Bunte Rafter und Tölzer Löwen

Straßenkunst unter der alten Isarbrücke: Axel Berger und Florian Scheitler sprühen Graffiti

Axel Berger Graffiti
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Graffiti-Kunst: Axel Berger sprüht eine Schlauchboot-Szene an den Brückenpfeiler der Isarbrücke.

Bad Tölz - Im ganzen Oberland gab es bislang keine Wand, die jedermann besprühen darf. Doch dies hat sich nun geändert: Am Samstag gab Bürgermeister Ingo Mehner die Wände unterhalb der alten Isarbrücke frei.

Der Wunsch nach einer Graffiti-Wand ist nicht neu. Bereits im vergangenen Jahr seien die Jugendlichen Lukas von Andrian und Luis Rempel mit dieser Idee an ihn herangetreten, sagt Franz Späth, Leiter der Tölzer Jugendförderung. Wegen Corona habe sich alles etwas verzögert. Schließlich landete der Vorschlag auf den Schreibtisch von Bürgermeister Ingo Mehner. Dieser zeigte sich offen und besichtigte mögliche Orte. Seine Sympathie für Graffiti ist kein Zufall: „Ich habe mit Axel Berger das Abitur gemacht“, sagt der Bürgermeister. In Bergers Facharbeit sei es um Graffiti gegangen. In dieser Zeit habe auch er sich das erste Mal intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt: „Ich habe damals gesehen, wie professionell man das angehen kann und dass es nicht nur darum geht, irgendeine Wand anzusprühen.“

Mehner engagierte Berger und seinen Streetart-Kollegen Florian Scheitler für das Kunstprojekt an der Isarbrücke. Die beiden sollten zeigen, was möglich ist. Berger sprühte eine spektakuläre Schlauchboot-Szene an den Brückenpfeiler, Scheitler einen imposanten Tölzer Löwen. Letzterer erledigt seit zwölf Jahren Auftragsarbeiten als Graffiti-Künstler und leitet seit einiger Zeit Workshops. Sein bislang größtes Werk kann im Durchgang des Lenggrieser Bahnhofs bestaunt werden. „Der Gedanke war: Wenn man es gestalten lässt, hält’s länger und wird nicht ständig vollgeschmiert. Das hat ganz gut funktioniert.“ Auch in Bad Tölz hat der 30-Jährige, der hauptberuflich als Spielplatz- und Klettergarten-Entwickler arbeitet, schon einige Häuschen für die Stadtwerke verziert. „Aber ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, dass die Stadt Tölz zwei Wände für Sprayer zur Verfügung stellt. Dass wir diese Wände auch noch eröffnen dürfen, ist eine Überraschung.“ Berger und Scheitler leiteten am Samstag auch gleich einen offenen Workshop, in dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene Graffiti-Erfahrung sammeln durften.

Nun müsse man schauen, wie diese Wände angenommen werden, sagt Mehner. Vor allem sei Respekt gefragt: „Ich hoffe, dass möglichst viele Leute diese Kunstform respektieren. Auf der anderen Seite hoffe ich, dass die Sprayer das Eigentum respektieren. Wir wollen nicht dazu animieren, dass jetzt überall gesprayt wird.“ In den nächsten Jahren werde es an der Isarbrücke nach seiner Einschätzung sicher einen Wandel geben: „Das sind keine statischen Kunstwerke.“ Patrick Staar

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