„Kein juristisches Gremium“

Bauausschuss genehmigt mit knapper Mehrheit gewerbliche Nutzung für Villa Am Bichlerhof

Keine Wohn-, aber eine gewerbliche Nutzung für Büros genehmigte der Tölzer Bauausschuss mehrheitlich für die ehemalige Hoening-Villa Am Bichlerhof (rechts im Bild). Im Hintergrund die Buchberg-Klinik, die momentan erweitert wird.
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Keine Wohn-, aber eine gewerbliche Nutzung für Büros genehmigte der Tölzer Bauausschuss mehrheitlich für die ehemalige Hoening-Villa Am Bichlerhof (rechts im Bild). Im Hintergrund die Buchberg-Klinik, die momentan erweitert wird.

Bad Tölz – In seiner Dezembersitzung befasste sich der Tölzer Bau- und Stadtentwicklungsausschuss zum zweiten Mal innerhalb eines Monats mit einer Nutzungsänderung für eine Villa im Bereich Am Bichlerhof.

Rückblick: Im November 2020 war die beantragte Nutzung der Tölzer Villa zu Wohnzwecken und für ein Büro mehrheitlich vom Bauausschuss abgelehnt worden. In der Folgesitzung ging es darum, die Gewerbenutzung für das aktuell dort untergebrachte Architekturbüro zuzulassen. Dem Antrag wurde mit fünf zu sieben Stimmen stattgegeben, da bereits im Dezember 2009 eine Büronutzung für vertretbar erachtet worden war.

Als „Sondergebiet“ ausgewiesen

Nicht zufrieden mit dem Vorgehen war vor allem Filiz Cetin (SPD), die sich bereits in der vorausgegangenen Sitzung vehement gegen die beantragte Nutzungsänderung ausgesprochen hatte. Ihrer Meinung nach sei die frühere Büronutzung nur im direkten Zusammenhang mit der benachbarten Buchbergklinik zu sehen. Die heute zum Median Konzern gehörende Klinik am westlichen Tölzer Stadtrat wurde in den 1970er-Jahren von der Tölzer Unternehmerin Erika Hoening erbaut. Auf dem großen Areal am westlichen Tölzer Ortsrand wurde auch ein großes Wohnhaus errichtet, das von Hoening bis zu ihrem Tod im Jahr 1998 bewohnt wurde. Inzwischen hat nicht nur die Klinik den Besitzer gewechselt, sondern auch das 14.200 Quadratmeter große Grundstück mit dem Wohngebäude westlich davon.

Rein baurechtlich ist das Areal als „Sondergebiet Klinik einschließlich Wohnungen für Personal und Betriebsinhaber“ ausgewiesen, wie Stadtbaumeister Florian Ernst in den Sitzungen erläuterte. Das Grundstück wurde vor zwei Jahren von einem Münchner Immobilienbüro exklusiv zum Kauf angeboten, der neue Besitzer nutzt das 14 Zimmer umfassende Haus für das in Bad Tölz und Erlangen beheimatete Architekturbüro „denkmalneu Planfabrik GmbH“, das auf seiner Homepage 18 Mitarbeiter ausweist und sich „vorwiegend für denkmalgeschützte Objekte“ einsetzt. “ Bereits 2009 waren Büroräume genehmigt worden, allerdings nur im Zusammenhang mit der benachbarten Klinik.

Filiz Cetin gegen Gewerbegebiet

Cetin betonte, es handle sich bei dem Areal ganz klar um ein Sondergebiet, das man schon aus Gründen der Gleichbehandlung nicht in ein Gewerbegebiet umwandeln könne. René Mühlberger (CSU) sah das anders: Das Thema wurde schon im November umfassend diskutiert und zu erkennen gegeben, dass einer Büronutzung mehrheitlich aufgeschlossen gegenüber gestanden werde. Deutliche Mehrheiten konnte Cetin nicht erkennen, schließlich sei die Abstimmung vor einem Monat mit acht zu fünf Stimmen erfolgt. Zudem sei das Parkplatz-Problem nach wie vor ungeklärt. Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) betonte: „Der Bauausschuss ist kein juristisches Gremium“ , die beantragte Nutzungsänderung werde „vom Landratsamt genehmigt oder auch nicht“.

Cetin legte nach und warf Mehner vor, er habe ihr im Vorfeld der Sitzung keine Akteneinsicht gewährt. Sie sei berufstätig und könne nicht auch noch am Nachmittag ins Rathaus kommen, etwas was Mehner ihrer Meinung nach früher, als er noch in München als Jurist tätig war, ebenfalls bemängelt habe.

In der Abstimmung votierten Mehner, Steigenberger, Bauer (alle CSU), Lindmair, Harrer und Fottner (FWG) für die Änderung, dagegen waren Franz Mayer, Bigos, Gundermann (alle Grüne) sowie Dostthaler (CSU) und Cetin (SPD). Karl Bock

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