Wallfahrt abgesagt

Erstmals seit 76 Jahren: die Tölzer Leonhardifahrt findet heuer nicht statt

Tölzer Leonhardifahrt
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Kein Ross, keine Reiter: Leonhardi fällt heuer aus.

Bad Tölz – Corona verändert das gesellschaftliche Leben. Nun fasste der Tölzer Leonhardiausschuss eine schwere Entscheidung.

Heuer wird die traditionelle Pferdewallfahrt am 6. November in Bad Tölz abgesagt – das erste Mal seit 76 Jahren.

Jüngst tagte im Sitzungssaal des Tölzer Rathauses der Leonhardi­- Ausschuss. Diskutiert wurde vor dem Hintergrund des Bund-Länder-Beschlusses, dass deutschlandweit Großveranstaltungen bis Ende Dezember verboten sind. Gemeinsam kamen die Ausschussmitglieder zum Schluss: eine Pferdewallfahrt ist dieses Jahr rechtlich nicht möglich. Bekanntermaßen lockt die Wallfahrt bis zu 20.000 Besucher in die Isarkurstadt.

Leere Truhenwagen passen nicht zum traditionellen Wallfahrtsgedanken.

Anton Mayer, Vorsitzender Leonhardifahrt-Komitee

„Ich finde es sehr schade, dass wir nun auch noch die Leonhardifahrt absagen müssen“, bedauerte Tölz Bürgermeister Ingo Mehner: „Wir alle hätten es den Bürgern und vor allem den an der Fahrt Beteiligten gerne ermöglicht“. Aber unter den geltenden Bestimmungen, und um eine weitere Ausbreitung des Covid-19-Virus zu verhindern, „sehen wir keine andere Möglichkeit“.

Auch Landrat Josef Niedermaier bedauert den Entschluss: „Dass die Leonhardifahrt nicht stattfinden kann, ist wirklich sehr schade, aber es blieb keine andere Wahl“, betont er. Die Pandemie und die damit einhergehenden Regelungen würden den gewohnten Ablauf des Tölzer Nationalfeiertages einfach nicht zulassen. „Und es wäre unrealistisch zu glauben, dass eine kleine Leonhardifahrt keine Zuschauer anziehen würde“, weiß der Landrat, der seit seinem sechsten Lebensjahr jährlich an dem überregional bekannten Tölzer Kirchen- und Brauchtumsfest teilgenommen hatte. Zuerst als Ministrant, dann Musikant und später als Bürgermeister und Landrat.

Ebenso ist Anton Mayer ein Leonhardi-Urgestein, reitet seit über 40 Jahren selbst mit und ist Vorsitzender des Leonhardi-Komitees: „Es ist die richtige Lösung“, sagt Mayer. Das Hygienekonzept gebe eine andere nicht her. „Leere Truhenwagen passen nicht zum traditionellen Wallfahrtsgedanken.“

„Da wird schon was fehlen und Wehmut aufkommen“, so Niedermaier und bittet alle, die auch so fühlen am 6. November kurz inne zu halten, und ein G’satzl zum heiligen Leonhard zu beten, „dass wir auf seine Fürsprache hin uns im nächsten Jahr auf den Lehardstag freuen dürfen.“ Daniel Wegscheider

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