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Bad Tölz-Wolfratshausen: Impfzentrumsleiter über Lieferengpässe, Drohungen und Corona-Lockerungen

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Von: Franca Winkler

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Spritze im Arm
Nach wie vor das Mittel Nummer eins gegen Covid: Eine Impfung. © LRA

Landkreis – Seit bereits zwei Jahren infizieren sich Bürger im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen mit dem Corona-Virus. Der erste Fall wurde am 11. März 2020 bekannt.

Der 27-jährige Maximilian Pfandl von der Aicher Ambulanz hat Notfallmedizin und Rescue Management studiert und koordinierte zunächst Teststationen und später die Impfzentren im Landkreis. Im Interview lassen wir ihn auf die vergangene Zeit und ihre Herausforderungen zurückblicken.

Maximilian Pfandl
Maximilian Pfandl ist der Leiter Landkreis-Impfzentren. © LRA

Herr Pfandl, wie ging es Ihnen zu Beginn der Pandemie? Die Meinungen über die Gefährlichkeit gingen anfänglich auseinander.

„Ich habe den Virus von Beginn an als gefährlich eingestuft. Beim Aufbau der Teststationen habe ich daher darauf geachtet, dass es so wenig wie möglich Kontakt gibt.“

Wenn Sie an die kompletten zwei Jahre zurückdenken – was waren aus Ihrer Sicht Höhen und Tiefen?

„Zu den Höhen gehört auf jeden Fall der wahnsinnige Zusammenhalt. Die Gemeinden, das Landratsamt und alle Mitarbeiter haben toll zusammen gearbeitet. Wir hatten auch nie Personalprobleme. Wir haben ein cooles gemischtes Team von 18 bis 80 Jahren. Da sind Personen aller Berufsgruppen dabei: Zum Beispiel Ärzte, Studenten, Künstler, Personen aus der Immobilienbranche. Aufregend war auch der 27. Dezember 2020 als die erste Person geimpft wurde. Wir haben uns gefragt: Haben wir auch alles dabei? Ist alles korrekt? Danach ist die erste Anspannung abgefallen.“

Und die Tiefen?

„Am meisten frustriert hat die Situation als wir mit vollen Kapazitäten da waren, aber der Impfstoff gefehlt hat. Wir wurden auch oft gefragt: ‚Warum bin ich noch nicht dran mit der Impfung?‘ Die Nachfrage nach dem Impfstoff war exorbitant hoch, aber aufgrund der Priorisierung konnten wir keine Ausnahme machen. Frustrierend bei den Lieferengpässen war, dass nicht abschätzbar war, wann es weiter geht.“

Wie ist das mit den Impfgegnern? Sind Sie angefeindet worden?

„Ja, das bin ich. Es gab Drohungen verbal und schriftlich. Die Polizei hat die Fälle übernommen.“

Wie sind die Impfungen für Kinder angenommen worden?

„Auch hier gab es mediale Anfeindungen; einen regelrechten Shitstorm in den Sozialen Medien. Da gab es viele Hassäußerungen, auch von der ‚Todesspritze‘ war die Rede.“

Gab es auch Dankbarkeit?

„Oh ja, die Dankbarkeit war groß bei jeglichen Altersgruppen. Ich selbst hatte auch ein sichereres Gefühl nach der zweiten Impfung.“

Seit kurzem ist nun auch der proteinbasierte Impfstoff Novavax im Einsatz. Wie wird dieser angenommen?

„Novavax wurde schon verimpft, aber sehr zurückhaltend.“

Warum ist das so?

„Die Stiko empfiehlt Novavax nur für die Erstimpfung. Und generelle Impfgegner lassen sich nicht impfen, auch nicht nach der fünften Impfstoff-Variante.“

Was halten Sie von der einrichtungsbezogenen Impfpflicht die es am Mittwoch, 16. März, geben soll?

„Das betrifft auch uns im Gesundheitssektor. Auch die Pflicht des Nachweises. Die Impfung soll schützen. Solange es Ungeimpfte gibt, wird es weiter Mutationen geben. Also tendiere ich zu einem Ja.“

Am Sonntag, 20. März, soll es den Freedom-Day geben und viele Corona-Einschränkungen sollen wegfallen. Was ist ihre Meinung: Ist das der richtige Zeitpunkt?

„Das ist schwierig zu beantworten. Wann ist es zu früh, wann zu spät. Wir haben noch immer hohe Zahlen und auch der Kölner Karneval hat es gezeigt. Da ist die Inzidenz von etwa 900 auf 2.000 gestiegen. Ich verstehe aber, dass man lockern muss. Zum Beispiel die Jugend. Im Alter von 16 bis 20 ist die Zeit zum Rausgehen, Freunde treffen und feiern. Durch die Corona-Zeit konnte das alles nicht sein. Dennoch glaube ich, dass man keinen richtigen Zeitpunkt benennen kann. Wir müssen abwarten wie sich alles entwickelt.“

Lesen Sie auch den Rückblick von Landrat Josef Niedermaier und Gesunheitsamtsleiter Stephan Gebrande.

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