Dabei statt knapp davor

Teilhabekompass: Das steckt hinter dem neuen Projekt im Landkreis

Engagieren sich für den Teilhabekompass: (v.l.) Landrat Josef Niedermaier, Ralph Seifert (Landkreisbeauftragter für Menschen mit Behinderung) und Maria-Kristin Kistler, zuständig für den Bereich Inklusion.
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Engagieren sich für den Teilhabekompass: (v.l.) Landrat Josef Niedermaier, Ralph Seifert (Landkreisbeauftragter für Menschen mit Behinderung) und Maria-Kristin Kistler, zuständig für den Bereich Inklusion.

Landkreis – Der Teilhabekompass erfasst Gasthäuser, Hotels und mehr in Bad Tölz-Wolfratshausen hinsichtlich Barrierefreiheit. Landrat Josef Niedermaier hat das Projekt jüngst vorgestellt.

Schon einmal informierte das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen über die Entwicklung eines sogenannten Teilhabekompass. Eine eigene Internetseite soll Beratungs- und Unterstützungsangebote beinhalten. Basierend auf der Idee des Freizeitkompass wird dieses Konzept im Internet ausgebaut. Jetzt ruft das Landratsamt öffentliche Einrichtungen wie Gasthäuser, Hotels oder Einzelhandelsunternehmen auf, Informationen zu Barrierefreiheit und Teilhabe zur Verfügung zu stellen.

„Behindert zu sein, ist eine Situation, die jeden treffen kann“, sagte Landrat Josef Niedermaier anlässlich der Vorstellung des Teilhabekompass. Derzeit seien im Landkreis 15.583 Menschen mit einer Behinderung erfasst. Zwei Drittel davon gelten als schwerbehindert. Besonders prekär: „Bei 94,5 Prozent von ihnen liegt eine Krankheit zugrunde“, erklärte Marie-Kristin Kistler, die im Landratsamt für den Teilhabekompass zuständig ist.

Das Internetportal soll nicht nur Betroffenen zur Verfügung stehen. „Mir geht es darüber hinaus darum, die gesamte Bevölkerung zu sensibilisieren“, betonte Niedermaier. Freilich gebe es immer wieder Initiativen, die vor allem in den vergangenen 10 bis 20 Jahren vorangetrieben wurden. Dennoch werde es nie den Punkt geben, „dass es gut ist. Und: Wir sind weit entfernt von gut.“

Auf der Internetseite www.teilhabekompass.net will das Landratsamt künftig Beratung und Unterstützung anbieten, aber auch allgemeine Informationen zu den Themen Teilhabe und Barrierefreiheit. Füttern sollen das Portal unter anderen Gastronomiebetriebe, Hotels oder Einzelhandelsgeschäfte. Kistler bat: „Im Menüpunkt Zugänglichkeit sind wir ganz dringend auf die Mithilfe der Unternehmen angewiesen.“

Der Beauftragte für Menschen mit Behinderung, Ralph Seifert, betrieb bis Anfang 2018 den Freizeitkompass. „Auch er erfasste etwa die Infrastruktur von Einrichtungen in Bezug auf Barrierefreiheit zum Teil“, sagt er.

Teilhabekompass: Keine Zertifizierung nötig

„Der Teilhabekompass hingegen soll bereits niederschwellige Angebote beinhalten“, stellte Landrat Josef Niedermaier klar. Es gehe nicht darum, etwa einen Gasthof oder ein Einzelhandelsgeschäft anhand von DIN-Normen zu zertifizieren, betonte er: „Beim Teilhabekompass gibt es kein zertifiziert oder ungeeignet.“ Niedermaier möchte den Einrichtungen die Angst nehmen, sie müssten sich um 100-prozentige Barrierefreiheit bemühen. „Wir sind dankbar für jeden Eintrag, der über die noch so kleinste Erleichterung für Menschen mit Behinderungen informiert.“ Das könne eine einfache Rampe sein oder die Möglichkeit, mit einem Rollstuhl in ein WC zu gelangen.

Marie-Kristin Kistler betonte, dass der Eintrag kostenlos sei und rief ihrerseits zum Mitmachen auf. „Nur so kann der Teilhabekompass immer weiterwachsen.“ Darüber hinaus arbeitet Kistler mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, der kommunalen Wirtschaftsförderung sowie dem ärztlichen Kreisverband zusammen, um detaillierte Informationen zu den verschiedenen Einrichtungen in puncto Barrierefreiheit und Teilhabe zu erhalten. Weitere Informationen dazu gibt es auch auf der Internetseite www.sozialwegweiser.net. sge

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