Peck überzeugt beim internationalen Speaker Slam.

Bad Tölz/Gaißach – Neuling Stefan Peck setzt sich beim internationalen Speaker Slam im Oktober in Mastershausen gegen 76 Kontrahenten durch. Ein persönlicher Sieg für den Sprech-Künstler aus Gaißach, sowie ein Weltrekord aufgrund der vielen Teilnehmer aus insgesamt acht Nationen.

Der Speaker Slam ähnelt dem Poetry Slam und ist ebenfalls ein sogenannter Rednerwettstreit, bei dem die Sprecher auf der Bühne der Reihe nach in einer begrenzten Zeit ihr Können unter Beweis stellen. Diese Form des Wettstreits ist relativ neu. Der erste Speaker Slam wurde 2018 vom „Topspeaker“ Hermann Scherer in Hamburg initiiert. Nach New York, München, Wien, Frankfurt am Main, Berlin folgte vor zwei Wochen Mastershausen in Rheinland-Pfalz als Austragungsort mit einer Live Schaltung auf YouTube.

Peck mit Hosenträgern am sichersten

Themen, über die gesprochen wurde, sind dabei so vielfältig wie das Leben: die 77 Teilnehmer aus acht Nationen konnten über berufliche Erfolge berichten, genauso wie über private Schicksalsschläge. Im Mittelpunkt steht dabei weniger die Wissensvermittlung, sondern immer das Transportieren von Emotionen. Ein guter Speaker zeichnet sich dadurch aus, Zuhörer in kurzer Zeit in seinen Bann zu ziehen.

Bei dem Speaker Slam haben sie dafür exakt vier Minuten Zeit, danach wird das Mikrofon abgedreht. Um eine Punktlandung hinzubekommen, muss der Vortrag oft geübt werden. Der Gaißacher Stefan Peck hat das „gut 50 mal im eigenen Wohnzimmer vor laufender Kamera durchgesprochen,“ erklärt er. Denn Bühnenpräsenz sei ebenfalls sehr wichtig. Er habe einige Outfits ausprobiert, aber Hose mit Träger, gemustertem Hemd und Fliege, alles in braun-Tönen, stehen ihm am besten. „Das hat mir meine Frau bestätigt,“ sagt er schmunzelnd.

Weitere wichtige Zutaten für einen gelungenen Auftritt sind die Variationen in der Stimme: Lautstärke, Intensität, Pausen setzen, aber auch die Position auf der Bühne und die Körperhaltung beeinflussen maßgeblich, erklärt Peck. Bei seinem Wettstreit-Auftritt Anfang Oktober in Mastershausen, hatte er noch fünf Sekunden Zeit übrig. „Mir war es dennoch zu kurz,“ bedauert Peck, denn es sei einfach so schön auf der Bühne zu stehen.

Schicksalsschlag: Der Tod der Mutter in 240 Sekunden

Der gebürtige Österreicher sprach in seiner vier minütigen Rede von einem äußerst persönlichem Schicksalsschlag aus der Kindheit. In 240 Sekunden berichtet er von einem Drama, das sein Leben als fünfjährigen nachhaltig geprägt hat: dem Tod seiner Mutter.

Jüngst berichtet Peck bei seinem Tölz Besuch in der Alten Madl­schule von dem einschneidenden Erlebnis. Es war an einem Weihnachtsabend, erinnert sich der heute 40-Jährige. Er war mit seinen Eltern und den beiden Brüdern im Wohnzimmer bei Kerzenschein. Eine wohlige Stimmung wollte aber nicht aufkommen. „Ich fühle mich verwirrt“, fuhr Peck fort. Der Grund: seine kranke Mutter, die wenig später verstirbt. Dieses traumatische Ereignis hinterließ ein emotionales Loch, das auch mit Sport, Essen oder nicht funktionierenden Beziehungen nicht gefüllt werden konnte.

Erfolgsrezept: Das innere Kind

Am Ende seines Vortrags kommt der Mentor auf das „innere Kind“ zu sprechen. Das sei es, was uns antreibt, erläutert der studierte Raumplaner. „Wir tun alles auf Grundlage unerfüllter Bedürfnisse,“ Das wurde ihm klar, als er vor elf Jahren mit der persönliche Aufarbeitung seiner Kindheitserfahrung begonnen hat. Mit seinen Erfahrungen gibt er nun seit sechs Jahren Workshops und hilft anderen bei dem Lösen von emotionalen Prägungen und sich selbst im Leben zu positionieren.

Letzteres gilt ebenso wenn man als Speaker erfolgreich sein will: Der Redner muss sich positionieren. Genau das hat Peck mit seinem Erfolg bei dem Wettstreit geschafft. Daran möchte er anknüpfen. „Dieser Gefühl auf der Bühne, als ich Tränen in den Augen der Zuhörer gesehen habe, motiviert mich, auf noch größere Bühnen zu gehen.“ Franca Winkler

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