Brennpunkt Badeteil Bad Tölz

Bauschuss stimmt gegen Neubauprojekte auf dem alten Alpamare-Gelände und Kurheim Grimm

Auf dem ehemaligen Alpamare-Gelände an der Schützenstraße sollen zwei Wohnblöcke errichtet werden.
+
Realisierbar? Auf dem ehemaligen Alpamare-Gelände an der Schützenstraße sollen zwei Wohnblöcke errichtet werden. Der städtische Bauausschuss stimmte dagegen.

Bad Tölz – Bauarbeiten im Tölzer Badeteil dürften in naher Zukunft weitergehen. Zwar hat im Stadtrat inzwischen ein Umdenken darüber stattgefunden und Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) ist ein Gegner von weiteren Eigentumswohnungen, die seiner Meinung nach „der Stadt nichts bringen“.

Doch weitere Neubauten durch Bauträger zu verhindern, ist nicht einfach. Dies zeigte sich in der jüngsten Sitzung des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses.

Sowohl mit dem Neubau von zwei Mehrfamilienhäusern auf dem früheren Alpamare-Gelände und drei Ferienwohnungen im ehemaligen Kurheim Grimm am Bergweg konnten sich die Stadträte nicht anfreunden – entscheidend wird sein, wie die Baubehörde im Landratsamt darüber denkt.

Bei der Vorstellung des Bauantrages für 25 Wohneinheiten und einer Tiefgarage mit 32 Stellplätzen an der Schützenstraße durch Stadtbaumeister Florian Ernst hielt sich Tölz Bürgermeister nicht zurück: „Dies ist ein unerfreulicher Tagesordnungspunkt“, und zwar deshalb weil das Vorhaben im jetzigen „Sondergebiet Badeteil“ nicht zulässig wäre. Die für die nächsten Monate angekündigte Voruntersuchung für das früher touristisch genutzte Areal umfasst zwar auch den ehemaligen Alpamare-Bereich, da das Vorhaben aber bereits seit 2017 läuft, kommt eine Veränderungssperre hier nicht zur Anwendung. Bekanntlich hat der Stadtrat unlängst für zwei Bereiche im Badeteil (Buchener Straße und Kyreinstraße) die dort erlassenen Veränderungssperren verlängert, um Bautätigkeit zu unterbinden. In dem Fall wurden die Vorbescheidsanträge für das Bauvorhaben im Alpamare-Bereich zwar dreimal von städtischer Seite abgelehnt, das „Einvernehmen aber zweimal vom Landratsamt ersetzt“, wie der Stadtbaumeister ausführte.

Das ehemalige Grundstück der Jodquellen AG wurde verkauft und der ungenannt bleibende Bauwerber möchte auf der früheren Liegewiese südlich der früheren, inzwischen stillgelegten Freibecken zwei Häuser mit insgesamt 25 Wohnungen bauen. Schon mit der Gestaltung durch ein Münchner Architekturbüro konnte sich der Stadtbaumeister nicht anfreunden, so sind etwa nicht die im Voralpenland üblichen Vordächer vorgesehen.

Auch die notwendigen Kinderspielplätze sind laut Ernst nicht richtig platziert, zudem sind die acht oberirdischen Fahrzeugstellplätze nicht lang genug (gefordert sind fünf Meter). Auch sind im Plan nicht alle 50 der laut Städtischer Satzung geforderten Fahrradabstellplätze vorhanden. Die Verwaltung stimmte den Neubau einstimmig nicht zu.

Zuvor hatte Josef Steigenberger (CSU) bemängelt, dass das Vorhaben zwar „juristisch einwandfrei“ sein möge, aber auch hier keine Absprache mit dem Vorbesitzer (Dr. Anton Hoefter von der Jod AG) erfolgt sei. Johannes Gundermann (Grüne) betonte: „Das ist keine Entwicklung, die wir wollen.“ Er gab zu bedenken, dass es für die betroffenen Bürger im Badeteil schwierig zu verstehen sei, wenn die einen wegen der von der Stadt verhängten Veränderungssperre nicht bauen dürften, die anderen aber schon. Mehner sah noch eine Hoffnung im Verhalten der Baufachleute im Landratsamt: „Mal sehen, wie die entscheiden.“

Auf die dortigen Juristen hofft man auch bei einem weiteren Bauvorhaben in unmittelbarer Nähe. Am Bergweg 6 soll das ehemalige denkmalgeschützte Kurheim Grimm „Villa am Park“ in drei Ferienwohnungen umgebaut werden. Der Stadtbaumeister bemängelte dabei eine „vollständige Versiegelung des Grundstücks“, außerdem sind Wohnungen mit bis zu 154 Quadratmeter vorgesehen. Da im Plan zudem Ankleide- und Kellerräume vorgesehen sind, müsse man vor einer Wohn- und nicht einer touristisch gewollten Ferienwohnungsnutzung ausgehen. Weil es zudem auch Mängel bei der Stellplatzgestaltung gibt, wurde aus dieser Antrag einstimmig abgelehnt.

Auf die Frage von Gundermann nach den Einflussmöglichkeiten des Landratsamtes meinte Bauamtschef Christian Fürstberger: „Die dortige Bauaufsicht wurde in letzter Zeit verstärkt. Das ist kein zahnloser Tiger.“ Er wies darauf hin, dass alle Entscheidungen zu Bauanträgen seit der neuen Stadtratsperiode, die im Mai 2020 begonnen hat, auf der Homepage der Stadt einsehbar seien. „Der Bürger kann sich also im Gegensatz zu früheren Zeiten informieren, wie im Gremium jeweils entschieden wurde.“ Karl Bock

Auch interessant

Kommentare