Rasant und Rostfrei durchs Leben

Josef Weinberger wird 100: Leidenschaft für Motoren und den SV Tölz

Josef Weinberger zusammen mit seinen Urenkeln Leonie und Tobias.
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Im Kreise der Liebsten: Josef Weinberger zusammen mit seinen Urenkeln Leonie und Tobias.

Bad Tölz – Nur elf Menschen in Bad Tölz sind 100 Jahre und älter. Einen von ihnen ist Josef Weinberger. Er feierte jetzt im Kreis seiner Familie den runden Geburtstag.

Vor vier Jahrzehnten saß Josef Weinberger im Tölzer Bräustüberl am Stammtisch der „Mühlfelder Gmoa“. Plötzlich kam ein Spezl zu ihm und sagte wie aus dem Nichts: „Sepp, Du wirst 100 Jahre alt.“ Weinberger lachte und dachte sich nichts weiter dabei. Jüngst feierte er im engsten Familienkreis tatsächlich den 100. Geburtstag und erzählte die Anekdote: „Ich hätte nie gedacht, dass ich so alt werde – bei all den giftigen Dämpfen, die ich in meiner Arbeitszeit einatmen musste.“

Josef Weinberger wurde am 5. November 1920 in Sauerlach geboren. Wenig später wanderte seine Familie mit seinen beiden Schwestern nach Chile aus, wo er seine gesamte Schulzeit verbrachte. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs musste Weinberger aus familiären Gründen zurück nach Deutschland. Er wurde eingezogen und bei der Luftwaffe als Bordmechaniker eingesetzt. Mit viel Glück überlebte er eine Notlandung, von der er auch heute noch oft erzählt.

Nach Kriegsende behielt der Jubilar seine Leidenschaft für Motoren. Mit großer Hingabe schraubte er an seinen Autos herum, zerlegte sie in sämtliche Einzelteile und baute sie wieder zusammen. Wer von ihm einen gebrauchten Opel Admiral, Rekord, Manta oder Vectra erwarb, konnte sich freuen: Seine Autos sahen auch nach zehn Jahren noch aus wie neu und hatten keinen einzigen Rostfleck. Der Hobby-Mechaniker bevorzugte einen sehr rasanten und temperamentvollen Fahrstil, blieb aber sieben Jahrzehnte lang unfallfrei.

Weinbergers zweite große Leidenschaft neben Autos ist der Fußball. 1946 trat er erst dem ASV Bad Tölz bei, wenig später dem SV Bad Tölz, für den er sieben Jahre in der Ersten Mannschaft spielte. Sein zweiter Herzensclub sind die Münchner Löwen. Auch heute noch lautet seine erste Frage an die Besucher stets: „Wie geht’s dem SV? Und wie haben die Sechzger gespielt?“

1947 hatte Weinberger seine Anni geheiratet, zwei Jahre später kam Tochter Gisela zur Welt. Bis zu seiner Rente arbeitete der Jubilar als Betriebsschlosser bei der Firma Moralt in Bad Tölz. Seine Freizeit verbrachte er vorwiegend in seiner Werkstatt, wo er für jedes technische Problem eine Lösung fand – von der defekten Wasser- bis zur Stromleitung und vom kaputten Rasenmäher bis hin zum klemmenden Gartentor.

2017 verstarb seine Frau nach 69 Ehejahren. Bis zu seinem 98. Geburtstag lebte Weinberger, betreut von seiner Tochter, im eigenen Haus. 2018 zog er ins Pater-Rupert-Mayer-Heim um. In seine Fußstapfen treten nun seine Urenkel Leonie und Tobias. Auch sie sind sportbegeistert und spielen beim SV Bad Tölz – ganz wie der Uropa. Patrick Staar

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