Von Schmutzschleusen und Gummistiefel-Stativen

Bei einer Tour stellte die Stadtverwaltung ihre aktuellen Bauprojekte vor

dreigeschossige Mehrfamilienhaus an der Königsdorfer Straße
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Das dreigeschossige Mehrfamilienhaus an der Königsdorfer Straße bietet bald Platz für neun einheimische Familien.
  • Viktoria Gray
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Bad Tölz – Ein moderner Kindergarten, eine neue Turnhalle direkt daneben, eine Parkanlage an der Isar und ein Mehrfamilienhaus an der Königsdorfer Straße: Das sind die derzeitigen Bauprojekte, die die Stadt Bad Tölz heuer noch abschließen wird.

Treffpunkt der Tour zu den Baustellen ist der neue Kindergarten an der Jahnstraße, der Platz für 100 Kinder bereithält. Fertig sein soll das Gebäude zum Kindergartenjahr im September 2021.

„Man soll deutlich spüren, dass das ein Holzhaus ist“, erklärte Stadtbaumeister Florian Ernst. Der Holzmassivbau ist mit vielen großen Fenstern ausgestattet. „Wir wollten hier mit viel natürlichem Licht arbeiten“, so Ernst. In dem langen, erdgeschossigen Gebäude befinden sich im Westen vier Gruppenräume mit jeweils 50 Quadratmetern. Ausgestattet ist der Kindergarten außerdem mit sogenannten Schmutzschleusen, wie Ernst sie nennt. In diesen können sich die Kinder zukünftig umziehen. „Für die dreckige Garderobe gibt es dann etwa ein Gummistiefel-Stativ.“

Der neue Kindergarten an der Jahnstraße bietet Platz für 100 Sprösslinge. In Vier Grupppen kommen jeweils 25 Kinder unter.
Der lange Gang im Kindergarten, verbindet alle Räumlichkeiten miteinander

Mittlerweile ist der Kindergarten, des Betreibers Kinderland Weyarn GmbH (Miesbach), komplett ausgebucht. Der Bedarf ist so groß, dass zwei Gruppen vorerst im ehemaligen Gebäude der Lebenshilfe in Tölz verbleiben werden. Was das Kostenmanagement betrifft, so wird das Budget laut Stadtkämmerer Hermann Forster eingehalten: „Insgesamt sind wir bei 4,4 Millionen Euro und die Förderung vom Staat beläuft sich auf 1,9 Millionen Euro“.

Neubau neben Neubau

Hinter dem Neubau „Kindergarten“ befindet sich bereits eine große Grube. Hier soll der Anbau der Jahnschule entstehen. Klassenzimmer, Turnhalle, Kantine und ein Proberaum für die Stadtkapelle sollen hier angesiedelt werden. Der Abriss des alten Gebäudekomplexes hielt hier viele Überraschungen bereit. „Das alte Gebäude wurde in den 1960er Jahren erbaut“, erklärt Forster. Deshalb war der Abbruch mit 1,25 Millionen Euro nicht gerade günstig. Insgesamt sollen sich die Kosten hier auf 11,2 Millionen Euro belaufen.

Bürgermeister Ingo Mehner (v.r.), Stadtbaumeister Florian Ernst (mitte) und Stadtkämmerer Hermann Forster (hinten) standen Rede und Antwort.

Kleiner Park neben der Isar

Nächste Station der Tour ist das Taubenloch an der Säggasse. Am Eingang thront ein 35-Tonnen-Monolith, der bei Baustellenarbeiten an der Königsdorfer Straße gefunden wurde (wir berichteten). Laut Bürgermeister Ingo Mehner waren hier vor allem „anspruchsvolle Abstimmungen mit den Naturschutzbehörden“ vonnöten. „Das ist eine permanente Abwägung zwischen wollen und dürfen“, sagte er. Etwa bleiben zwölf alte Bestandsbäume stehen, an denen bei der Besichtigung noch Baumkletterer ihre Arbeit verrichteten. Geöffnet ist der 4.800 Quadratmeter große Park seit Ostern. Da sich davor Leute schon Zugriff zu dem Grundstück verschafft hatten, und sich dies mit herumliegenden Bierflaschen zeigte, sorgte sich die Stadt, dass der der Park vermüllt und zweckentfremdet werden könnte. „Ab 1. April, wird es wieder einen Sicherheitsdienst geben“, teilte Mehner daraufhin mit. Die Kosten für die Anlage belaufen sich auf 1,24 Millionen Euro wobei 678.000 Euro aus dem staatlichen Fördertopf kommen.

Extra für Tölz entworfene Bänke zieren die kleine Parkanlage.

Mehrfamilienhaus an der Königsdorfer Straße

Das Mehrfamilienhaus an der Königsdorfer Straße ist die nächste und letzte Haltestelle der Baustellentour. Der Neubau soll laut Stadtkämmerer heuer im Oktober fertig sein. Früher lebte dort einmal der Rechtsanwalt Anton Holzner, der Bürgermeister von Tölz nach dem Zweiten Weltkrieg war. Das dreigeschossige Gebäude mit einer Länge von rund 33 Metern und einer Breite von circa zwölf Metern wird ab Herbst neun Familien beherbergen. „Alle Wohnungen sind bereits belegt“, erklärt Forster vor dem Hintergrund, dass immer wieder Fragen aus der Bevölkerung aufkommen, ob die Wohnungen noch frei seien. Vergeben wurden die Unterkünfte laut Birte Otterbach, Pressesprecherin der Stadt Bad Tölz, bereits über eine lange Warteliste, die über das Liegenschaftsamt der Stadt läuft. Auf Nachfrage der Rundschau würden hauptsächlich „Tölzer Familien“, die Wohnungen beziehen. Die drei Dreizmmerwohnungen haben jeweils rund 75 Quadratmeter und die sechs Vierzimmerwohnungen um die 90 Quadratmeter. Neben Küche, Bad, Schlaf- und Wohnzimmern besitzt jedes Domizil einen Balkon auf der Westseite. Die Mietpreise seien an das Level bedürftiger Familien angepasst und würden sich von 7,50 Euro bis 9,50 Euro pro Quadratmeter staffeln. Angepasst an die Anzahl von Kindern beziehungsweise die Größe der Familien. Die Kosten für das Mehrfamilienhaus belaufen sich, wie Stadtkämmerer Forster mitteilt, insgesamt auf 3,8 Millionen Euro. Davon sind rund 1,5 Millionen Euro Fördermittel, 1 Million Euro würden aus einem Darlehen stammen und 1,3 Millionen Euro entnimmt man einer Sonderrücklage.

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