Erwartete Dosen bleiben zunächst aus

Lieferengpass beim Corona-Impfstoff: Das sagt der Tölzer Landrat dazu

Westliche Corona-Impfstoffe
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Begehrte Medizin: die Ampullen der Corona-Impfstoffe von Biontech, Moderna und AstraZeneca.
  • Daniel Wegscheider
    vonDaniel Wegscheider
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Landkreis – In den kommenden zwei Wochen können keine Erstimpfungen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen stattfinden. Landrat Josef Niedermaier ist enttäuscht über die bayerische Regierung.

Derzeit wartet das Landratsamt auf wichtige Post, doch die medizinische Lieferung an die beiden Impfzentren in Bad Tölz und Wolfratshausen bleiben aus. Als Grund nennt Landratsamt-Sprecherin Sabine Schmid: „Die Impfstoffe werden zentral von staatlicher Seite an die Landkreise verteilt. Dabei haben die Landkreise keinen Einfluss auf die Liefermengen. Letztere richten sich allein nach der Gesamtverfügbarkeit des Impfstoffes im Freistaat Bayern.“

Die vergangenen zwei Wochen waren hinsichtlich der Mengen an Impfstoff sehr erfreulich. So konnten im Landkreis Menschen im vierstelligen Bereich mit dem Impfstoff von AstraZeneca erstmals geimpft werden. Gleichzeitig konnten die vorhandenen Mengen des Impfstoffes von BionTech genutzt werden, um restliche Zweitimpfungen in den Heimen und hunderte von Erstimpfungen bei den über 80-Jährigen durchzuführen.

Ein Viertel der über 80-Jährigen außerhalb von Pflegeheimen bereits geimpft

Von den rund 9.000 über 80-Jährigen außerhalb von Pflegeheimen und Einrichtungen konnten schätzungsweise bereits ein Viertel geimpft werden. „Genaue Zahlen lassen sich leider nicht ermitteln“, so Schmid. Die Impf-Software lasse trotz mehrmaliger Forderung der Landräte keine diesbezügliche Abfragemöglichkeit für Landratsämter zu. „Der Stand der Impfungen innerhalb einer Altersgruppe wird uns von der Software nicht angezeigt.“

Die aktuellen Corona-Entwicklungen im Landkreis täglich zusammengefasst

Der Landkreis sei auf einem sehr guten Weg, betont Landrat Josef Niedermaier: „Wir haben viel geimpft in den letzten Tagen und Wochen.“ Die nun seitens der Impfstoff-Koordinierungsstelle angekündigten Liefermengen, „die bei weitem nicht dem entsprechen was wir für die kommenden zwei Wochen angefordert haben, treffen uns wirklich hart“, beklagt er.

„Kein Impffläschen mehr im Kühlschrank“

Das Landratsamt habe laut den Signalen aus der Bayerischen Staatsregierung mit deutlich mehr Impfstoff gerechnet. „Wir haben in den letzten Wochen wie von der Staatsregierung beauftragt, den gesamten uns zugeteilten Impfstoff geimpft. Bei uns liegt kein einziges Impffläschchen mehr in den Kühlräumen.“ Dementsprechend sei der Bedarf an Impfstoff für Zweitimpfungen sehr hoch. „Jetzt werden wir letztlich für unseren Fleiß bestraft, weil wir mit den uns zugeteilten Liefermengen gerade so die hohe Zahl anstehender Zweitimpfungen abdecken können“. Wer viel impfe, brauche auch viel Impfstoff, so der Landrat weiter

Landrat Josef Niedermaier enttäuscht über Staatsregierung

Niedermaier ist enttäuscht von der Zuteilungspraxis: „Solche Engpässe, wie wir sie jetzt im Landkreis erleben, müsste es nicht geben.“ Der Impfstoff sollte flexibler an die Landkreise verteilt werden. „Wir haben ja die hohen Kapazitäten in unseren beiden Impfzentren und könnten jetzt schon 600 Personen am Tag impfen“.

Josef Niedermaier: .„Das versteht doch kein Mensch mehr, wenn in manchen Landkreisen der Impfstoff liegen bleibt, und in anderen Landkreisen die Kapazitäten gar nicht ganz ausgeschöpft werden können!“

Landkreise mit hohen Impf-Kapazitäten sollten demnach auch mehr Impfstoff erhalten. „Das versteht doch kein Mensch mehr, wenn in manchen Landkreisen der Impfstoff liegen bleibt, und in anderen Landkreisen die Kapazitäten gar nicht ganz ausgeschöpft werden können“, kritisiert Niedermaier. Dass dies zeitnah umgesetzt werde, sei aber unwahrscheinlich. „Wir können also nur warten und hoffen, dass sich die Impfstoffmengen, wie von der Staatsregierung zugesichert, sehr bald kontinuierlich erhöhen werden.“

Impfzentren bereiten sich auf neue Lieferung vor

Die kommenden zwei Wochen werde man in den Impfzentren aber nicht untätig sein. Mit den erwarteten Impfstoffdosen werden immerhin knapp 1.000 Landkreisbürgerinnen und –bürger ihre Zweitimpfung erhalten können. Zudem werde die Zeit genutzt, um die Impfzentren in Bad Tölz und Wolfratshausen nochmals auszubauen. „Wir sind gerade dabei, die Kapazitäten in den Impfzentren nochmals zu erhöhen“, so Niedermaier: „Die nächsten zwei Wochen sind nicht verschenkt. Alle Beteiligten werden intensiv daran arbeiten, dass wir als Landkreis noch besser aufgestellt sein werden.“

Landrat verspricht 1.000 Impfungen pro Tag

Für das zweite Quartal hat die Staatsregierung große Mengen an Impfstoff angekündigt. „Hoffentlich werden wir mit dieser Aussage nicht wieder enttäuscht. Darauf werde man bestmöglich vorbereitet sein“, versichert Niedermaier.

Niedermaier appelliert: „ Auch wenn es uns allen schwer fällt, müssen wir uns noch einige Wochen in Geduld üben. Das ist nach einem Jahr Dauerkrise schwer verständlich. Aber es ist Licht am Ende des Tunnels. Es gibt Hoffnung. Sobald in wenigen Wochen genug Impfstoff verfügbar ist, werden wir schnell und effektiv große Personenanzahlen impfen.“ Das Ziel des Landkreises sind dann bis zu 1.000 Impfungen pro Tag. dwe

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