Das Blechlawinen-Dilemma

Bauausschuss befasst sich mit Vorplanung zum Stadtteil Gries

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Markante Plätze, wie hier der Gockelbrunnen im Gries, sollen künftig von Autos freigehalten werden.

Bad Tölz – Der historische Tölzer Stadtteil Gries – entstanden ab dem 12. und 13. Jahrhundert als Handwerker- und Flößersiedlung – heute ein Denkmalensemble und Bodendenkmal, soll neu gestaltet werden. Im Bauausschuss des Tölzer Stadtrates wurde am Dienstag vergangener Woche die Vorplanung, die das Büro „Lohrer.Hochrein Landschaftsarchitekten“ kürzlich schon interessierten Bürgern im Rathaus vorgestellt hatte, einstimmig abgesegnet. Im Mittelpunkt der Debatte im Ausschuss stand die Frage der Autostellplätze, sollen doch künftig statt 115 nur noch 70 Fahrzeuge der Anwohner dort parken werden (können).

„Vor lauter Blechlawine sieht man keine Fassaden mehr“, sagte eingangs der designierte Stadtbaumeister Florian Ernst. Auch die Sicht auf das Alleinstellungsmerkmal, die historischen Brunnen, sei versperrt. Doch wo sonst sollen Anwohner ihre Fahrzeuge künftig abstellen? Schon bei den öffentlichen Veranstaltungen im Februar, bei denen die Vorplanung präsentiert wurde, kristallisierte sich das als ein Hauptdiskussionspunkt heraus. Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann (FWG), der die Sitzung leitete, war der Meinung, dass die Stadt „in der Pflicht“ sei, den Gries-Anliegern Ersatz-Angebote zu machen. Als Alternative gut geeignet sei der städtische Parkplatz bei den Stadtwerken, langfristig ist auch der Bau eines Parkdecks an der Lenggrieser Straße denkbar.

CSU-Stadtrat Josef Steigenberger, der selbst im Gries wohnt, regte eine Art Versuchsphase an. „Wir könnten einen Monat die Parkplätze im Gries reduzieren. Dann sieht man, wo’s langgeht.“ Das sah allerdings Bauamtsleiter Christian Fürstberger als „enorm aufwendig“. Wiedemann erinnerte daran, dass schon während der Sperrung des Jungmayrplatzes im vergangenen Jahr die Parkmöglichkeiten im Gries stark eingeschränkt waren. Dennoch habe sich alles „selbst reguliert“. Parkplätze vor der Tür zu haben si, so Bauamtsleiter Fürstberger, ein Privileg, das es in anderen Tölzer Quartieren, beispielsweise im Bereich Nockhergasse, nicht gebe. Insofern sei auch ein kleiner Fußmarsch durchaus vertretbar.

René Mühlberger (CSU) freute sich, dass der Plan technische Vorrichtungen für die Abhaltung von Märkten im Gries vorsieht. „Es wird die Stunde kommen, dass Wochen- und Bauernmarkt an ihre alte Stätte zurückkehren“, mutmaßte er.

Auch für Michael Lindmair (FWG) war der „Prozess, die Bürger mit einzubeziehen, genau richtig.“ Er regte an, dass der neue Bodenbelag für die Straßen bald auf einem Teilstück zur Anschauung umgesetzt wird. Rund um die Häuser und Brunnen im Gries soll es künftig 90 Zentimeter breite Streifen von Gredplatten geben, auf denen Bänke oder Blumentröge stehen können. Dis bisherigen Gehsteige, die oft sehr schmal sind oder im nirgendwo enden, sollen beseitigt werden, die Entwässerung erfolgt künftig durch Gullys in der Straßenmitte, damit das Wasser von den Häusern wegläuft. Statt Teer ist Pflaster vorgesehen, die Autostellplätze werden durch Metallnägel markiert. Auch für die derzeit meist wild am Straßenrand abgestellten Mülltonnen soll es eine optisch ansprechende Lösung geben

Margot Kirste (FWG) gab zu bedenken, dass man sensibel vorgehen solle, schließlich wolle man als Besucher einer Stadt „das Original und nicht eine Schönheitsmaske erleben“. Deswegen sei es wichtig, die Anwohner eng einzubinden. Die Umsetzung des Konzepts soll Ende 2020 beginnen und drei Jahre dauern. Die erforderlichen Finanzmittel (über deren Höhe in der Sitzung noch keine Rede war), sollen im Haushalt 2019 bereit gestellt werden. bo

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