Vorsitzender verlässt „Wir für Tölz“

Unternehmerverein reduziert Mitgliederbeiträge – Düstere Prognose für hiesige Gastronomie

Vorstand des Unternehmervereins „Wir für Tölz“
+
Der Vorstand des Unternehmervereins „Wir für Tölz“: (v.l.) Kassier Johannes Stehr, Vorsitzender Ralph Munkert, Schriftführer Simon Steinhart und Vereinsmanagerin Verena Weihbrecht.

Bad Tölz – Auf der nostalgisch wirkenden Schwarz-Weiß-Homepage des Vereins ballen sich drohend schwarze Wolken über der Marktstraßensilhouette – das Bild könnte als Symbol für die Zukunft des Unternehmervereins „Wir für Tölz“ gedeutet werden.

Am Ende der jüngsten Mitgliederversammlung im kleinen Kursaal gab nämlich der bisherige Vorsitzende Ralph Munkert bekannt: im kommenden Jahr nicht mehr zu kandidieren. Auch Schriftführer Simon Steinhart stellt dann sein Amt (zudem das des Spartensprechers Handwerk) zur Verfügung. Auch Apotheker Florian Blickenberger als der Vertreter der Freien Berufe und Dienstleister hört auf.

Der 63-jährige Munkert ist jedoch überzeugt, dass sich im Jahr 2021 jemand aus dem Mitgliederkreis findet, der die verbleibende Führung mit seinem Stellvertreter Dieter Pany und Kassier Johannes Stehr unterstützt. Bis dahin wird auch die angestellte Vereinsmanagerin Verena Weihbrecht eine Unterstützung auf 450-Euro-Basis erhalten, damit sie sich besser auf ihren Kernbereich konzentrieren könne, wie Munkert sagte.

Allerdings wurde den über 30 Mitgliedern, alles Tölzer Unternehmer, die in den Kursaal gekommen waren, eröffnet, dass das ursprüngliche Vereinsvermögen von 54.000 Euro inzwischen auf unter 50.000 Euro geschrumpft sei. Dennoch möchte man, so Munkert, angesichts der Corona-Belastungen den Unternehmern Gutes tun und die gestaffelten Mitgliederbeiträge für alle um ein Zwölftel reduzieren. Bislang zahlen die Betriebe je nach Größe zwischen 100 und 1.100 Euro Jahresbeitrag. Dies wurde ohne Gegenstimme so angenommen, wobei auch jedes Unternehmen den bisherigen Betrag bezahlen kann.

Viel von Projekten war auch vorher schon beim Geschäftsbericht (der auch 2019 umfasste) die Rede, so erinnerte die Spartenleiterin Tourismus, Ingrid Dietl, an das mit großer Euphorie gestartete Vorhaben, einen Flying Fox, also eine Stahlseilbahn in luftiger Höhe, durch die Marktstraße flitzen zu lassen, um auf die Tölzer Champagner Luft werbewirksam aufmerksam zu machen. Das schon 2019 geplante Vorhaben wurde zunächst verschoben und fiel dann der Pandemie zum Opfer. Ähnlich ging es einer ganzen Reihe von anderen Veranstaltungen und sonstigen Vorhaben, wie Weihbrecht und Munkert abwechselnd berichteten.

In nächster Zukunft will der Verein während der Weihnachtszeit eine Verpackungshütte in der Marktstraße aufstellen, wo sich die Kunden die in den Tölzer Geschäften gekauften Präsente einpacken lassen können, eine zweite stellt die Parfümerie Wiedemann. Peter Widemann, Sprecher der Sparte Handel, appellierte dabei vehement an alle Beteiligten, zukünftig alles zu tun, um den „sozialen Treffpunkt Innenstadt zu erhalten.“

Durchaus desillusioniert zeigte sich dagegen Jailhouse-Gastronom Peter Frech, der es als Vertreter der Gastronomie auf den Punkt brachte: „Kein Gast, kein Geld.“ Seiner Meinung nach werde die Hälfte der Tölzer Wirte die Krise nicht überleben, da sie ihre (teilweise stundeten) Steuern nicht zahlen könnten.

Die Anstrengungen der Stadtverwaltung, den Wirten zu helfen, erläuterte Bürgermeister Ingo Mehner, der mit anderen Vertretern der Stadtverwaltung zum erweiterten Vorstand des 2017 gegründeten Vereins zählt, konnte allerdings angesichts der am Dienstagabend ganz aktuell verschärften Situation wenig Hoffnung machen. Auf die Frage von Helmut Schwarz in Sachen Christkindlmarkt-Alternative meinte er: „Es gibt noch nichts Rechtsverbindliches, mal schauen, was noch geht.“ bo

Auch interessant

Kommentare