Baustellen im Leben und Beruf

TV-Sender 3sat besucht Kolping-Bildungsagentur und begleitet Auszubildende aus Afghanistan – Dokumentation am 11. November

Filmteam porträtiert das (Berufs)-Leben von Momena Saighani, die bei Kolping lernt.
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Ton läuft, Kamera an: Ein Filmteam porträtiert das (Berufs)-Leben von Momena Saighani, die bei Kolping lernt.

Bad Tölz – Große Freude bei Kolping in Bad Tölz: Ein Kamerateam des Fernsehsenders 3sat beobachtete einen Tag lang, wie Jugendliche in der Bildungsagentur auf das Berufsleben vorbereitet werden. „Ich war total aufgeregt“, gibt die pädagogische Fachkraft Christa Ritschel zu. „Aber dann war alles ganz normal. Ich hätte es mir schwieriger vorgestellt.“ Ausgestrahlt wird die Dokumentation am 11. November um 20.15 Uhr.

Im Mittelpunkt steht Momena Saighani, eine 18-jährige Wolfratshauserin, die aus Afghanistan stammt, Schülerin in der Berufsvorbereitungsklasse war und heute bei Simon Kältetechnik in Gaißach arbeitet.

Der Weg dorthin war weit. Saighani stammt aus Kabul. Ihre Mutter arbeitete dort als Lehrerin, ihr Vater als Rechtsanwalt. Vor fünf Jahren floh die Familie nach Deutschland und lebte erst mal zu fünft in einem einzigen Zimmer in einer Flüchtlingsunterkunft. Die Schülerin arbeitete hart und schaffte nach vier Jahren den Quali. „Sie ist sehr ehrgeizig und wollte unbedingt ins Büro-Management“, erinnert sich Ritschel. Dies erwies sich jedoch als schwierig. Zum einen benötige man für diesen Beruf eigentlich die Mittlere Reife, zum anderen würden viele Arbeitgeber Afghanen skeptisch gegenüber stehen: „Sie glauben, dass Afghaninnen alle Kopftuch tragen und nicht aufgeschlossen sind, aber das ist bei Momena überhaupt nicht der Fall.“ So hagelte es erst mal eine Absage nach der anderen. „Das ist frustrierend, gerade wenn man so engagiert ist“, sagt Ritschel. Schließlich fand Saighani doch noch eine Praktikumsstelle bei Kältetechnik Simon. Das lief so gut, dass sie eingestellt wurde, „Ein Glücksgriff“, sagt Ritschel.

Die Berufsvorbeitungsklassen sind sehr bunt zusammengesetzt. Einheimische und Flüchtlinge versuchen die Schlüssel-Qualifikationen zu erwerben, die man für ein Praktikum in einem Betrieb braucht. „Es ist eine ganz schöne Herausforderung, die Welten zusammen zu bringen“, sagt Ritschel. „Aber das macht die Arbeit so spannend.“

Die Flüchtlinge seien oft vom Krieg traumatisiert. „Und die Einheimischen kämpfen eher mit der Übersättigung und glauben, dass sie was Besseres sind, nur weil sie von hier sind.“ Oft müssten erst mal die Baustellen innerhalb der Familie beseitigt werden, „denn so lange die da sind, interessieren sie sich nicht für die Ausbildungsstelle“. Es gebe immer wieder neue Herausforderungen. Ritschel: „Wir müssen uns da anpassen. Gleich ob die Schüler von hier oder aus einem anderen Land kommen: die Probleme sind immer wichtig.“ Patrick Staar

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