Das Kogelprojekt wirft viele Fragen auf

Bauausschuss: Grünes Licht für Wohnanlage in Tölz

Am Kogelweg in Bad Tölz
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Noch eine grüne Wiese mit Stadtblick. Am Kogelweg sollen Häuser entstehen.

Bad Tölz – Der Tölzer Bauausschuss beschäftigte sich jüngst mit den Antrag für drei Doppelhäuser am Kogel.

Die Probleme sind vielfältig: zum einen handelt es sich beim Kogelweg um eine Sackgasse, zum anderen sollen die Häuser mit Tiefgarage in den Hang gebaut werden und drittens kommt es wegen der dortigen Dialysepraxis fast täglich zu Verkehrs­problemen.

Die schilderte Grünen-Stadtrat und Taxifahrer Johannes Gundermann: „Schon jetzt ist dort die Verkehrssituation unerträglich. Die zahlreichen Patienten werden dort täglich mit dem Pkw hingebracht und wieder abgeholt.“ Zudem würden sich An- und Abfahrtsprobleme durch Taxen, Privatwagen und Rot-Kreuz-Fahrzeuge verschärfen, wenn am Wendeplatz geparkt werde oder im Winter dort Schnee liege. Gar nicht vorstellen konnte sich Gundermann die Bauphase, wenn noch Lkw dazu kommen würden.

„Baustellen sind immer eine Belastung“, entgegnete Bürgermeister Ingo Mehner (CSU). Und Bauamtsleiter Christian Fürstberger betonte, dass nach Fertigstellung der zehn Mietwohnungen lediglich mit 50 Fahrzeugbewegungen mehr pro Tag zu rechnen sei.

Zu wenige Stellplätze

Bereits vor zwei Jahren hatte es im Stadtrat eine rege Diskussion um den Standort der Dialysepraxis gegeben. Damals hatte der Zweite Bürgermeister, Andreas Wiedemann (FWG), vehement eine Standortveränderung gefordert. Das Problem: die medizinische Einrichtung, deren Bedeutung für die Patienten niemand in Frage stellt, befindet sich in einem Gebäude, das eigentlich für Ferienwohnungen gedacht war und verfügt nicht über ausreichen Stellplätze oder Wendemöglichkeiten.

Dennoch wird es von der Bauaufsichtsbehörde beim Landratsamt seit Jahren geduldet. Und pikanterweise sprechen sich die Betreiber, die auch eine kardiologische Praxis anbieten, gegen den Bau der neuen Häuser aus. „Durch die weitere Bauverdichtung werden wir in unserem täglichen Betrieb beeinträchtigt“, so deren Stellungnahme zum Bebauungsplan.

Doris Bigos (Grüne) brachte eine Rundmail (der Verfasser ist der Stadt bekannt) an alle Räte zur Sprache. Darin wird ihnen in Sachen Baugenehmigung für die Stadt Bad Tölz vielfach tätigen Lenggrieser Bauunternehmer Kilian Willibald Käuflichkeit unterstellt. Dagegen verwahrte sie sich unter dem Beifall der Kollegen aufs deutlichste. Willi Streicher (SPD) sprach sich dafür aus, solchen Angriffen nicht auch noch ein öffentliches Sprachrohr zu geben. Warum Willibald mit seinen 90 Mitarbeitern fast alle öffentlichen Tölzer Tiefbauaufträge erhält, erklärte Bauamtsleiter Christian Fürstberger: „Er ist meistens der Günstigste und wir sind als Kommune verpflichtet, den preisgünstigsten Anbieter zu nehmen.“

Kilian Willibald, Tief- und Landschaftsbauer aus Lenggries, möchte seit vier Jahren auf dem von ihm gekauften landwirtschaftlichen Grundstück Wohnungen für seine Mitarbeiter baue. Ein Vorhaben, das von der Stadt und von Bürgermeister Ingo Mehner begrüßt wird. Damit dort keine Eigentumswohnungen entstehen können, wurde mit ihm ein Städtebaulichen Vertrag entworfen.

Er schreibt dem Bauwerber unter anderem eine ortsübliche Miete, ein Auskunftsrecht für die Stadt, das Verbot der Umwandlung in Eigentumswohnungen und ein Vorkaufsrecht für die Kommune für 20 Jahre vor. Der Kontrakt wurde mit der neu gegründeten „KV Willibald GbR“ geschlossen, die von Veronika Willibald, der Tochter der Firmenchefs, geführt wird.

Gegen den Bebauungsplan Kogelweg stimmten Martin Harrer und Ulrich Fottner (FWG), Richard Hoch, Gundermann und Doris Bigos (Grüne). Die Mehrheit (Ingo Mehner, René Mühlberger, Sepp Steigenberger, Karsten Bauer, Matthias Winter, Julia Dostthaler (alle CSU), Michael Lindmair (FWG) und Willi Streicher (SPD) stimmten dafür. Die finale Entscheidung wird der Stadtrat im Juli treffen.

Karl Bock

In einer anderen Sitzung beschloss der Tölzer Stadtrat die Bearbeitung und öffentliche Auslegung des Bebauungsplan Isarleitenweg.

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