Der Einzelhandel erhebt sich

Oberland-Resolution „Wir bluten aus!“: fordern sofortige Staatshilfen

Oberland-Resolution-Vertreter auf der Tölzer Marktstraße
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Vertreter der Gewerbevereine aus der ganzen Region fordern Soforthilfe: (v.l.) Tatjana Patermann (Schriftführerin Pro Innenstadt Penzberg), Thomas Grasegger (Werbegemeinschaft Garmischer Zentrum), Wolfgang Fischer (City Partner München), Monika Uhl (Pro Innenstadt Penzberg), Ludwig Schmid (ProCit Geretsried), Sefan Korpan (Bürgermeister Penzberg) und Jana Krivanek (Standortförderung Weilheim).
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    vonViktoria Gray
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Bad Tölz – Die Unterzeichner der Resolution „Wir bluten aus!“ haben sich auf der Marktstraße in Bad Tölz versammelt: Dort gaben sie ihre Forderungen an die Regierung kund.

Initiiert wurde die groß angelegte Aktion von Monika Uhl, der Vorsitzenden des Gewerbevereins Pro Innenstadt Penzberg. Alle Teilnehmer fordern eine Soforthilfe von der Staatsregierung für die regionalen Innenstädte.

Die Idee

Bisher unterzeichneten 28 Institutionen verteilt aus der ganzen Region das Schriftstück, adressiert an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Die unterzeichnenden Gewerbevereine vertreten insgesamt 2.235 Unternehmen.

Mit ernster Miene erklärte Monika Uhl in ihrer Eröffnungsrede: „Der Einzelhandel und die Ortszentren haben lange genug still gehalten.“ Es sei an der Zeit, den politisch Verantwortlichen zu verdeutlichen, dass der Einzelhandel nicht länger bereit sei, alle Corona-Schutzmaßnahmen widerspruchslos hinzunehmen. „Der innerstädtische Einzelhandel hatte es schon vor der Corona-Pandemie schwer“, betonte Uhl weiter.

Flächenfressende Gewerbegebiete mit großen Handelsunternehmen, Online-Einkauf und eine ungleiche Wettbewerbssituation würden es dem traditionellen Einzelhandel in den Innenstädten und Ortszentren ohnehin schwer machen. Die Pro Innenstadt-Vorsitzende mahnte auch vor einem Ausbluten des Einzelhandels und damit verbundenen irreparablen Schäden für die Stadtzentren. Uhl sagt: „Stirbt der Handel, veröden die Zentren.“ Damit verlieren sie auch ihre wichtige Funktion als Begegnungsstätte.

Die Protestveranstaltung lockte rund 30 Zuhörer in die Fußgängerzone vor dem Winzererdenkmal in Bad Tölz. Dort hatten die Verantwortlichen sinnbildlich für die Einkaufsläden Logo-Tüten der teilnehmenden Geschäfte aufgestellt.

Hiesige Vertreter

Für Tölz als Austragungsort entschieden sich die verschiedenen Vertreter, weil „die Marktstraße als Vorzeige-Einkaufsmeile“ gilt, wie Peter Wiedemann, Geschäftsführer der gleichnamigen Parfümerien „Wiedemann“ gegenüber der Rundschau erklärte.

Peter Wiedemann aus Bad Tölz ist Geschäftsführer der Parfümerien.

Als regionaler Einzelhandelsunternehmer vertritt Wiedemann 23 Verkaufsstellen im Voralpenland, darunter auch sechs in München. Am Donnerstag war er als Vertreter des Unternehmervereins „Wir für Tölz“ vor Ort. Er sieht in der Resolution vor allem eins: „Das Aufwecken und das Zusammenwirken von allen Beteiligten.“ Er vertritt den Standpunkt, dass sich Geschäfte mehr auf das Kundenverhalten konzentrieren müssen. „Die Kunden haben viel in der Hand“, sagte er.

Ludwig Schmid reiste nach Bad Tölz aus dem Nordlandkreis an. Dort ist er Vorsitzender vom Geretsrieder Gewerbeverein ProCit. Schmid sorgt sich um alte Traditionsgeschäfte. „Wir haben gute Hygienekonzepte im stationären Handel“, sagte er und findet, dass der Öffnung des Einzelhandels nichts mehr im Wege stehe sollte.

Ludwig Schmid ist Vorsitzender vom Geretsrieder Gewerbeverein ProCit.

Die Resolution wird nun der Staatsregierung übergeben. Von ihr fordern die Unterzeichner unverzügliches Handeln und die Umsetzung von Maßnahmen gegen das Ausbluten der Ortszentren.

Die Forderungen

Demnach sollen Kommunen auf den Sonderfonds „Innenstadt“, der in den Haushalt 2021 eingestellt werden soll, zugreifen können. Ab 1. Mai sollen die Kommunen die Gelder darin für die Verschönerung und die attraktive Gestaltung der Ortszentren verwenden können. Zweitens verlangen sie auf Ebene des Bundesrates eine Initiative mit dem Ziel, die Finanzmittel des Städtebauförderungsprogramms für 2021 zu verdoppeln.

Des Weiteren soll es heuer eine Ausnahmegenehmigung für die strengen Regeln in Bezug auf verkaufsoffene Sonntage geben. Bis zum 30. November wollen die Einzelhändler eine Erlaubnis für insgesamt acht verkaufsoffene Sonntage erreichen. Zudem wird gefordert, dass Einzelhändler mit einem geprüften Hygienekonzept nicht mehr schließen müssen, falls es zu einem weiteren Lockdown kommt.

Eins sollte nicht nur den Geschäftsinhabern, sondern auch Politikern bewusst sein: „Hier stehen Existenzen und Arbeitsplätze auf dem Spiel“, appellierte Uhl am Ende. Viktoria Gray

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