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Weitere hydrologische Bodenuntersuchungen sind vor Baubeginn nötig

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Baustelle mit blauem LkW und Gerätschaften zur Bodenuntersuchung. Entlang der Straße sind rot-weiße Absperrungen aufgebaut.
Bodenuntersuchungen wurden schon im vergangenen Sommer durchgeführt. Sie seien aber wegen des labilen Untergrundes weiterhin notwendig, was zu einer Verzögerung beim Baubeginn führt. © Karl Bock

Bad Tölz – Im August 2021 hat der Spatenstich zur Nordspange offiziell begonnen. Jetzt wird mit dem Vorhaben erst 2024 begonnen.

Viele Jahre der Planung, Anlieger-Proteste, Klagen und Einwände mussten abgearbeitet werden, ehe mit dem Bau der Tölzer Nordumfahrung, auch Nordspange genannt, im August 2021 durch den Spatenstich offiziell begonnen werden konnte. Der Baustart verschiebt sich nun von 2023 um ein Jahr.

Bei der Nordspange handelt es sich um eine 2,7 Kilometer lange Bundesstraße, die vom Maxlweiher im Tölzer Südwesten über das Gelände der ehemaligen Schrebergärten an der Allgaustraße, vorbei am Unternehmen Sitec und über das ehemalige Flugplatzgelände nach Osten bis zur Einmündung von Greiling führen wird. Zudem wird es zwei größere Kreisverkehre geben.

Eigentlich sollte es heuer mit den Bauarbeiten konkret losgehen, sie verzögern sich aber um ein weiteres Jahr und sollen nun 2024 beginnen, teilt das zuständige Straßenbauamt in Weilheim mit. Der Grund dafür liegt in weiteren notwendigen Bodenuntersuchungen.

Dabei ist man in den vergangenen Monaten, seit dem Spatenstich durch den damaligen Verkehrsminister Andreas Scheuer, nicht untätig gewesen, längst wurde die künftige Trasse für die vom Bund finanzierte Straße gerodet. Zuletzt ist unterhalb des Bergwachtzentrums das schmale Wäldchen verschwunden.

Alles scheint vorbereitet für den Bau der Nordumfahrung von Bad Tölz, dennoch verzögert sich nun der eigentliche Baubeginn. Wie der für die Projekte im Altlandkreis Bad Tölz zuständige Abteilungsleiter Manfred Herda sagt, sei damit erst nach dem kommenden Winter zu rechnen, also im Frühjahr 2024. Da „der Baugrund für die neue Nordumfahrung anspruchsvoller ist, als aus den bisherigen Untersuchungen aus dem Vorentwurf erkennbar war“.

Das Großprojekt wird schon seit gut drei Jahrzehnten geplant, zum Planfeststellungsbeschluss kam es vor knapp vier Jahren. Seit Ende 2020 liegt offiziell Baurecht vor. Während die notwendigen Rodungsarbeiten bis Ende Februar abgeschlossen sein sollen, müsse man sich das ganze Jahr über noch um Altlasten kümmern, teilt das Staatliche Bauamt mit. Problem: der Baugrund sei geologisch und hydrologisch schwierig.bo

Teure Verzögerung

Grashügel an der künftigen Trasse der Tölzer Nordumfahrung - hier im Bereich Lettenholz. Seitlich ist eine Bushaltestelle mit Schild und im Hintergrund ein Wohnblock zu sehen.
Die künftige Trasse der Tölzer Nordumfahrung - hier im Bereich Lettenholz - ist bereits gut erkennbar. Baubeginn wird aber erst im Frühjahr 2024 sein. © Karl Bock

Tölzer Nordumfahrung: „Wir wollen auf Nummer sicher gehen“


Die Ergebnisse aus den zusätzlich erforderlichen Untersuchungen zur Tölzer Nordspange fließen auch in die Ausschreibung für die eigentlichen Bauarbeiten ein, die vermutlich an ein Firmenkonsortium vergeben werden. Außerdem sollen mögliche Auswirkungen von Bauvibrationen auf sensible Gebäude und Anlagen der Firma Sitec Aerospace GmbH untersucht werden.

Dazu werde heuer in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München ein Testfeld eingerichtet, erklärt Manfred Herda vom Staatlichen Bauamt Weilheim: „Hier werden Bauvibrationen simuliert und genauer analysiert werden. Wir wollen auf Nummer sicher gehen.“

Untersuchungen mit speziellen Sondierungen untersuchten die Bodenbeschaffenheit

Baugrunduntersuchungen werden schon seit Jahren durchgeführt. Mit sogenannten Rammkernsondierungen hat man in Erfahrung gebracht, wie stabil das Erdreich an der jeweiligen Stelle ist, welches Material vorkommt und auch, ob Altlasten vorhanden sind. Dies ist eine vergleichsweise einfache Methode: Dabei wird, so Herda, der das Projekt seit Jahren betreut, ein Eisenstab tief in den Boden getrieben, wobei die Anzahl der Schläge zeigt, wie weich oder fest der Untergrund ist.

Der Boden unter den künftigen Fahrbahnen muss stabil aufgefüllt und im Rüttelplattenverfahren verdichtet werden. Ansonsten kann es im Laufe der Jahre zu Setzungen kommen, wie man sie beispielsweise vom Moorgebiet zwischen Kochel und Schlehdorf kennt.

Zwischen der Sachsenkamer Straße und der Allgaustraße wird der Untergrund auch noch auf zivile und militärische Altlasten untersucht. Die US-Armee war bis in die Neunzigerjahre in Tölz stationiert, vor 1945 betrieb die SS dort eine Junkerschule. Aber auch, ob ein Teil des Bodens durch die zivile Nutzung als Standort für Schrebergärten belastet ist und entsorgt werden muss, wird untersucht.

Durch die einjährige Verzögerung dürfte sich das Großprojekt, das bislang mit rund 50 Millionen Euro veranschlagt wurde, erheblich verteuern. Die genauen Zahlen werden aber erst die europaweiten Ausschreibungen ergeben. Karl Bock

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