100 Jahre altes Millionenprojekt

Umbau der Tölzer Hütte: Bis Mitte Oktober stabil und wetterfest

Die Tölzer Hütte am Schafreuter wird aufwendig saniert. Das Projekt kostet rund 1,4 Millionen Euro.
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Die Tölzer Hütte am Schafreuter wird aufwendig saniert. Das Projekt kostet rund 1,4 Millionen Euro.

Bad Tölz – Der Umbau der Tölzer Hütte ist aufwendig und kostet 1,4 Millionen Euro: Daher braucht die DAV-Sektion Bad Tölz die Hilfe ihrer Mitglieder – auch finanzieller Art.

Die Tölzer Alpenvereinssektion boomt. Gerade im Bereich Mountainbike und Klettern bilden sich immer wieder neue Gruppen. Die Mitgliederzahl ist auf 7.500 angestiegen. Trotzdem muss sich die Sektion strecken, um ein Großprojekt wie die Sanierung der Tölzer Hütte am Schafreuter zu stemmen, die rund 1,4 Millionen Euro kosten wird. Einstimmig genehmigten die 41 anwesenden Mitglieder im Rahmen der Jahreshauptversammlung im Ellbacher Schützenwirt eine Sonderumlage. Ebenso stimmten sie einer Erhöhung des Mitgliedsbeitags zu.

Schatzmeister Matthias Balbierz warb in der Versammlung mit Nachdruck für die Sonderumlage. Demnach sollen die Mitglieder in diesem und den kommenden beiden Jahren jeweils 15 Euro zusätzlich berappen. „Ich denke, das ist ein humaner und angemessener Betrag.“ Zugleich könnten die Schulden der Sektion mit dieser Sonderumlage signifikant reduziert werden. Der Schatzmeister geht davon aus, dass sie heuer 80.000 Euro zusätzlich in die Kasse spült. Nach seiner Rechnung sollte die Schuldentilgung in etwa zehn Jahren abgeschlossen sein.

Ein Mitglied regte an, dass auch Gastmitglieder die Sonderumlage zahlen sollen: „Davon haben wir in der Mittwochsgruppe relativ viele.“ Der stellvertretende Vorsitzende Benedikt Hirschmann sprach sich dagegen aus: „Man muss den Alpenverein als großes Ganzes sehen. Wir Tölzer dürfen auch in Hütten gehen, für die sich andere Sektionen einsetzen. Das ist ein Geben und Nehmen.“ Ein anderes Mitglied regte an, auch Tagesgäste sollen sich an den Kosten beteiligen. „Das tun sie durch das Konsumieren von Speisen und Getränken“, entgegnete Balbierz. „Außerdem zahlen sie für die Übernachtung mehr.“

Beitrag steigt um zehn Euro

Keine größeren Diskussionen gab es zur Beitragserhöhung. So sollen Erwachsene künftig 70 Euro pro Jahr statt 60 Euro wie bisher bezahlen. Jugendliche bis 18 Jahre zahlen nun 25 statt 18 Euro. „Das ist eine einigermaßen moderate Anpassung“, befand Balbierz. Notwendig geworden sei die Erhöhung, weil mehr Geld an den Bundesverband abgeführt wird. 1 Euro pro Mitglied dient als Klimabeitrag, 3 Euro pro Mitglied fließen in die Digitalisierungsoffensive. Außerdem habe es seit mehreren Jahren keine Beitragserhöhung mehr gegeben, erläuterte Balbierz. Und so hatten die Mitglieder auch dagegen keine Einwände. Schon in diesem Jahr flossen durch die Mitgliedsbeiträge 285.000 Euro in die Kasse der Sektion. Insgesamt lagen die Einnahmen bei rund 466.000 Euro.

Hüttenwart Max Nichtl gab einen Überblick über die Geschichte und den Baufortschritt der Tölzer Hütte, die vor rund 100 Jahren errichtet wurde. Die Baumaterialien brachten damals die Helfer selbst oder mithilfe von Mulis auf den Schafreuter. Die nötigen Steine für die Mauern seien am Gipfel gesammelt worden. Seither gab es viele Veränderungen wie die Anbau des Salettls (1939), den Bau der Material-Seilbahn (1969), des Blockheizkraftwerks und der Kläranlage (jeweils 2014). „Sie ist nachhaltig und top ausgestattet“, befand Nichtl. 2016 gab es ein Umwelt-Gütesiegel für die Hütte.

2019 hätten die Sanierungsarbeiten beginnen sollen, doch Bauleiter Wolfgang Buchner mahnte zur Vorsicht wegen der vielen Unwägbarkeiten. So begannen die Abbrucharbeiten erst Ende April 2020. Am 18. Mai durften die Material-Hubschrauber das erste Mal fliegen. Schnell habe sich gezeigt, dass die Stützbalken in der Hütte völlig verfault sind. „Es hätte also nicht gereicht, die Hütte nur etwas herzurichten“, betonte Nichtl. 30 Pfähle mit einer Länge zwischen acht und neun Metern sorgen nun dafür, dass die Hütte stabil steht. Am 26. Juni wurde das Gerüst errichtet, Anfang August begannen die Arbeiten am Holzbau. In den kommenden vier Wochen werde richtig viel passieren, so Nichtl.

„Wir sind vor dem Zeitplan“

So werden die Spengler mit den Arbeiten am Blechdach fertig, ebenso startet der Ausbau der Küche. Die Zimmerer kümmern sich bis Mitte September um die Verschalung der Wände. Parallel läuft der Innenbau. „Wir sind vor dem Zeitplan“, sagte Nichtl. Mitte Oktober soll die Hütte wetterdicht sein. „Wir müssen abwarten, wie sich die Corona-Situation entwickelt und welche Abstände wir einhalten müssen“, erklärte Nichtl. Bisher habe der Alpenverein 500.000 Euro für die Generalsanierung ausgegeben. Patrick Staar

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