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Bad Tölz: Integration von psychisch Kranken in den Arbeitsmarkt - ReAL-Leiter Torhorst fordert Lotsen

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Von: Viktoria Gray

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Ein Mädchen sitzt weinend am Boden
Psychische Erkrankungen haben während der Corona-Pandemie zugenommen. (Symbolbild) © panthermedia/HayDimitriy

Bad Tölz/Tutzing – Jüngst trafen sich bei der Fachtagung „Beteiligen! Psychisch Kranke und die Welt der Arbeit“ in der Evangelischen Akademie Tutzing Fachleute aus der Psychiatrie, Vertreter der Agentur für Arbeit sowie Fachleute der Sozial- und Rentenversicherungsträger. Unter anderem war auch Arnold Torhorst, Gründer und Leiter des ReAL-Verbundes in Bad Tölz vor Ort.

Bei dem Termin seien sich, laut ReAL-Pressemitteilung, alle Experten einig gewesen: Die erfolgreiche Behandlung von psychisch kranken Menschen hänge nicht nur von Medikation und Therapie, sondern auch davon ab, ob es gelinge, einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz für die Betroffenen zu erhalten oder neu zu finden. „Das wäre gar nicht so schwierig, weil es genügend Angebote gibt, aber dieses Feld ist so kompliziert, dass kaum jemand durchblickt“, sagte Arnold Torhorst, der Gründer des ReAL-Verbunds, bei der Fachtagung.

Er forderte deshalb die Einführung einer Lotsenstelle, die am besten beim Sozialpsychiatrischen Dienst anzusiedeln sei. Während in Tutzing zwischen den Anwesenden darüber Einigkeit bestand, sperre sich der Bezirk Oberbayern als Kostenträger noch gegen diese Lösung. Für Torhorst unverständlich: „Es geht hier nur um eine einzige Stelle, die pro Jahr zwischen 30.000 und 35.000 Euro kosten würde.“

Ein Lotse, der sich im „Dschungel der sozialpolitischen Festlegungen und im Dickicht der verschiedenen Finanzierungsformen“ hervorragend auskenne, sei unerlässlich, erklärte Torhorst, „um unabhängig von den einzelnen Leistungsträgern eine angemessene Lösung für den jeweils Einzelnen zu finden“.

Arnold Torhorst, Leiter des ReAL-Verbunds.
Arnold Torhorst, Leiter des ReAL-Verbunds. © ReAL

Die Eingliederung oder Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt könne aber nur auf regionaler Ebene erfolgreich sein. „Wir brauchen Lotsen, die mit den Strukturen und Angeboten vor Ort bestens vertraut sind, einen Lotsen, der sich im Dschungel der sozialpolitischen Festlegungen auskennt“, forderte der ReAL-Leiter.

Für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen wäre für ihn deshalb der Sozialpsychiatrische Dienst unter Trägerschaft der Caritas der optimale Partner für diese Aufgabe.

Dass Torhorst dieses Projekt so am Herzen liege, habe einen einfachen Grund: „Jeder psychisch kranke Mensch hat nicht nur ein Anrecht auf Behandlung und Rehabilitation, sondern auch ein Recht auf Arbeit.“ Torhorst sei davon überzeugt, dass die Integration von Betroffenen in den Arbeitsmarkt mithilfe eines Lotsen verdoppelt werden könne. Und deshalb will er nun auf politischer Ebene weiter dafür werben, dass dies in naher Zukunft doch verwirklicht werden kann.

Bereits jetzt sehr erfolgreich in die Tat umgesetzt werde laut Torhorst die Rehabilitation für Menschen mit psychischen Erkrankungen (RPK). „Die entsprechende und seit dem Jahr 2005 gültige Empfehlungsvereinbarung wird derzeit novelliert und angepasst“, sagte Torhorst.

Erfolgschancen erstaunlich gut

Dabei handele es sich um eine „Komplexmaßnahme mit Anteilen der medizinischen und beruflichen Rehabilitation mit Anpassung an den jeweiligen Zustand des Rehabilitanden“. Die auf zwei Jahre angelegte Maßnahme hat zum Ziel, dass der Betroffene nach einem Jahr der medizinischen Reha in den darauf folgenden zwölf Monaten fit für eine Erwerbstätigkeit gemacht wird. Die Erfolgschancen seien dabei erstaunlich gut: Torhorst beziffert den Anteil gelungener Integration in den Arbeitsmarkt auf 85 bis 95 Prozent.

Beim ReAL-Verbund mit den Standorten in Bad Tölz, München und Rosenheim setze man auf einen fließenden Übergang. Die Teilnehmer am sogenannten Zuverdienstprogramm erhalten während der RPK die Möglichkeit, mit einem gewissen finanziellen Anreiz ihre Fähigkeiten zu stabilisieren und im Einzelfall die weitergehende berufliche Rehabilitation auszubauen.

„Und es besteht die Möglichkeit, dass die Teilnehmer in den Bereichen Handwerkerservice, Schreinerei, Produktionswerkstatt, Küche, Gewürzmanufaktur oder Hauswirtschaft in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis übernommen werden können“, sagte Torhorst abschließend.

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