Bayernhütte macht dicht

Geschlossene Gesellschaft: Die Bayernhütte auf dem Brauneck darf nicht weiter Gasthaus sein. Foto: Scheitterer

Sachen gibt’s, die sollte es eigentlich gar nicht geben: „Es ist schon fast pervers. Aber wir haben seit 1929 die Bayernhütte auf dem Brauneck illegal als öffentliches Berg-Gasthaus betrieben. Und das mit Genehmigung des Landratsamts“, sagt Heinz Langhammer, der Vorsitzende des Bayerischen Verkehrsbeamtenvereins. Seitdem diese Organisation im Jahr 1927 die Fläche gekauft hat, ist nämlich eine Grunddienstbarkeit im Grundbuch eingetragen, die klipp und klar den Gaststättenbetrieb dort untersagt.

Aufgekommen ist das Ganze als die Bayernhütte unlängst verkauft werden sollte. „Wir waren mit dem potenziellen Käufer bereits beim Notar, als dieser den betreffenden Passus im Grundbuch entdeckte“, führt Langhammer aus. Da die vier Bauern Kögl, Murböck, Rauchenberger und Kohlhauf, auf ihre eingetragene Grunddienstbarkeit nicht verzichten wollten, sprang der Kaufinteressent verständlicherweise wieder ab. Der Bayerische Verkehrsbeamtenverein war ursprünglich die erste Gewerkschaft von Post- und Bahnbeamten. Die Bayernhütte war als Erholungsheim für die Mitglieder gebaut und genutzt geworden. Später trennten sich Post und Bahn und heute sind die beiden Unternehmen privatisiert. „Da von unseren wenigen verbliebenen Mitgliedern aus Altersgründen keines mehr dort hinaufgeht, ist auch der Vereinszweck nicht mehr gegeben. Deshalb wollen wir die Hütte verkaufen“, erklärt Langhammer, der als jüngstes Mitglied auch schon stramm auf die 70 zugeht. Einen Verkauf strebt die Organisation an, nachdem der langjährige Hüttenwirt Helmut Gubo im Frühjahr den Pachtvertrag nicht mehr verlängert hatte. „Aus Altersgründen und auch weil seit der Eröffnung des Panorama-Restaurants der Geschäftsbetrieb stark rückläufig war“, erklärt Gubo. Zudem durfte der Gastwirt, der fast 40 Jahre lang die Bayernhütte führte, aus Brandschutzgründen seit dem vergangenen Winter keine Übernachtungsgäste mehr aufnehmen. „In einem kürzlich geführten Gespräch hatten die Bauern klipp und klar erklärt, dass sie auf ihrer Grunddienstbarkeit bestehen würden“, berichtet Langhammer. Selbst eine angebotene finanzielle Entschädigung hätten sie abgelehnt. „Da oben herrscht sowieso viel zu viel Fahrbetrieb und möglicherweise hätte der neue Eigentümer da einen Hotelkomplex hinaufgebaut“, umriss Hans Kögl, Sprecher der vier Grundnachbarn, seine Befürchtungen. Auf Nachfrage des Gelben Blattes gestand er dann aber ein: „Wir wollen da oben selbst einen Bewirtschaftungsbetrieb einrichten.“ Somit bietet die Grunddienstbarkeit offensichtlich eine gute Möglichkeit, sich unliebsame Konkurrenz vom Hals zu schaffen. Damit bleiben dem Verein, der nach wie vor einen Käufer sucht, nur zwei Möglichkeiten. „Entweder wir finden einen Interessenten, der die Hütte nur noch privat nutzt. Oder eine Organisation oder einen Verein, der sich auf einen reinen Pensionsbetrieb beschränkt, wobei er nur noch die eigenen Hausgäste bewirtet. Dagegen können die Bauern nichts machen“, erklärt Langhammer. Letzteres scheint derzeit nach dem aktuellen Stand weiterer Verhandlungen die wahrscheinlichste Möglichkeit zu sein. Eines aber scheint laut dem Vereinsfunktionär aber sicher: „Für die Öffentlichkeit ist die Bayernhütte als Berggasthaus für immer gestorben.“

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