Morddrohungen am Isarufer

Vorbestrafter 44-jähriger Pole wird zu 1.800 Geldstrafe verurteilt

Der Richter spricht ein Urteil.
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Vorbestrafter 44-jähriger Pole wird zu 1.800 Geldstrafe verurteilt

Bad Tölz – Für einen Vorfall, der sich vor mehr als anderthalb Jahren am Isarufer ereignete, musste sich ein damals noch in Tölz lebender Pole vor dem Amtsgericht in Wolfratshausen verantworten.

Mit einem faustgroßen Stein bedrohte er im Juni 2019 eine Gruppe junger Männer, die zuvor seine Lebensgefährtin geschubst und beleidigt hatten.

Der Angeklagte räumte den Sachverhalt sofort ein. „Ich stand damals kurz vor einer komplizierten Operation an meiner Wirbelsäure und lag im Bett, als meine Lebensgefährtin weinend nachhause kam“, erinnerte er sich. Zudem räumte der momentan arbeitslose Bautechniker ein, dass er zu diesem Zeitpunkt schon etwa acht Halbe Bier getrunken habe. Wutentbrannt brach der Angeklagte daraufhin zum Isarufer auf und traf tatsächlich eine Gruppe von drei jungen Männern, die an diesem Tag seine Frau zu Boden geschubst und beleidigt haben sollen.

„Ich nahm dann einen Stein in die Hand, um mich gegen einen Angriff wehren zu können“, behauptete der Angeklagte. Eine Polizeistreife konnte eine handgreifliche Auseinandersetzung zwar rechtzeitig verhindern. Der damals 42-Jährige sprach dennoch laute Drohungen und Beschimpfungen aus. „Ich finde euch: Ihr seid tot!“, entfuhr es ihm. Damit erfüllte er den Tatbestand der Bedrohung.

„Der Alkohol war für meinen Mandanten damals ein großes Problem“, erklärte Rechtsanwalt Werner Kränzlein. Mittlerweile entschloss sich der Pole dazu, seine Leberwerte regelmäßig untersuchen zu lassen. „Ich trinke seit neun Monaten kein Alkohol mehr“, er. Aufgrund der Corona-Krise konnte bisher jedoch keine Therapie begonnen werden.

Negativ auf das Urteil wirkten sich dagegen die insgesamt 13 Vorstrafen aus – unter anderem wegen Körperverletzungen, Betrug, Hehlerei, Beleidigung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Zudem wurde der Mann vor Kurzem von einem Münchner Gericht wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt. Da dieses Urteil einbeziehungsfähig war, forderte die Staatsanwältin eine fünfmonatige Haftstrafe.

Dies erschien Richter Helmut Berger deutlich zu streng. Er folgte dem Antrag des Rechtsanwalts und beließ es bei einer Geldstrafe in Höhe von 180 Tagessätzen zu je zehn Euro – insgesamt 1.800 Euro. Die Bezahlung darf der mittlerweile in München lebende Hartz-IV-Empfänger, den eine Schuldenlast von rund 150.000 Euro drückt, in monatlichen 50-Euro-Raten abzahlen. „Ich versuche alles dafür zu tun, dass sich solche Situationen nie mehr wiederholen“, gelobte der Verurteilte abschließend. Peter Herrmann

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