„Stadtbild prägende Ecke“

Bauprojekt Mehrgenerationenhaus: Ausschuss bespricht Vor- und Nachteile

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Der Neubau im Umgriff um das Alte Krankenhaus soll eine 3,50 Meter hohe Lärmschutzwand erhalten.

Wolfratshausen – Soll das geplante Mehrgenerationenhaus an der Sauerlacher Straße 15 eine Lärmschutzmauer bekommen oder nicht? Und wenn ja, wie hoch soll sie werden? Nicht zum ersten Mal diskutierten Wolfratshausens Stadträte Pro und Contra zu dieser Frage im Bauausschuss. Am Ende siegte ein Kompromiss.

Der geplante genossenschaftliche Neubau „Gemeinsam Wohnen Wolfratshausen“ im Umfeld des alten Krankenhauses liegt an der dicht befahrenen Sauerlacher Straße nahe der Abzweigung Am Floßkanal. Während der Bau des Mehrgenerationenhaus mit seinen 22 Wohneinheiten – auch in der Bauausführung – generell begrüßt wird, scheiden sich vor allem an der geplanten 3,85 Meter hohen Mauer, die im Innenbereich des Anwesens mit Sitznischen ausgestattet werden soll, die Geister. Zu massiv, zu hoch, zu wuchtig, lautete am Mittwochabend mehrheitlich die Kritik, die CSU-Stadträte im Ausschuss lehnten das Vorhaben sogar insgesamt ab. Nicht, weil die Stadt nicht dringend ein derartiges Projekt mit sozialem Wohnraum gut vertragen könnte. Sondern weil sie das „Bauvorhaben als viel zu überzogen und massiv“, so Richard Kugler, erachtet. „Wir schaffen uns hier einen Präzedenzfall“, ergänzte Claudia Drexl-Weile. Dagegen hatte Fritz Schnaller (SPD) seine Bauchschmerzen nur mit der Mauerhöhe: „Das ist eine besondere Situation, das Bauvorhaben steht der Stadt gut an, ich würde auch über meinen eigenen Schatten springen, nur nicht über eine Mauer mit 3,85 Meter Höhe.“ Und seine Fraktionskollegin Gerlinde Berchtold befand, es sei nicht schön, „zwischen hohen Mauern durchgehen zu müssen“.

Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt monierte zwar die „Uraltbebauungspläne“, die nicht mehr zeitgemäß seien – der gültige Bebauungsplan ist von 1983 -, doch für ihn überwog das Projekt: „Wir brauchen Sozialwohnungen in Wolfratshausen“, betonte Schmidt. „Es gibt keinen Grund, diese Mauer abzulehnen“, sagte Dr. Ulrike Krischke (BVW). Sie lebe selbst an einer hoch-frequentierten Kreuzung mit einer 3,50 Meter hohen Mauer, „ich kann ihnen sagen, wir sind froh, dass wir diese haben“. Man dürfe nicht eine Lärmschutzmauer ablehnen, „nur weil sie unserem Auge nicht gefällt“, legte Krischke nach. Für den Betrachter, der diesen Abschnitt passiere - „klimatisiert im eigenen Pkw“ -, seien es nur wenige Sekunden, in denen er die Mauer sehen müsse. Für die Menschen, die dahinter wohnen, sei die Mauer ein Stück Lebensqualität.

Als eine „Stadtbild prägende Ecke“ bezeichnete Josef Praller (BVW) diesen Bereich der Sauerlacher Straße. „Wir sollten unser Stadtbild nicht aus dem Auto heraus planen. Und Bürgermeister Klaus Heilinglechner befand, „über die Mauer kann streiten, der Architekt wird sich mit den 3,85 Meter schon etwas dabei gedacht haben“. Zum Wohnen in der Stadt gehöre auch Lebensqualität, sorgte sich Heilinglechner um die Ruhe in der Wohnanlage.

Bevor sich Bechtold und Schnaller mit ihrer Kompromiss-Formel von 3,50 Meter Höhe durchsetzen konnten, gab es zuvor mit 5:5 Stimmen keine Mehrheit für die geplanten 3,85 Meter. Nicht folgen konnten die CSU-Stadträte Claudia Drexl-Weile, Richard Kugler und Günther Eibl, denen das Vorhaben insgesamt zu massiv ist. Ebenfalls verweigerten die drei ihre Zustimmung der Überschreitung der Baugrenzen, der Aufstockung um ein Geschoss sowie festgesetzte Dachneigung auf 17 Grad. po

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