Zukunft des Kurviertels

Bauausschuss: Veränderungssperren im Badeteil um ein Jahr verlängert

Veränderungssperren, wie hier in der Kyreinstraße in Bad Tölz, tragen nicht unbedingt zur Bereicherung des Stadtbildes bei.
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Veränderungssperren, wie hier in der Kyreinstraße in Bad Tölz, tragen nicht unbedingt zur Bereicherung des Stadtbildes bei.

Bad Tölz – Zwei Jahre können lang oder kurz sein, um ein umfangreiches Projekt zum Abschluss zu bringen.

Weil der Stadtrat im November 2018 zwei Veränderungssperren für Bereiche im Badeteil erlassen hat, die Voruntersuchungen für das Sanierungsgebiet Badeteil aber auch nach 24 Monaten nicht beendet werden konnten, wurde in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung beschlossen, die Sperren um ein weiteres Jahr zu verlängern.

Die Stadtverwaltung hofft bis Sommer 2021 eine Beschlussfassung über die konkrete Zukunft des Kurgebietes vorlegen zu können. Die Problematik war dem einen Teil der Stadträte am Dienstag bestens bekannt, hat doch vor allem die Veränderungssperre für die Innere Buchener Straße vor knapp zwei Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Bekanntermaßen sollte das dort angesiedelte Sanatorium Sedlmayr zu Wohnungen umgewandelt werden.

Weil aber dieser Bereich des Badeteils Kur- und Tourismus vorbehalten ist und auch Kurdirektorin Brita Hohenreiter auf das florierende Unternehmen nicht verzichten will, machte man die Altersversorgungs-Pläne der Inhaber durch die Veränderungssperre zunichte – das sorgt bis heute für Verärgerung. Ähnliches erfolgte im Bereich der Kyreinstraße, wo von einem Grundeigentümer eine dichte Wohnbebauung ohne Rücksicht auf Nachbarbelange angestrebt wurde.

Beide Bauwerber hatten das Pech, dass sich bei der Stadt just zu dieser Zeit ein Sinneswandel einstellte. Während man zuvor so ziemlich jedem Wohnbauvorhaben zustimmte, erkannte man plötzlich, dass die teuren Eigentumswohnungen zwar einen Gewinn für die Bauträger, nicht aber für die Kurstadt Bad Tölz darstellen.

Das wurde in der Sitzung am Dienstag von Bauamtsleiter Christian Fürstberger vor allem den im März neu gewählten Stadträten erläutert. Zudem verwies er darauf, dass wegen der Großprojekte Hintersberg II („Zwickerwiese“) und neuerdings wegen des Hotelprojektes Wackersberger Höhe einfach keine Zeit gewesen sei, die Voruntersuchung Badeteil mit dem nötigen Nachdruck voran zu treiben. Die soll schließlich eine Beratungsgrundlage für den Stadtrat darstellen, der dann entschieden soll, welche Gebiete im Badeteil für welche Nutzung zugelassen werden sollen. Das Problem: auch andere Bauwerber haben derzeit keine Chance, weil von Seiten der Verwaltung mit Blick auf die laufende Voruntersuchung vieles abgelehnt wird.

Allerdings räumte Fürstberger ein, dass einer „maßvollen Wohnraumerweiterung“ oder einer Hotelvergrößerung nichts entgegenstehe, aber eben einer Umnutzung oder einer massiven Bebauung, die die Nachbarn beeinträchtige. Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) ergänzte: „Eine maximale Verdichtung im Badeteil geht am Bedarf der Stadt vorbei.“ Da konnte sich auch Anton Mayer (CSU) mit seinem Vorschlag, dem Bauwerber in der Kyreinstraße die Möglichkeit zu geben, dringend benötigten Wohnraum schaffen zu lassen, nicht durchsetzen. Fürstberger vermutete, dass dort nach wie vor hochpreisiger Geschosswohnungsbau entstehe. Für die Kommune seien Veränderungssperren der Hebel, um solche „Fehlentwicklungen zu stoppen“, so Mehner. Er vermutete, es gebe nur wenig Tölzer, die über neuen Wohnraum im Badeteil glücklich wären. Auch Ulrich Fottner (FWG) meinte, „ein paar Wohnungen ändern am hohen Mietpreisniveau in Tölz nichts.“

Vorwürfe von Seiten der betroffenen Badeteilbewohner, man habe sie bislang nicht in den Entscheidungsprozess mit eingebunden, konnte Fürstberger durch einen bereits teilweise abgearbeiteten Maßnahmenkatalog entkräften. Man werde aber Anfang 2021 verstärkt an die Sache herangehen, um im Sommer dem Stadtrat einen Rahmenplan vorzulegen. Bis dahin werden die Veränderungssperren noch einmal um maximal zwölf Monate verlängert. Dagegen stimmte nur Julia Dostthaler (CSU), die das lange Verfahren kritisiert hatte. Der Ausschuss-Beschluss muss noch vom gesamten Stadtrat bestätigt werden, ehe er in Kraft treten kann. Karl Bock

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