Die Fahrt ist „eine Viecherei“

Barrierefreiheit bei Bergbahn: Antrag der Grünen stößt auf Unverständnis

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Barrierefreie Gondeln sind am Brauneck nicht möglich.

Lenggries – Bergbahngondeln scheinen Josef Niedermaier Nerven wie Drahtseile abzuverlangen: Als in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses die Grünen die Erstellung eines Konzepts zum barrierefreien Transport von Rollstuhlfahrern in den Kabinen der Lenggrieser Brauneckbahn gefordert hatten, löste der Antrag beim Landrat Kopfschütteln aus – denn das Unterfangen ist seiner Meinung nach nicht umsetzbar.

Von der Talstation bis zur Gondel fährt es sich ohne Probleme. Und auch in 1.500 Metern Höhe gibt es keine größeren Schwierigkeiten, in das Bergrestaurant zu gelangen. Doch „das Dazwischen“ liege im Argen, geht es nach den Grünen-Kreisräten Barbara Schwendner, Klaus Koch und Mechthild Felsch: Denn die Gondeln der Brauneckbahn in Lenggries seien alles andere als barrierefrei für Rollstuhlfahrer, klagen sie und beantragen Abhilfe.

Die Gondeln sollten daher umgebaut werden, um den Angestellten und den Rollstuhlfahrern den Weg nach oben zu erleichtern. In die Kabinen müsse steht´s das Bergbahnpersonal beim Ein- und Aussteigen helfen, was „eine Viecherei ist“, betont Schwendner. „Es ist für die Rollstuhlfahrer meist zu beschwerlich und birgt Verletzungsgefahr.“

Die Bedingungen, um einen barrierefreien Umbau der Bergbahn voranzutreiben, sind laut Schwendner gut: „Der Landkreis hat Anteile an der Brauneckbahn“, erklärt sie. Bekanntermaßen besitzt der Landkreis drei Prozent an der Bergbahn, zudem ist der Landrat Mitglied im Aufsichtsrat der Bergbahnen. Dennoch ist den Grünen auch bewusst, das Unterfangen ist kein leichtes. In einem Schreiben von der Bergbahn heißt es: „Es gibt Hürden im Bereich der Technik“, berichtet Schwendner. Außerdem müsse die Bergwacht mit einbezogen werden, um eine Bergungssicherung garantieren zu können. Daraus schloss Schwendner: ein Umbau sei zwar schwierig, aber unter Umständen umsetzbar.

Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) sieht das nicht so: Ein Umbau der gut 60 Jahre alten Bahn sei schlichtweg nicht möglich, betonte er. Der spezielle barrierefreie Umbau würde das Gesamtsystem so verändern, dass dafür keine seilbahnaufsichtliche Genehmigung mehr erteilt werden könnte. „Auch ist die Bergungssicherheit im Notfall nicht mehr gegeben.“ Die wiederum nur bei einem kompletten Neubau gewährt werden könne. Und dafür fehlen finanzielle Mittel. Auch betont Niedermaier: „Wir sind nicht entscheidungsfähig“. Die Seilbahnaufsicht sei es, die eine Genehmigung erteilen müsse. „Der Antrag is a Schmarrn“, konstatiert der Landrat. Schließlich wurde der Antrag der Grünen abgelehnt. „Die Bergbahn ist sehr aufgeschlossen für behinderte Menschen“, betonte Niedermaier abschließend. Zu klären sei im Aufsichtsrat jedoch, dass Begleitpersonal von Menschen mit Behinderung kostenfrei die Gondelfahrt antreten dürfen.ra/dwe

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