SWL schließt Holzwerk im Moraltpark

Ende November gibt der Tischlerplatten-Hersteller seinen Tölzer Standort auf – 31 Jobs betroffen

SWL Werk auf dem Tölzer Moraltgelände
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Nach sieben Jahren ist Schluss: Der Tischlerplattenhersteller SWL verlässt das Tölzer Moraltgelände.

Bad Tölz – Der Tölzer Tischlerplattenhersteller SWL schließt Ende November nach sieben Jahren sein Werk und 31 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit. Die Betroffenen melden sich zu Wort.

Gerüchte zur wirtschaftlich schlechten Lage der Firma SWL (Schonlau Werke Langenberg) an der Lenggrieser Straße in Bad Tölz kursierten bereits. Und so hat sich das Unheil für Helmut Dinter bereits im Sommer angekündigt: Wie der erste Bevollmächtigte der IG Metall Weilheim berichtet, habe zu dieser Zeit der Betriebsrat unter Vorsitz von Uwe Streicher Kontakt zu ihm aufgenommen und bat um Rechtsbeistand. Streicher sprach von Kurzarbeitsphasen, die bereits Oktober 2019 stattgefunden hätten.

Jetzt ist es offiziell: Zum 30. November wird die SWL ihr Werk in Tölz dichtmachen. 31 langjährige Holzarbeiter verlieren dann ihren Job, sie alle sind im Alter von 50 Jahren aufwärts. Die Verhandlungen mit der Geschäftsleitung des Familienbetriebes aus Langenberg seien lang und zäh gewesen, sagt Dinter: „Wir mussten jede Zahl erbetteln.“ Nun werden 550.000 Euro Abfindung auf die Mitarbeiter je nach Alter, Qualifikation und „wenn es am härtesten trifft“ gestaffelt aufgeteilt. „Zu wenig“, für den Gewerkschafter. Dinter kennt ähnliche Fälle, bei denen Gelder von bis zu 1,6 Millionen Euro gezahlt wurden.

Diesen Vorwurf will Rainer Schonlau von der SWL-Geschäftsführung nicht stehen lassen: Für die reine Betriebszugehörigkeit bei der SWL sei die halbe Million Euro „eine gute Abfindung“, betont er. Die von Dinter geforderte Summe hat laut Schonlau nichts mit der reinen Arbeitszeit von sieben Jahren bei der SWL zu tun, sondern dazu zähle auch die langjährige vorherige Betriebszugehörigkeit bei der Moralt AG. Damals hat die SWL alle 50 Moralt-Angestellten übernommen „Es war damals ein Wohlwollen, das uns jetzt auf die Füße fällt.“

 Der Standort ist nicht einfach gewesen

Rainer Schonlau von der SWL-Geschäftsführung

Dinter wirft der Geschäftsleitung zudem vor, sie habe in den Betrieb zu wenig investiert, „um auf dem Weltmarkt mitmischen zu können“. Kritisiert aber auch: „Die Miete war dort zu hoch.“ Bekanntermaßen hat SWL 2012 einen Teil der Moralt AG übernommen, als diese nach Hausham in den Nachbarlandkreis umgezogen war.

Was die Miete betreffe, hätte Dinter nicht unrecht, sagt Schonlau: „Der Standort ist nicht einfach gewesen“, betont der SWL-Geschäftsführer und kritisiert dabei die belastete Zusammenarbeit mit dem Grundbesitzer und Vermieter, der etwa nicht in einen anstehenden Brandschutz oder Gebäudesanierung habe investieren wollen.

Laut Schonlau wollte die Geschäftsleitung in Tölz komplette Tischlerplatten herzustellen. Doch daraus wurde nichts. „Deshalb mussten wir umdenken.“ Und so blieb der Tölzer Betrieb ein Zulieferer für das Hauptwerk in Langenberg. Schonlau erwähnt in diesem Zusammenhang die noch 2016 installierte Schälanlage für rund eine Million Euro. Durch die Coronakrise seien dann Hauptabnehmer aus dem Bereich Bühnen- und Messebau abgesprungen, „da keine Festivals mehr stattfinden. Die haben keine Auftrage, und das spiegelt sich bei uns wieder“, erklärt Schonlau.

Am Ende trifft es nun die Arbeiter, die sich in diesen schwierigen Zeiten neu auf dem Markt orientieren müssen. Auch bleibt das Gebäude auf dem Moralt-Gelände vorerst leer, denn der SWL-Pachtvertrag läuft trotz Schließung noch bis 2024. Daniel Wegscheider

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