Altenheime entlasten

Caritas warnt vor Personalausfällen und fordert verkürzte Quarantäne

Eine Pflegerin bringt einem älteren Herrn die Einkäufe
+
Zu einem Pflegekräfte-Mangel könnte es durch die Zunahme an Fällen der Omikron-Variante kommen.
  • Franca Winkler
    VonFranca Winkler
    schließen

Landkreis – Omikron ist weiter auf dem Vormarsch: Am vergangenen Freitag gab es nach Auskunft des Landratsamtes im gesamten Landkreis zwei bestätigte Fälle – zum Redaktionsschluss (Montag, 10. Januar) sind diese bereits auf 95 Fälle angestiegen.

Die steigenden Fallzahlen stehen einer möglichen Verkürzung der Quarantäne-Zeiten gegenüber. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsminister Klaus Holetschek stehen trotz kritischem Blick auf die Omikron-Variante einer gelockerten Regelung zumindest aufgeschlossen gegenüber.

„Wir sehen der Kabinettssitzung und den daraus resultierenden Beschlüssen mit Spannung entgegen“, berichtet Landratsamt-Sprecher Michael Heigl. Mit den neuen Quarantäne-Regelungen sollen möglichen Personalausfällen in kritischen Infrastrukturen entgegengewirkt werden. Wie die Handhabung vor allem in Bereichen mit Kontakt zu vulnerablen Personen aussieht, wie etwa in Pflege- und Altenheimen, müsse allerdings noch abgewartet werden.

Geschäftsleiterin Caritas-Altenheime Doris Schneider

Nach zwei Jahren Corona-Pandemie und fast kontinuierlichem Krisenmodus verlangt der Diözesan-Caritasverband eine wirksame Entlastung der Altenheime für die Wintermonate. „Mit der Omikron-Variante steht eine neue enorme Herausforderung für unsere Häuser vor der Tür“, betont Caritas Vorstand Gabriele Stark-Angermeier, zuständig für Altenhilfe, Soziale Dienste und Personal. Noch im Dezember hätten die Altenheime mit den Auswirkungen der vierten Infektionswelle zu kämpfen und erhebliche Personalausfälle kompensieren müssen. Mit der raschen Verbreitung der hoch ansteckenden Omikron-Variante befürchten die Caritas-Verantwortlichen, eine kaum zu bewältigende prekäre Lage in den Altenheimen.

Caritas: Keine zusätzliche Belastung durch Qualitätsprüfungen

„Wir rechnen wegen zunehmender Quarantänefälle mit noch größeren Ausfallquoten bei den Beschäftigten. Wie sollen wir das ausgleichen?“, fragt Gabriele Stark-Angermeier. Die Vorständin des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising fordert Bundes- und Landespolitiker auf, die Quarantänezeiten auch für Kontaktpersonen von Omikron-Infizierten verantwortungsvoll zu verkürzen. Insbesondere für geimpfte und geboosterte Mitarbeiter solle dies zeitnah beschlossen werden, um den Betrieb der Altenheime sicherstellen zu können.

Caritas-Vorstand Gabriele Stark-Angermeier

„Qualität ist uns selbstverständlich wichtig, doch Qualitätsprüfungen zur Unzeit sind völlig unangemessen“, kritisiert Doris Schneider, Geschäftsleiterin der 27 Caritas-Altenheime in München und Oberbayern. „Noch kurz vor Weihnachten haben Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen und die Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen stattgefunden, also zu einer Zeit, wo wir alle Hände voll zu tun hatten, das Alltagsgeschäft mitten in der vierten Corona-Welle zu bewältigen“, betont Schneider weiter.

Statt Alten- und Pflegeheime mit ihrem Fachpersonal, oft ausgebildete Pflegefachkräften, zu unterstützen, zögen die Prüfstellen mitten in der Krise auch noch Kapazitäten ab. „Man muss sich schon über die Prioritätensetzung wundern“, moniert Schneider und beklagt die mangelnde Wertschätzung des Pflegepersonals, die hier zum Ausdruck komme: „Die Qualitätsprüfungen finden statt, als ob es nie eine Pandemie gegeben hätte. Die Mitarbeitenden und Führungskräfte haben die letzten zwei Jahre Herausragendes geleistet, um die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner zu gewährleisten, alle Regeln für den Infektionsschutz umzusetzen und gleichzeitig die Qualität hoch zu halten.“ Schon im Herbst hätten Prüfungen zu enormen zusätzlichen Arbeitsbelastungen geführt und zu hoher Frustration bei den Führungskräften.

Bitte: Die Fachkompetenz der Einrichtungen mit einbeziehen.

Aktuell, so Schneider, konzentrierten sich die Häuser darauf, „die Menschen, die bei uns wohnen und leben, gut zu versorgen und darüber hinaus intensiv Notfallpläne vorzubereiten für den Fall massiver Personalausfälle durch die Omikron-Variante“. Die Altenheim-Chefin würde es daher als positives Signal begrüßen, wenn die Qualitätsprüfungen und alle damit verbundenen Vor- und Nacharbeiten zumindest zeitweise ausgesetzt werden könnten.

Darüber hinaus verlangt Schneider eine schnelle und klare Regelung für die Quarantänezeiten. „Eine Entscheidung der Gesundheitsämter, die die Fachkompetenz der Träger und Einrichtungen vor Ort auf Augenhöhe mit einbezieht, wäre in dieser Frage hilfreich.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Knill: „Es ist nicht alles Gold was glänzt“
Bad Tölz - Wolfratshausen
Knill: „Es ist nicht alles Gold was glänzt“
Knill: „Es ist nicht alles Gold was glänzt“
Trotz 500 Unterschriften: Formulierung ist formell und inhaltlich unzulässig
Bad Tölz - Wolfratshausen
Trotz 500 Unterschriften: Formulierung ist formell und inhaltlich unzulässig
Trotz 500 Unterschriften: Formulierung ist formell und inhaltlich unzulässig
Ausflug für Körper, Geist und Seele
Ausflug für Körper, Geist und Seele
Hebesatz: Beschluss rechtswidrig
Bad Tölz - Wolfratshausen
Hebesatz: Beschluss rechtswidrig
Hebesatz: Beschluss rechtswidrig

Kommentare