Bavarian Beats-Festival begeistert über zwei Tage im Tölzer Kurhaus

Traditionell und voller Poesie

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Bayerische Melodien Präsentierten unter anderem die Band Kofelgschroa.

Bad Tölz – „Bavarian Beats“ - was soll das eigentlich sein? Blasmusik, die einem im Wirtshaus das Bier besser schmecken lässt oder Schlager, der uns als Ohrwurm Nerven kostet? Falsch – bayerische Klänge können so viel mehr sein als klischeehafte Vorurteile. Der beste Beweis dafür sind die Musiker, die letzten Freitag das Kurhaus in Bad Tölz mit wunderbaren Klängen füllten.

„Auch wenn wir heute Abend etwas lockerer besetzt sind, freue ich mich, so großartige Künstler auf dem zweiten Bavarian Beats Festival begrüßen zu dürfen.“, leitet Veranstalter Florian Rein den Abend ein. Der Saal ist zwar nur zu drei Viertel gefüllt, doch das überschaubare Publikum freut sich umso mehr auf einen musikalischen Abend. Den Start macht der Münchner Singer- Songwriter Otto Schellinger. Zusammen mit Chris Stoeger am Schlagzeug lässt der Sänger und Gitarrist das Publikum an seinen Geschichten aus dem Alltag teilhaben. So singt er zum Beispiel vom Flaschensammler, den er des Öfteren schon am Münchner Ostbahnhof beobachten konnte: „Er ist der Flaschensammler und kein Gammler“. Besonders gut kommt auch sein Liebesgeständis an Sportkommentatorin der „Bundesliga Konferenz“, Sabine Töpperwien, an. Voller Witz und Charme kommentiert er: „Ich weiß zwar nicht, wie sie aussieht und wie alt sie ist, aber sie hat es mir angetan. Vielleicht hört sie mein Liebeslied ja eines Tages und kommt zu meinen nächsten Konzert am 23. Juni ins Arabella Brauneck Hotel in Lenggries.“ Schellinger ist langjähriger Bassist bei der bayerischen Künstlerin Claudia Koreck, heute Abend applaudiert das Publikum aber nur für ihn und seine charmant-verpackten Pop-Songs. So wird zum Ende auch die ein oder andere seiner mitgebrachten Platten „Flaschensammler“ verkauft. „Wir haben Vinyl-CDs mitgebracht. Für alle die keinen Plattenspieler haben, die kann man auch unter den Tisch stellen, wenn er wackelt.“ Nach einer kurzen Umbaupause ist dann Frauenpower angesagt. Eine bildschöne Frau mit dunklem, langem Haar betritt die Bühne: Künstlerin Gudrun Mittermeier, früher bekannt durch ihr Projekt Somersault. Zusammen mit ihrer vierköpfigen Band, bestehend aus Profimusikern, zieht sie das Publikum schnell in ihren Bann. Elfengleich, voller Gefühl gibt Mittermeier die Lieder ihres aktuellen Albums „Mitternach“ wieder. Dunkle, melancholische Pop-Songs, die voller Poesie stecken. Sphärische Klänge gepaart mit einer zarten Stimme, die gleichzeitig doch so kraftvoll, so ausdrucksstark ist – Kate Bush wäre begeistert. Die Zuschauer sind es auch und beobachten fasziniert die Art und Weise wie die Schönheit auf der Bühne, ihre Musik lebt und in ihr aufblüht. Denn nicht nur stimmlich ist Mittermeier ganz weit oben dabei. Voller Energie lässt sie auch ihren Körper von der Musik leiten. „Der nächste Song ist ganz neu und wird auch auf meinem neuen Album zu hören sein. Ich bin etwas nervös, denn es ist das Lieblingslied meiner Tochter, die heute auch hier ist“, kündigt die Sängerin an. Die Nervosität war ganz umsonst, das Töchterchen und Ehemann Michael Mittermeier sind verzaubert. Doch nicht nur sie, auch das Publikum lauscht aufmerksam den schwermütig und doch so leichten Tönen. Chapeau für diesen authentischen Auftritt, der einen für kurze Zeit in eine andere Welt entführte. Zum Ende des Abends wird es dann nochmal heiterer. Vier junge Männer, bewaffnet mit Tuba, Akkordeon, Tenorhorn und Gitarre betreten den Raum: Kofelgschroa, benannt nach dem Oberammergauer Berg Kofel. Mit mehrstimmigen Gesang, Charme und einem kultigen Auftreten, haben die Musiker das Publikum schnell auf ihrer Seite. Texte, die an den niederbayerischen Musiker Haindling erinnern und Melodien, welche aus einem Marcus H. Rosenmüller Film entsprungen sein könnten. Die Jungs haben sichtlich alles richtig gemacht: Ihr Debütalbum 2012, ein Dokumentarfilm und ihre aktuelle Platte „Baaz“ sprechen für sich. Hier wird nicht auf große Show gesetzt, Kofelgschroa sind eben so wie sie sind: Bayerisch, authentisch, gut. So fordert das laut applaudierende Publikum auch zwei Zugaben, bevor ein Abend voller bayerischer Offenbahrungen zu Ende geht. Tasmin Gutwald

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