„Austausch bleibt aus“

Konsequenzen für die Jugendarbeit: Geschäftsführerin Sandra Kresta über die Corona-Pandemie

Sandra Kresta und das Team vom KJR haben ein offenes Ohr für Jugendliche.
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Sandra Kresta und das Team vom KJR haben ein offenes Ohr für Jugendliche.

Bad Tölz – Sandra Kresta ist Geschäftsführerin vom Kreisjugendring (KJR) Bad Tölz-Wolfratshausen. Der Kontakt zu den Jugendlichen gehört mit zu ihren Aufgaben.

Sie weiß, dass die Corona-Pandemie und der erneute strenge Lockdown für Kinder- und Jugendliche harte Folgen hat: Die Isolation hinterlässt Spuren. Kresta gab diesbezüglich eine Einschätzung und eigene Erfahrungen wider.

Pandemien gibt es schon seit es die Menschheit gibt. Diese jedoch, kommt uns extremer, einschränkender vor. Wie stark beeinflusst das Coronavirus Ihre Arbeit und die Kontakte, die Sie nun nur noch mit Abstand und Hygieneregeln pflegen können?
„In der Geschäftsstelle laufen die täglichen Arbeiten weiter. Mit dem erneuten Lockdown hat sich das Team allerdings, wie schon im Frühjahr, ins Homeoffice begeben. Dabei bleibt der intensive Austausch zwischen den Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen in der Jugendarbeit und der Sozialen Arbeit allgemein oft auf der Strecke.“
Wie viele Fälle sind Ihnen bekannt, in denen die Corona-Pandemie tatsächlich Auslöser für eine Depression bei jungen Menschen war?
„Der Auslöser für eine Depression ist nicht der Virus an sich, sondern die Folgen der Pandemie. Mir persönlich sind zwei Fälle bekannt, in welchen die Folgen der Corona-Pandemie der Auslöser für eine Depression waren. Ich vermute, dass in der Stadt mehr junge Menschen betroffen sind, als bei uns auf dem Land. Hier draußen haben wir doch noch mehr Möglichkeiten ins Freie zu gehen, irgendetwas zu machen.“
Können Sie vielleicht ein allgemeines Beispiel nennen. Warum und wie breitet sich so eine Depression aus?
„Am Anfang der Pandemie fiel von jetzt auf gleich das gesamte soziale Leben, Schule, Sport, Veranstaltungen, Musik und Treffen mit Freunden weg. Mit dem Homeschooling im Frühjahr gab es nicht mehr den gleichen durchstrukturieren Tagesablauf, wie bisher. Der Sportverein darf kein Training mehr machen, Schwimmbäder haben geschlossen, Jugendtreffs sollen nicht mehr besucht werden und auch Freunde darf man nicht mehr treffen. Daheim wird rumgesessen. Man fühlt sich einsam und abgeschnitten von Freunden.“
Wie gehen Kinder- und Jugendliche damit um?
„Dafür gibt es, denke ich, keine pauschale Antwort. Mit einer Depression geht wahrscheinlich jeder betroffene Jugendliche unterschiedlich um. Der eine zeigt offen, dass es ihm nicht gut geht, spricht darüber und sucht Unterstützung. Manche sprechen lieber mit Freunden statt den Eltern, manche genau anders herum oder lieber nur mit einer psychologischen Fachkraft. Andere machen es lieber ganz mit sich selber aus, verstecken ihre Probleme.“
Wie versuchen Sie und ihr Team vom KJR den Jugendlichen zu helfen?
„Unser Team vom KJR steht allen Kindern und Jugendlichen des Landkreises zu jedem Thema gerne zur Seite und bietet Unterstützung. Im Falle eines schwierigen Themas und gerade einer Depression wenden sich die Jugendlichen lieber an Freunde, Bezugspersonen in Jugendtreffs oder Familie, als an den KJR. Und das kann ich persönlich absolut verstehen. Dennoch sollen die jungen Menschen wissen, dass sie bei uns immer ein offenes Ohr finden.“
Gibt es schon besondere Pläne für nächstes Jahr?
„Richten wir den Blick aufs Frühjahr, sind wir noch vorsichtig unterwegs mit Planungen. Die ersten Vorbereitungen für den Isar-Loisachtaler Ferienpass in den Sommerferien 2021 dagegen laufen bereits. Der Kreisjugendring ist zuversichtlich gestimmt, dass eine Durchführung möglich sein wird.
Und welche noch?
„Zudem organisieren wir in einem engagierten Kooperationsteam mit dem Landratsamt und verschiedenen Einrichtungen der Jugendarbeit eine Jugendwahl für die im nächsten Jahr anstehende Bundestagswahl. Das Team ist noch in der Anfangsphase der Planungen, aber großer Hoffnung, dass die politische Bildungs- und Beteiligungsaktion stattfinden kann. Das wird eine spannende Sache.“


Das Gespräch führte Viktoria Gray

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