Gegen „Mexiko-Grenzmauer“

Bauausschuss und CSU lehnen Überschreitung der Baugrenzen am Parkhaus ab

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Am Hatzplatz soll ein Parkhaus für 156 Fahrzeuge entstehen.

Wolfratshausen – Vor zwei Jahren fasste der Stadtrat den Beschluss, am Hatzplatz ein Parkhaus zu errichten. Die Ausmaße des etwa zehn Meter hohen Gebäudes erschienen dem Bauausschuss nun jedoch zu hoch. Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) wurde beauftragt, ein Gespräch mit dem Investor zu führen.

Das am Loisachufer gelegene Gelände hat die Stadt an den Tölzer Bauunternehmer Siegfried Adlwarth verpachtet. Die von ihm geleitete Parkhaus Wolfratshausen (PaWo) GmbH möchte dort 156 Stellplätze schaffen. Die nun vorgelegten Planungsentwürfe missfielen jedoch den Mitgliedern des Bauausschusses.

Stadt will keinenTschernobyl-Sarkophag

Günther Eibl verglich den Baukörper mit dem „Sarkophag von Tschernobyl“. Dr. Hans Schmid (Bündnis 90/Grüne) gab zu bedenken, dass „ein solches Parkhaus in Zeiten des Klimawandels wie aus der Zeit gefallen erscheint“. Fritz Schnaller (SPD) ging es da nicht anders. „Das, was der Trump an der Grenze zu Mexiko haben will, hätten wir dann hier in Wolfratshausen“, befürchtet der zweite Bürgermeister. Josef Praller (Bürgervereinigung Wolfratshausen) plädierte für eine Abstufung der Höhenentwicklung des Gebäudes. Vor der Beschlussfassung verwiesen Bürgermeister Klaus Heilinglechner und Bauamtsleiterin Susanne Leonhard darauf, dass der Bebauungsplan rechtsgültig sei und das Landratsamt ein nicht erteiltes Einvernehmen ersetzen könne. „Bei einer Ablehnung des Bauantrags machen wir uns schadensersatzpflichtig“, warnte Heilinglechner.

Dennoch stimmte der Bauausschuss dem Antrag wegen drei Überschreitungen von Baugrenzen bei der geplanten Einfahrt und bei den Wandhöhen im Osten und im Westen nicht zu. Klaus Heilinglechner soll nun mit dem Investor ein Gespräch führen, um einen Kompromiss zu erreichen.

Ob dies gelingen wird, stellte die CSU einen Tag später im Rahmen der Diskussionsreihe „Red mit“ im Wirtshaus Flößerei zumindest infrage. „Das Baurecht sticht: Wir sind dem Wohlwollen des Investors ausgeliefert“, befürchtet CSU-Fraktionssprecher Günther Eibl. Auch Stadtratskollegin Claudia Drexl-Weile zeigte sich enttäuscht. „Ich hatte nicht mit so einem Klotz gerechnet und bin ein bisschen geschockt“, sagte sie.

Brandbrief der Feuerwehr ohne Wirkung

Stammtischgast Heinz Wensauer bedauerte, dass der Brandbrief der Feuerwehr nicht ernst genommen wurde. Kommandant Andreas Spohn hatte schon vor einigen Wochen in einer schriftlichen Stellungnahme die Verschlechterung der Zufahrtsmöglichkeiten angeprangert. Der im Bauausschuss von Richard Kugler (parteifrei für die CSU) geäußerte Vorschlag, den Baukörper um circa fünf Meter nach Osten in Richtung Loisach über die Barbezieuxstraße zu verschieben, wurde jedoch verworfen.

Der ehemalige CSU-Stadtrat Paul Brauner regte an, den Beschluss des Bauausschusses noch einmal in einer Stadtratssitzung prüfen zu lassen. Eibl hält dies für wenig aussichtsreich. „Wir haben keine Mehrheit“, stellte der Bürgermeisterkandidat fest. Heinz Wensauer regte daraufhin an, ein Bürgerbegehren zu initiieren. Kulturreferent Alfred Fraas riet davon ab. „Scheitert das Projekt, kommen hohe Schadensersatzforderungen auf die Stadt zu“, gab er zu bedenken. Peter Herrmann

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