Jugendausschuss beschließt Familienstützpunkte

Bad Tölz-Wolfratshausen: Institut befragt 1.349 Eltern im Landkreis was sie wollen

Hände übereinandergelegt
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Familienstützpunkte helfen Eltern und Kindern.
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Landkreis - Braucht es im Landkreis Familienstützpunkte? „Ja“ sagt der Jugend- und Familienausschuss nach einer vorgestellten Analyse dazu.

Vor eineinhalb Jahren war sich der Kreisausschuss einig am Landesförderprogramm für sogenannte Familienstützpunkte teilzunehmen. Davor sollte jedoch der Bedarf in der Region erhoben werden. Die Analyse ist nun abgeschlossen und wurde jüngst im Ausschuss für Jugend und Familie vorgestellt.

Angebote für die ganze Familie: vom Vortrag bis Freizeit

Für was Familienstützpunkte stehen, fasste Bianca Ludwig von der Familienfachstelle am Landratsamt noch einmal kurz zusammen. „Es sind Angebote für die ganze Familie: vom Vortrag bis Freizeit“, sagte sie. Familienmitglieder können sich aber auch Beratung suchen, „wenn der Alltag zu viel wird“. Bei Bedarf könne geschultes Fachpersonal an die richtigen Stellen vermitteln.

Außerdem dienen sie als „Schnittstellen zwischen Behörden und Trägern“. Besonders wichtig: „Angebote können passgenau auf die einzelnen Gemeinden und Städte abgestimmt werden.“ Konkret: So könnte etwa anstatt eines Elternabends ein Elternnachmittag angesetzt werden.

Wie berichtet, setzt das Landesförderprogramm vor dem Aufbau regionaler Stützpunkte eine Planungsphase voraus. Im Landkreis wurde daher eine breit angelegte Befragung bestehender Angebote vom Institut für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik (SAGS) aus Augsburg durchgeführt. Dazu wurden im Juni und Juli vergangenen Jahres in der Region alle Eltern mit minderjährigen Kindern sowie Einrichtungen, die Familienbildung anbieten, online und teils postalisch aufgefordert, den Fragebogen auszufüllen.

SAGS-Umfrage repräsentativ, auch wenn nicht alle mitmachen

1.349 haben mitgemacht. Dennoch sei die Bestandsanalyse repräsentativ, bestätigte Susanne Gruber vom SAGS auf Nachfrage. „Es sind ja alle angefragt worden, sich zu beteiligen“, erklärte sie. Gründe, warum nicht jeder mitmacht, seien unterschiedlich und spielen für die Stichhaltigkeit der Erhebung keine wesentliche Rolle.

Die Analyse weise ein gutes Ergebnis aus: „Es gibt für alles Angebote“, berichtete Gruber gegenüber dem Kreisgremium. Am meisten wurde dabei die „Förderung der kindlichen Entwicklung“ mit 54,5 Prozent genannt. Bei der Frage, was Eltern wollen, zeigte sich, dass Einzel- und Gruppenangebote bei größeren Gemeinden höher (85,8) nachgefragt werden, als bei kleineren (77,9). Und die Vermittlung von Wissen interessiert Eltern mehr, „wenn ihre Kinder älter sind“, sagte Gruber.

Platz eins: „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“

Auf Platz eins an gewünschten Themen rangiert das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ (58,7), gefolgt von „sportlichen Aktivitäten“ (49,4) und „Freizeitgestaltung in der Familie“ (44,8). Veranstaltungen sollten „in der Nähe“ (74) liegen und „unregelmäßig“ (39) stattfinden, da für viele Öffnungs- und Kurszeiten „ungünstig liegen“. Was die Kosten betrifft, seien viele Eltern bereit, Beträge zu zahlen. „Nur sieben Prozent gaben an, Angebote nur wahrzunehmen, wenn sie kostenlos sind.“

Familienstützpunkte für den Landkreis: Dazu stellte das Institut für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik (SAGS) dem Kreisausschuss für Jugend und Familie jüngst die Statistik der sozialwissenschaftlichen Auswertung vor. Befragt wurden Eltern minderjähriger Kinder und Jugendlicher. Zudem erhob das Institut eine Sozialraumanalyse und stellte dessen Ergebnisse nun vor.

Hoher Jugendhilfeindex in den Städten Bad Tölz und Geretsried

Im Landkreis leben insgesamt 4.290 minderjährige Kinder, die nur von einem Elternteil erzogen werden. Die meisten davon wohnen in den Gemeinden Geretsried, Lenggries, Benediktbeuern, Bad Tölz und Wackersberg. Auch wurde vom Institut für die Region der sogenannte Jugendhilfeindex ermittelt. „Dieser bestimmt die Inanspruchnahme von erzieherischen Hilfsmaßnahmen im Vergleich zu Bayern“, erklärte Susanne Gruber vom SAGS. Aufgefallen seien dabei die Städte Bad Tölz und Geretsried, „die Werte liegen dort höher als der bayerische Index“, sagte sie.

Am Ende der Präsentation leitete Gruber anhand der Elternbefragung und Analyse vorhandener Angebote für Familienbildung einen potenziellen Bedarf für die Einrichtung von Familienstützpunkten im Landkreis ab.

Kreispolitik muss nun über mögliche Familienstützpunkte entscheiden

„Alle Grundlagen liegen auf dem Tisch. Jetzt ist die Politik am Zug“, betonte Fritz Meixner (SPD). Deshalb müsse jetzt die Fortschreibung der Familienstützpunkte zeitnah und ausführlich in den einzelnen Fraktionen diskutiert werden, forderte er: „Ich bin überzeugt davon, dass mehr Prävention der richtige Weg ist.“

Auch Klaus Koch (Grüne), der die Sitzung als Dritter Landrat leitete, stimmte zu: „Wir haben viel Herzblut in diese Sache gesteckt“, betonte er. „Es wäre ärgerlich, wenn die Hilfe für Familien an den Kosten scheitern würde.“ Allerdings sei es am Ende des Weges ein gesamtpolitischer Beschluss, der vom Kreistag getroffen werden müsse.

Der Jungend- und Familien-Ausschuss stimmte schon einmal einhellig dafür, dass die Verwaltung damit beauftragt wird, Gespräche mit interessierten Städten und Gemeinden in den vier Sozialräumen der Region zu führen. Dabei soll ermittelt werden, ob dort der fachliche Bedarf für die Einrichtung eines Familienstützpunktes bestätigt wird.

Außerdem werden laut Koch Gespräche mit den Bürgermeistern geführt, damit sich auch die einzelnen Kommunen finanziell beteiligen: „Ich wünsche mir, die Kosten in den Fraktionen intensiv zu besprechen.“

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