Siebenbürger feiern Kronenfest

Baumkletterer, Tänzer und Musikgruppen sorgen für Hochstimmung

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Sebastian Bachner erklimmte in wenigen Sekunden die Baumkrone.

Geretsried – Zum zehnten Mal feierte die Kreisgruppe der Siebenbürger Sachsen das Kronenfest. Der aus der in Rumänien liegenden Provinz überlieferte Brauch wurde mit einem Gottesdienst, Tänzen sowie dem Erklimmen einer aus Blättern, Efeu und Blumen angefertigten Krone erneut abwechslungsreich gestaltet.

Zum elfstündigen Festakt, der schon mittags mit einem von dem evangelischen Pfarrer Theo Heckel geleiteten Gottesdienst begann, kam neben Bürgermeister Michael Müller auch der Geltinger Stadtrat Franz Wirtensohn. „Ich habe gerne das Laub für die Krone gestiftet“, erklärte der Landwirt seinen Beitrag. Gespannt verfolgten die Besucher, wie Sebastian Bachner den Sicherungsgurt anlegte und innerhalb weniger Sekunden auf einen etwa dreizehn Meter hohen Baumstamm kletterte. Dort setzte er sich auf eine aus Blättern, Efeu und Blumen angefertigte Krone und wirft den unten wartenden Kindern Süßigkeiten zu. „Ich bin schon zum vierten Mal auf den Baum gestiegen – deshalb war ich auch nicht nervös“, verriet Bachner. Bereits als 15-Jähriger wurde ihm diese Ehre zuteil. „Damals war ich etwas aufgeregter und habe davor mehrmals geübt“, gesteht das Mitglied der Jugendtanzgruppe. Im Gegensatz zu anderen Brauchtumsgruppen scheinen die Siebenbürger Sachsen kaum Nachwuchsprobleme zu haben.

Am Samstag tanzten auch viele Mädchen und Buben im Kindergartenalter unter der Krone. Gekleidet waren sie in den traditionellen Trachten der Siebenbürger. „Der Zusammenhalt ist groß: Ich will dazu beitragen, diese Tradition zu bewahren“, erklärte Bachner. Den Dialekt der Siebenbürger spricht er zwar nicht mehr. „Aber ich kann noch alles verstehen“, versichert der Baumkletterer. Dass er vor dem Erklimmen der Krone einen Gurt anlegen musste, nahm Bachner hin: „Das ist hier so vorgeschrieben, in Rumänien wird auf diese Vorschrift aber oft verzichtet“.

Erstmals besuchten Wolfratshausens Zweiter Bürgermeister Fritz Schnaller und seine Gattin das Kronenfest. „Meine Frau Ingrid ist eine aus Siebenbürgen“, verriet er seinen besonderen Bezug. Herta Daniel, Bundesvorsitzende der Siebenbürger Sachsen, und Kreisgruppenvorsitzende Ursula Meyndt erklärten ihm und den anderen Besuchern, daraufhin die Bedeutung des Kronenfests. Demnach wird es in vielen Orten schon am 29. Juni – dem Namenstag von Peter und Paul – gefeiert. Die auf dem Baumstamm befestigte Krone gilt als das Sinnbild des Sommers, symbolisiert aber auch die Einheit von Glauben, Kirche und Volk. „Geretsried ist ein Hort der Tradition: Es ist wichtig, dieses kulturelle Erbe zu bewahren“, befand Bürgermeister Michael Müller.

Dazu gehörte für die Besucher auch der Genuss von kulinarischen Spezialitäten wie Baumstriezel oder der an Cevapcici erinnernden Mici, die auch bei der zehnten Auflage des Kronenfestes reißenden Absatz fanden. Musikalische Einlagen des Chors der Kreisgruppe, der Reservisten Blasmusik und der Power Sachsen sorgten dann bis in die Nacht hinein für Hochstimmung auf der Böhmwiese.

Peter Herrmann

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