„Ärger lässt sich verhindern“

Bauausschuss: Bürgermeister Mehner mahnt Bauwerber zu besserer Kommunikation

+
Wenn der Altbestand abgebrochen ist, soll hier am Von-Ketteler-Ring ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage errichtet werden. Das Vorhaben wurde jetzt vom Stadtrat bereits zum 3. Mal abgelehnt.

Bad Tölz – Ob alter oder neuer Stadtrat, Corona-Krise oder nicht, Anträge für Bauvorhaben im Stadtgebiet gehen ständig ein. Aufgrund der aktuellen Rechtslage müssen sie zeitnah bearbeitet und beschieden werden. Nicht immer jedoch stoßen dabei die Bauwerber auf offene Ohren im Tölzer Rathaus. Der neue Bürgermeister Ingo Mehner nahm seine erste Bauabschuss-Sitzung am Dienstag zum Anlass, sich zu grundsätzlichen Punkten zu äußern.

„Der Bauausschuss beurteilt bei Bauvorhaben im Innenbereich im Wesentlichen, ob sich ein Bauvorhaben gemäß Paragraph 34 BauGB nach Art und Maß der baulichen Nutzung in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt“, sagte Bürgermeister Mehner. Letztendlich entschiedet die Baubehörde beim Landratsamt, ob gebaut werden darf oder nicht, wobei die Stadt oder die jeweilige Gemeinde schon das eine oder andere Mal überstimmt wird, was nicht selten zu Ärger führt.

Mancher Ärger ließe sich aber schon im Vorfeld vermeiden, wenn sich die Bauwerber zunächst mit dem Bauamt absprechen würden. So hatte sich der Ausschuss jetzt zum 3. Mal mit einem Vorhaben am Von-Ketteler-Ring in Bad Tölz zu befassen.

Bereits im Januar war ein Vorbescheidsantrag für zwölf Wohneinheiten eingereicht worden. Er wurde abgelehnt, weil das Vorhaben den Räten als viel zu massiv erschien und als „Riesenungetüm“ bezeichnet wurde. Im März lag ein Plan vor, dort vier Reihenhäuser zu errichten, der ebenfalls keinen Gefallen finden konnte, weil weder die notwendigen Fahrzeugstellplätze untergebracht werden konnten, noch die dortigen Baulinien eingehalten wurden. Die einstimmige Ablehnung war nicht die letzte. In der jüngsten Sitzung lag nun erneut der Antrag der Solid Hausbau GmbH aus Grünwald zur Errichtung eines Mehrfamilienhauses mit Tiefgarage und oberirdischen Stellplätze vor. Im dortigen Gebiet gibt es vor allem schmale Einfamilienhäuser auf verhältnismäßig großen Grundstücken, die meist als Doppelhäuser angelegt sind. Das Vorhaben mit 13 Meter Breite und einem nur mäßig geneigten Dach füge sich, so Stadtbaumeister Florian Ernst und Bauamtsleiter Christian Fürstberger unisono, nicht in die vorhandene kleinteilige Bebauung ein. Außerdem würden Kinderspielplatz- und Stellplatzsatzung der Stadt nicht eingehalten. Vorstellbar ist nach Aussage der Fachleute maximal „eine Bebauung mit einem Einfamilienhaus oder bei geschickter Planung auch einem Doppelhaus.“

Damit dürfte der Bauwerber, der das Grundstück nach einem Todesfall erworben hat, kaum zufrieden sein. Franz Mayer (Grüne) regte denn auch an, die Ablehnung durch die Stadt „gut zu begründen“, schließlich sei ein Rechtsstreit zu vermuten. Dem sah Bürgermeister Ingo Mehner durchaus gelassen entgegen, da sich seiner Erfahrung nach die Richter am Verwaltungsgericht bei ihrem Urteil meist an der umliegenden Bebauung orientieren würden.

In der letzten Sitzung der alten Amtsperiode wurden ausserdem noch zwei Werbeanlagen für ein Fitness-Studio im Durchgang zwischen Marktstraße und Nockhergasse und einen „nur einen Steinwurf entfernten“ Gasthof abgelehnt, die nicht den strengen Richtlinien der entsprechenden städtischen Satzung entsprechen. Auch hier wunderten sich Stadtbaumeister Ernst und der damalige Bürgermeister Josef Janker, dass die jeweiligen Antragsteller „nicht das Angebot unserer Beratung in Anspruch nehmen.“ bo

Auch interessant

Kommentare