Baustellen-Spaziergang: Bauamtsleiter gibt Einblicke ins noch unfertige Rathaus

Unter Zeitdruck

+
Bauamtsleiter Christian Fürstberger (unten r.) stellte bei einer Baustellenführung den Baufortschritt am Tölzer Rathaus vor. Dabei präsentierte er auch stolz das zukünftige Herzstück des Rathauses: Den neuen Sitzungssaal (Panoramafoto oben). Dieser wurde als neues Geschoss auf den Zwischenbau aufgesetzt.

Bad Tölz – Geht es nach dem Tölzer Bürgermeister Josef janker, soll die diesjährige Weihnachtssitzung des Stadtrates bereits im neuen Sitzungssaal des Rathauses stattfinden. Bauamtsleiter Christian Fürstberger führt über die Baustelle.

„Früher haben die Lampen vorne am Empfang geflackert, wenn jemand hinten im Standesamt den Drucker benutzt hat.“ Dies gehört nun der Vergangenheit an. Denn die maroden Stromleitungen wurden komplett ausgetauscht. Dies ist aber nicht die einzige Überraschung gewesen, die die alten Gemäuer des Rathaus bereit gehalten haben. Kein Wunder also, dass der Aus- und Umbau des Rathauses im Zeitplan gut sieben Monate hinterherhinkt. Doch zeigt sich Bürgermeister Josef Janker zuversichtlich, dass die Weihnachtssitzung des Tölzer Stadtrates bereits 2016 im neu aufgestockten Dachgeschoss mit 360-Grad-Blick über die Dächer der Isar-Metropole stattfinden kann. Eine sportliche Erwartungshaltung, wie ein Spaziergang über die Baustelle mit Bauamtsleiter Christian Fürstberger zeigt.

Eine aus Versehen durch die Arbeiter durchtrennte Gasleitung – da sie nicht dort lag, wo sie in den alten Bauskizzen eingezeichnet war – diverse in Vergessenheit geratene Tanks in den Mauern oder eine viel zu dünne Decke. Das sind nur einzelne bauliche Herausforderungen, mit denen Fürstberger seit Baubeginn im März 2015 konfrontiert wurde. Alles unliebsame Begebenheiten, die gelöst werden konnten. Jedoch aber auch Mehrkosten verursacht haben. Von den ursprünglich angesetzten 7,2 Millionen Euro sei man nun laut Fürstberger bei 8,5 Millionen Euro gelandet. Dies liege aber nicht nur an den baulichen Überraschungen, sondern auch daran, dass „der Mittelbau ursprünglich in seiner Ausrichtung gedreht und nach Norden hin ausgekrakt werden sollte, um Platz für einen neuen Sitzungssaal zu schaffen“, so der Bauamtsleiter. Dies sei aber aufgrund von Bedenken hinsichtlich des Denkmalschutzes verworfen worden. Denn so wäre die Sichtachse zur Stadtpfarrkirche eingeschränkt gewesen. Deswegen hieß es: „Zurück auf Los.“ Zusammen mit dem Architekturbüro „manuplan“ entstand dann die Idee den Zwischenbau aufzustocken und dort in einem aufgesetzten Dachgeschoss den neuen größeren Sitzungssaal unterzubringen. Besonders knifflig gestalteten sich bei dem neuen Konzept laut Fürstberger die unterschiedlichen Höhen der einzelnen Ebenen von Alt- und Neubau des Rathauses. Diese sollen nun durch einen Aufzug im Mittelbau kompensiert werden: der Lift wird auf den einzelnen Zwischenetagen stoppen und beidseitig jeweils seine Türen je nach Bedarf öffnen. Zudem ist ein zweiter Aufzug auf der Rückseite des Neubaus geplant, mit dem man zügig bis in den neuen Sitzungssaal gelangen kann. Der Sitzungssaal umfasst dann rund 200 Quadratmeter – ausgestattet mit einer markanten Dachbalkenstruktur. Zudem verfügt der Saal über zwei große verglaste Fensterfassaden, durch die sowohl der Blick auf die gesamte Tölzer Altstadt als auch auf den Blomberg und die Voralpenlandschaft genossen werden kann. „Auch wenn sich die Stadträte natürlich auf das politische Geschehen im Saal konzentrieren sollen und nicht auf den Ausblick“, stellt Fürstberger klar. Aber die neue Tagungsstätte der Stadträte hat neben dem Panaroma-Ausblick noch ein weiteres Schmankerl zu bieten, auf das der Bauamtsleiter stolz ist: Eine Dachterrasse. Diese soll aber nicht nur den Rathausmitarbeitern und den Kommunalpolitikern bei Sitzungspausen zugute kommen, sondern hier sollen auch standesamtliche Trauungen möglich sein – über den Dächern von Tölz. Aber neben dem neuen Sitzungssaal und den zwei Fahrstühlen, die Alt- und Neubau miteinander verbinden, bildet auch die moderne Heizungsanlage mit integriertem Eisspeicher ein absolutes Novum. Mit Hilfe des Eis-Energiespeicher-Systems könne laut Fürstberger ein Teil der Heizwärme sowohl aus der Umgebungsluft, der Solaranlage, dem Erdreich und selbst aus der „Kristallisations­energie“ des Eises gewonnen werden. Zudem übernehme der Eisspeicher als Kältequelle an heißen Tagen auch die Gebäudekühlung. „Eine Heizungsanlage mit hoher Effizienz“, so Fürstberger. Trotz dieser einzelnen Glanzpunkte, über die das Rathaus in Zukunft verfügen wird, steht doch für den Bauamtsleiter ein Augenmerk besonders im Vordergrund: „Auch wenn der Sitzungssaal die Stadt repräsentieren soll, so werden die Büros doch einfach nur schlicht und funktionell sein.“ Damit eben nicht mehr das Licht im Eingangsbereich des Rathauses flackert, sobald jemand Dokumente ausdruckt.    naj

Auch interessant

Kommentare