Kein Hotel des „Schreckens“ geplant

Investor Johannes Tien informiert kritische Bürger über sein Projekt „Wackersberger Höhe“

Wackerberger Höhe
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Investor Johannes Tien auf der „Wackersberger Höhe“

Bad Tölz/Wackersberg – Das Interesse an dem Hotelprojekt auf der Wackersberger Höhe ist groß. Johannes Tien führte Besucher über das Grundstück beantwortete alle Fragen.

„Ich habe mir den Mund fusselig geredet, aber es war toll“, resümierte der Investor und Betreiber nach sieben Stunden fast ohne Redepause. „Die Leute sind dem Projekt sehr offen gegenüber gestanden. Ich habe den Eindruck, dass 99 Prozent der Tölzer nichts dagegen haben.“

Wie berichtet, will Tien auf der Wackersberger Höhe ein 100-Betten-Hotel im Vier-Sterne-Segment errichten. Das Gebäude wird auf dem gut 8.000 Quadratmeter großen Grundstück in Holzständerbauweise errichtet und hat laut Planung eine Größe von 56 mal 12 Metern.

Hotel vom Kalvarienberg aus nicht zu sehen

Gerade zum Schluss der Führung habe es viele kritische Fragen gegeben, sagte Tien: „Offenbar kursiert da ein Bild, in dem ein Schreckensszenario gezeichnet wird. Das Gebäude wird da viel zu groß dargestellt und so hoch, dass es vom Kalvarienberg aus zu sehen sein soll.“ Tatsächlich werde das Gebäude aber nur halb so hoch sein wie die benachbarten Bäume. Und vom Kalvarienberg sei es damit auch nicht zu sehen.

Viele Fragen habe es auch zu den Chalets gegeben, die rund um das Hauptgebäude entstehen sollen. Laut Bebauungsplan dürfe er auf dem Grundstück acht solche Hütten errichten, die jeweils rund 40 Quadratmeter groß sein sollen. Tatsächlich will sich Tien aber erst mal auf zwei oder drei Chalets beschränken. „Da geht’s nicht in erster Linie um Beherbergung“, erläutert Tien. „Ich stelle mir die Chalets eher als Räume für Meditation oder Schulungen vor.“ Die Chalets könnten aber auch von Hundebesitzern genutzt werden, die bislang ins Tiens Ferienhaus Bergeblick untergebracht sind.

„Es wird Zeit, dass wir in Tölz mal ein Hotelprojekt erfolgreich abschließen“

Michael Lindmair, Tölz Vize-Bürgermeister

Einer der härtesten Fragesteller am Sonntag war Franz Mettal. Der ehemalige Grünen-Stadtrat und Forstgutachter merkte an, der Bebauungsplan sehe vor, dass das Gebäude 30 Meter vom benachbarten Waldstück entfernt ist. Tatsächlich betrage der Abstand aber nur 20 Meter. Das sei zu wenig. „Nach meiner Interpretation sind die 30 Meter Abstand nur eine Empfehlung“, entgegnete Tien.

Mettal fürchtet zudem, dass das Projekt ähnlich endet wie der Strasserhof. Tien wollte hier ebenfalls ein Hotel errichten, verwarf diesen Plan aber. „Was ist, wenn sie in zehn Jahren sagen: mich interessiert das Hotel nicht mehr?“, fragte Mettal. „Es gibt 1.000 Gründe zu sagen: es passt nicht“, entgegnete Tien. „In Summe war die Entscheidung beim Strasserhof eindeutig. Es ist besser jetzt den Schlussstrich zu ziehen, als sich etwas aufzubürden, das man nicht 20 oder 40 Jahre fortführen kann.“

Stadträte stehen hinter dem Projekt

Beim Grundstück auf der Wackersberger Höhe habe die Stadt ein Rückkaufsrecht, wenn das Projekt nicht zustande kommt. Doch mit diesem Gedanken wolle er sich überhaupt nicht beschäftigen. „Wenn ich in ein Spiel gehe und Angst habe, dass ich verliere, kann ich gleich den Löffel abgeben.“ Im Stadtrat sei die Entscheidung mit 17:7 Stimmen eindeutig ausgefallen: „Ich wüsste nicht, warum die Stadträte jetzt noch mal ihre Meinung ändern sollten.“ Und auch er sei entschlossen, das Projekt durchzuziehen: „Ich glaube, dass wir den größten Teil des Berges erklommen haben.“ Er selbst investiere in das Projekt eine Summe im zweistelligen Millionenbereich. Der Businessplan sei nicht nur auf fünf, zehn oder 20 Jahre ausgelegt, sondern längerfristig. Insgesamt würden beim Betrieb 40 Angestellte mithelfen, „und da werden viele Fachleute dabei sein“. Wenn alles nach Plan läuft, solle das Hotel im Jahr 2022 den Betrieb aufnehmen.

Geschäftsgäste willkommen

Ein weiterer Zuhörer erkundigte sich nach dem Konzept des Hotels. Er wende sich vor allem an Business-Gäste, antwortete Tien: Ihm schwebe ein „gemütliches, ruhiges Hotel ohne goldene Wasserhähne“ vor: „Jubel, Trubel, Heiterkeit und Firmenfeiern passen nicht hierher, weil das die anderen Gäste stören würde.“ Er könne sich zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit Firmen wie Sitec, BMW oder Infineon vorstellen: „Die könnten sagen: wir schicken jede Woche zehn Leute her, die zum Beispiel Kräuterwanderungen machen oder auf den Golfplatz gehen. In den Chalets oder an einem Teich können sie brainstormen und über die Ziele des Unternehmens sprechen. Und dann werden sie mit einem Shuttleservice zu einem Restaurant gefahren.“ Die Gäste könnten sich ihr Wunschzimmer zusammenstellen: „Sie können sagen oben oder unten, Südseite oder Nordseite, mit Badewanne oder ohne.“

Michael Lindmair, der Zweite Bürgermeister fand es interessant, dass die Hotel-Fläche abgemäht wurde: „Da konnte man gut sehen, wo das Hotel hinkommt.“ Es sei normal, dass bei einem neuen Projekt nicht nur Begeisterung herrsche, vor allem in der frühen Phase. Er selbst freue sich jedoch darauf, wenn der Bau beginnt: „Begeisterte Investoren und Betreiber sind in der Branche selten.“ Patrick Staar

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