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Tölzer Land: Hauptkommissar erklärt die dreisten Maschen von Trickbetrügern

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Kriminalhauptkommissar Simon Bräutigam
Kriminalhauptkommissar Simon Bräutigam verzeichnet einen Zuwachs an Telefon- und Online-Straftaten. © Peter Herrmann

Geretsried – Der VdK-Ortsverband hat kürzlich den gesamten Ratsstubensaal in Geretsried mit Interessierten gefüllt, die über Trickbetrug informiert werden wollten.

Polizeihauptkommissar Simon Bräutigam vermutet von einer großen Anzahl an unbekannten Fällen, weil sich vermutlich einige der Opfer aus Scham nicht zu erkennen geben. Oft würde man die Betroffenen verspotten, wenn sie auf Betrüger hereingefallen sind. Die Kriminellen werden allerdings immer erfinderischer und niederträchtig. Sie geben sich als Mitarbeiter namhafter Firmen oder gar Polizisten aus und versuchen so an das Geld ihrer Opfer zu kommen.

Opfer verlieren teils bis zu sechsstellige Summen

Meist agieren die Banden von Callcentern im Ausland aus und werden hierzulande von Komplizen unterstützt. Im vergangenen Jahr zählte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in seinem Zuständigkeitsbereich 18 erfolgreiche Taten bei rund 1.000 Versuchen. Die Opfer verloren dabei zum Teil fünf- bis sechsstellige Summen.

Falsche Polizisten erzeugen emotionalen Druck

In kurzen Szenarien stellte Bräutigam dar, wie falsche Polizeibeamte Druck erzeugen. „Sie sagen oft, es lägen Informationen über einen unmittelbar bevorstehenden Einbruch vor, und empfehlen Bargeld und Wertsachen sofort einem Zivilbeamten zu übergeben“, erklärte der Referent. Zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit könnte sogar die Rufnummer 110 oder eine Ortsvorwahlnummer aus der Region im Display angezeigt werden. „Legen Sie sofort auf, wenn Sie solch einen Anruf erhalten“, rät Bräutigam. Die echte Polizei würde niemals Bargeld oder Wertsachen in Wohnungen von vermeintlichen Opfern abholen.

Legen Sie sofort auf, wenn Sie solch einen Anruf erhalten

Polizeihauptkommissar Simon Bräutigam

Obacht vor Schockanrufen

Zudem registriert die Kripo in den vergangenen beiden Jahren eine Zunahme an sogenannten Schockanrufen. Darin wird mitgeteilt, dass sich ein Familienmitglied in einer Notlage befindet und dringend Geld benötigt. Gerade ältere Menschen mit Erinnerungslücken fallen oft darauf rein. Im anschließenden persönlichen Gespräch betont der Hauptkommissar von dem immensen Schaden, den die Opfer nehmen.

Selbst wenn finanzielles Unheil noch abgewendet werden konnte, erleiden die Betroffenen einen seelischen Schaden. „So einen Schock zu verarbeiten dauert lange.“ Diese Schockanrufe stellen ein minuten- oder durchaus auch stundenlanges hinausgezögertes Leiden dar. Das stecke man nicht einfach so weg, berichtet Bräutigam.

Auch Jüngere fallen auf Verbrecher rein: gerade im Online-Bereich

Doch auch jüngere Jahrgänge geraten ins Visier der Verbrecher: Vermeintliche Online-Geldanlagen und Investitionen in digitale Kryptowährungen versprechen hohe Gewinne bei vergleichsweise wenig Aufwand. Dabei gelingt es falschen Brokern oft, die Geschädigten zu mehreren Einzahlungen zu überreden. Am Ende der zweistündigen Veranstaltung stellte Bräutigam Vertreter der Opferhilfe-Organisation „Weisser Ring“ vor. „Manche Personen wollen keinen Anruf von der Polizei, auch wenn wir eine Opfer-Nachsorge bieten“, erzählt Bräutigam. Daher sei die Arbeit des Weissen Rings so wichtig.

Auch Helgard van Hüllen, Weisser Ring Leiterin des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen berichtet von der Zusammenarbeit. Es sei keine Seltenheit, dass sich die Beamten an van Hüllen wenden, wenn der Eindruck entstehe, ein Opfer benötige Unterstützung. Die Beratungsstelle ist über die bundesweite Telefonnummer 11 60 06 oder im Internet auf www.weisser-ring.de zu erreichen. Peter Herrmann/Franca Winkler

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