Farchet darf seinen Status nicht verlieren

Tölzer Bauausschuss schmettert mehrheitlich Bebauungsplan für Wohnhaus im Gewerbegebiet ab

Wohneinheiten im Gewerbegebiet Farchet wurden abgelehnt
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Plan für zwei Wohneinheiten am Josef-Janker-Ring im Tölzer Gewerbegebiet Farchet wurde im Bauausschuss mehrheitlich abgelehnt.

Bad Tölz – Seit 50 Jahren gibt es das Tölzer Gewerbegebiet Farchet: Hallen für Betriebe, Lagerplätze, Tankstelle, Autohäuser und die eine oder andere Wohnung. Der Bauausschuss beschäftigte sich jüngst mit einem Plan für zwei Wohneinheiten am Josef-Janker-Ring – er wurde mehrheitlich abgelehnt.

Betriebsinhaber freuen sich, nachts in ruhiger Lage zwischen Friedhof und Kläranlage im Farchet zu leben und gleich am Ort des Geschehens, sprich der Produktion zu sein. Diese Entwicklung birgt auch Gefahren: wenn das Gewerbegebiet seinen Status verlieren sollte, haben Betriebe, die Lärm- oder Schadstoffemissionen ausstoßen, ein Problem. Deshalb ist man bei der Stadt sehr restriktiv, was neue Wohnungen im Areal am nördlichen Tölzer Ortsrand angeht.

In der jüngsten Bauabschuss-Sitzung stellt Stadtbaumeister Florian Ernst einen Antrag vor, demzufolge ein Handwerksunternehmen am Josef-Janker-Ring zwei Wohnungen für Aufsichtspersonen sowie für Betriebsinhaber und Betriebsleiter bauen möchte. Ernst führte dazu aus, dass zwei Wohnungen ausnahmsweise zugelassen werden könnten, dass man aber stets den Gebietscharakter nicht aus den Augen verlieren dürfe. Deshalb sei seiner Meinung nach nur eine Betriebsinhaberwohnung zu befürworten. Der Bauwerber hatte zudem am Plan statt der notwendigen sieben nur vier Fahrzeugstellplätze eingezeichnet und eine „wechselseitige Nutzung“ beantragt, der Ernst so nicht zustimmen konnte. Auch erschien ihm die Ableitung des Regenwassers ungeklärt, zudem erschienen ihm die vorgesehene Dachform und überstehende Balkone nicht unproblematisch.

Martin Harrer (FWG) gab zu bedenken, dass im Handwerk dringend Personal gesucht werde und ihm der Betriebsinhaber versichert habe, er werde die Wohnungen nur Firmenmitarbeitern zur Verfügung stellen. Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) meinte dazu: „Hier müssen wir extrem aufpassen, mit jeder weiteren Wohnung, die wir dort zulassen, droht die Gefahr, dass uns das Gewerbegebiet um die Ohren fliegt.“ Wenn der Bebauungsplan „funktionslos“ werde, stehe zu befürchten, dass einige Betriebe wegen ihrer Emissionen „zusperren müssen.“

Bauamtsleiter Christian Fürstberger führte aus, dass für die Zulassung einer Wohnung die „Erforderlichkeit“ ausschlaggebend sei. Die könnte beispielsweise bei einem Schichtbetrieb gegeben sein, wo Tag und Nacht gearbeitet werde. Filiz Cetin (SPD) sprach sich vehement gegen eine solche „Privilegierung“ aus, zumal Fürstberger ergänzte, eine Wohnung sei „explizit nur für den Betriebsinhaber, nicht für Mitarbeiter zulässig.“ Ingo Mehner, vor seiner Wahl zum Bürgermeister als Jurist tätig, erinnerte an die vorangegangene Sitzung, in der man eine beantragte Wohnung im Farchet abgelehnt habe und gab noch einmal zu bedenken: „Die Sache kann vor Gericht mit einem Schlag kippen.“ Er ließ dann den mehrteiligen Beschlussvorschlag der Verwaltung einzeln abstimmen. Dabei plädierten lediglich vier Stadträte für beide Wohneinheiten, dem beantragten Walmdach und den überstehenden Balkonen wurde zugestimmt, während die wechselseitige Nutzung der Stellplätze wiederum abgelehnt wurde. Sollte das Baugesuch noch einmal eingereicht werden, muss die Ableitung des Niederschlagswassers geklärt werden. Zudem stellte man dem Bauwerber in Aussicht, dass eine Wohnung für den Betriebsinhaber genehmigt werde, sofern sich „die Wohnfläche und Baumasse dem Gewerbe unterordnet“. Dagegen stimmte einzig Filiz Cetin. bo

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