Trauerfeier für gefällte Linden

30 Baumfreunde protestieren gegen Kahlschlag vor dem Edeka-Markt

+
Wollen die Fällung nicht hinnehmen: Thomas Martin (von links), Beatrice Wagner, Sängerin Mia Cerno, Wolfgang Ramadan und Franz Breit.

Wolfratshausen – Der Wolfratshauser Thomas Martin hat eine Trauerfeier als Protest gegen die offenbar eigenmächtige Fällung zweier uralter Linden organisiert. Am Samstag kamen rund 30 „Trauergäste“, gut die Hälfte davon in formelles Schwarz gekleidet, zum Edeka-Markt in der Sauerlacher Straße.

Vor dem frisch sanierten und aufgestockten Gebäude standen bis vor kurzem zwei hochgewachsene Linden, deren Alter auf mindestens 130 Jahre geschätzt wird. Am 9. Mai ließ sie der Eigentümer fällen und führte dazu den Brandschutz ins Feld. Stadt und Landratsamt hatten von dem Kahlschlag allerdings nur erfahren, weil aufgebrachte Anwohner darauf hinwiesen. Überhaupt gibt es vieles, was die Baumfreunde an der Sache auf die Palme bringt. Vor allem, dass die Fällung grundsätzlich in Ordnung geht, weil die Baumveteranen nämlich nicht im Bebauungsplan eingezeichnet waren. Der Eigentümer hätte wegen dem Brutschutz nur nicht im Zeitraum zwischen Mai und September zur Kreissäge greifen dürfen.

Zum Gedenken nagelte Thomas Martin ein Holzkreuz an die Stelle, wo die beiden Bäume gestanden hatten. Die Trauerfeier sei die Reaktion auf die unbefriedigenden Antworten der Behörden, so Martin. „Die Fällung nachhinein mit dem Brandschutz erklären zu wollen, ist für mich nicht glaubhaft.“ Weitere Trauerredner waren Franz Breit vom Landesbund für Vogelschutz, der auf die Bedeutung der Linden, die bis zu tausend Jahre alt werden können, für die Umwelt hinwies, sowie Beatrice Wagner vom Ickinger Bund Naturschutz, die den Verantwortlichen rücksichtsloses Vorgehen vorwarf. Der Ickinger Künstler Wolfgang Ramadan wurde so richtig scharf: „Die Linden haben zwei Weltkriege überlebt, aber nicht die Dummheit der Wolfratshauser.“

Grünen-Stadtrat Hans Schmidt bekannte sich zu den Versäumnissen der Stadt. „Das ist uns durch die Lappen gegangen.“ Für ihn ist der Fall klar: der Hauseigentümer hat die Bäume umschneiden lassen, weil sie der Aussicht aus den neuen Gauben im Weg waren. Der Brandschutz ist für ihn nur eine faule Ausrede. „Man hätte die Bäume nur ausschneiden müssen, damit die Feuerwehr anleitern kann.“ Zum Abschluss machten sich die Anwesenden zu einem Trauermarsch auf, darunter auch SPD-Stadtrat Manfred Menke und einige Kinder der Baumpflanzinitiative „Plant for the Planet“. ha

Auch interessant

Meistgelesen

Amtsgericht: 61-jähriger Anwohner behindert Räumarbeiten
Amtsgericht: 61-jähriger Anwohner behindert Räumarbeiten
Trotz Regenwetter: Viele Schaulustige bei Tölzer Truckertreffen am Moraltpark
Trotz Regenwetter: Viele Schaulustige bei Tölzer Truckertreffen am Moraltpark
Staatsminister Bernd Sibler zeigt sich beeindruckt vom Erinnerungsort
Staatsminister Bernd Sibler zeigt sich beeindruckt vom Erinnerungsort
Neuaufstellung Nahverkehrsplan: erste Zwischenbilanz im Umweltausschuss
Neuaufstellung Nahverkehrsplan: erste Zwischenbilanz im Umweltausschuss

Kommentare